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Ferrari 335S, 1957

Der Traumwagen

Es ging bei Enzo Ferrari immer um: besser. Bei einem Ferrari-Rennwagen also: schneller. Einmal sagte «il Commendatore»: «Ich möchte ein Auto bauen, das schneller ist als alle anderen – und dann möchte ich sterben.»

Dieser Ferrari begann sein Leben als 315S mit einem 3,8-Liter-V12, der 360 PS auf die Strasse brachte. So motorisiert schaffte er bei den 12 Stunden von Sebring 1957 den sechsten Rang. Mit gleich vier 315S trat Ferrari im gleichen Jahr bei der Mille Miglia an – dieses Fahrzeug erreichte mit Wolfgang Berghe von Trips am Steuer den zweiten Rang hinter Teamkollege Piero Taruffi. Es war allerdings auch einer dieser Ferrari 315S, mit denen Alfonso de Portago bei dieser Mille Miglia in den Tod fuhr (und seinen Beifahrer und Freund Edmund Nelsen sowie neun Zuschauer mit sich riss); die Mille Miglia wurde danach nie wieder ausgetragen.

Doch nach dem tragischen Rennen zwischen Bresica nach Rom und zurück ging der Spider mit dem Scaglietti-Aufbau zurück ins Werk – und erhielt einen 4-Liter-V12, der auf rund 400 PS kam. Und den nur etwa 800 Kilo schweren Ferrari über 300 km/h schnell machte. Das war auch nötig, denn Erzfeind Maserati hatte in jenem Jahr mit dem 450S ein extrem schnelles Gerät am Start. Es muss aber auch geschrieben sein, dass diese Entwicklung vielleicht etwas gar schnell ging, das Chassis war immer noch das gleiche wie beim 290 MM – und vor allem die Hinterachse und die Bremsen waren wohl etwas zu schwächlich dimensioniert für die extremen Fahrleistungen.

Mike Hawthorn schaffte mit dem verbesserten Wagen dann auch prompt einen neuen Rundenrekord in Le Mans, die erste Runde in der Sarthe mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 200 km/h; er musste das Rennen allerdings nach fünf Stunden mit mechanischen Problemen aufgeben. Im Januar 1958 gewannen Masten Gregory und Stirling Moss mit der Chassisnummer 0674, die eigentlich als 315S/335S bezeichnet werden müsste, dann noch Grossen Preis von Kuba. Phil Hill meinte, der 335S sein wahrscheinlich der beste Frontmotor-Sportwagen je gebaut hat: «Der Wagen war ein Traum aus der Sicht des Fahrers; nicht nur hatte der 335 S mehr Kraft als seine Vorgänger, auch sein Chassis war deutlich besser und konnte auf allen Arten von Strassenoberflächen brillieren. Es passte einfach alles zusammen, der Motor, das Chassis und das Handling».

Genau dieses Fahrzeug war viele Jahre lang ein wichtiger Teil der grossartigen Sammlung des Franzosen Pierre Bardinon. Der auch ein enger Freund von Enzo Ferrari war. Auf die Frage, weshalb er selber denn kein Museum für seine Fahrzeuge habe, antwortete Enzo Ferrari: «Das brauchen wir nicht, das hat Bardinon für uns erledigt.»

Der Ferrari 315S/335S von 1957 gehört heute nicht wie zuerst vermutet dem Fussballspieler Lionel Messi, sondern einem amerikanischen Sammler, der Anfang 2016 den Rekordpreis von 32,1 Millionen Euro für dieses aussergewöhnliche Fahrzeug bezahlte.

Mehr Ferrari gibt es in unserem Archiv.

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