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750B – Giulietta Sprint

Der Grossartige

Wenn von den wichtigsten Fahrzeugen der Automobil-Geschichte die Rede ist, dann werden gern der VW Käfer, der Mini, das T-Modell von Ford, auch noch der 2CV und die DS von Citroën und vielleicht der Porsche 911 genannt. Aber in all diesen Listen, sicher von kompetenten Fach-Menschen zusammengestellt, fehlt konsequent ein Automobil: die Giulietta Sprint. Dabei war dieser Alfa Romeo für die weitere Entwicklung des Automobils von entscheidender Bedeutung: die Giulietta (und ihre Schwesterchen, die Berlina und der Spider) definierten Premium, bevor es Premium überhaupt gab. Sie definierten auch den kleinen, potenten und doch bezahlbaren Sportwagen, sie definierten das, was später als die GTI bekannt werden sollte, und sie definierten die Grossserien-Produktion von hochklassigen Fahrzeugen. Für Alfa Romeo war die Giulietta, die 1954 auf den Markt kam, das wohl wichtigste Fahrzeug überhaupt.

Auch hier ist die Geschichte wieder etwas: speziell. Eigentlich hätte ja die Berlina zuerst vorgestellt werden sollen, doch das von Alfa Romeo entwickelte und auch gezeichnete Fahrzeug kam und kam nicht auf Touren. Zu schwer war sie, die Limousine der Giulietta, zu teuer, es klappte gar nichts mit dem Modell, das unter dem 1900er angesiedelt war. All diese Probleme gab es mit der Giulietta Sprint, dem Coupé, nicht. Und dies, obwohl der Entstehungsprozess auch kompliziert war, das Design in Zusammenarbeit von Mario Felice Boano (damals bei Carrozzeria Ghia) mit Franco Scaglione (damals Chefdesigner bei Bertone) erdacht, der Wagen dann auch bei Bertone hergestellt wurde. Doch der Entwurf war derart überzeugend, dass Alfa Romeo schnell einsah, dass sich mit dem Sprint jenes Geld verdienen liess, das dringend benötigt wurde, um die Berlina (und auch den von Pininfarina entworfenen Spider) in Form zu bringen und zu Ende zu entwickeln.

Es war eine wahre Freud’. Die Giulietta Sprint verfügte über einen komplett neu entwickelten 1,3-Liter-Vierzylinder (Bohrung x Hub 74 x 75 mm, 1290 cm3), dessen Zylinderkopf und Motorblock aus einer Alu-Legierung bestanden. Es gab zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen und über Tassenstössel betriebende hängende Ventile, was den Vierzylinder in der Giulietta Sprint problemlos (und ausdauernd) über 6000/min drehen liess; die Leistung wurde mit 80 PS bei 6000/min angegeben, das maximale Drehmoment mit 102 Nm bei 3500/min. Die Höchstgeschwindigkeit des 880 Kilo schweren Fahrzeugs lag schon 1954 bei stolzen 165 km/h. Hinten gab es eine Starrachse an Längslenkern und am Differentialgehäuse angelenkten Dreieckquerlenkern, dazu Schraubenfedern, vorne war es eine moderne Einzelradaufhängung mit doppelten Dreieckslenkern, ebenfalls mit Schraubenfedern und Querstabilisatoren; die Trommelbremsen vorne und hinten waren sehr grosszügig dimensioniert. Das leicht untersteuernde Fahrverhalten ist heute noch: grossartig. Und das Design ist heute noch: grossartig.

Kurzer Einschub: Unser Leser Patrick C. hat uns einen schönen Link geschickt zur Giulietta Sprint, die auch im Comic Karriere machte, zu bewundern: hier.

Mehr Alfa Romeo haben wir immer in unserem Archiv.

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