Zurück zum Content

Mercedes-Benz 250GD „Wolf“

Außer Dienst

Der Soziolage sagt, dass man einen Trend zwar erkennen, aber nur schwer messen kann. Der Mathematiker hingegen nimmt den Trend als Differential eines Wertes nach der Zeit. Für ihn ist es entsprechend einfach.

Doch egal wie man den Trend erfasst, ob durch Messwertanalyse, Befragung oder Prognose: Am Ende weiß man immer, wohin es geht. Oder gehen wird. Oder zumindest gehen sollte.

Wohin es aktuell automobil geht, sind vor allem zwei Richtungen: hoch hinauf und zu immer mehr Design. In Summe ergibt sich daraus das Sport Utility Vehicle. Eine Fahrzeugform, die nichts besser kann als ihr grundflächengleicher Kombi-Bruder, dafür einiges deutlich schlechter.

Das macht aber nichts, denn es ist nun einmal: Trend.

Eine weitere Strömung unserer Zeit sind Restomods. Also Restaurationen, die gleichzeitig die Basis massiv modifizieren. Die Porsche-Szene ist voll davon, bei den schnellen Alfas der Plattform 105 gibt es ebenfalls wunderbare Interpratationen und auch sonst findet sich für praktisch jeden Klassiker ein entsprechender Friseur.

Da Handwerkskunst und Geschmack in dieser Szene sehr nah beieinander liegen, wundert es nicht, dass aus einem ausgemusterten taktischen Fahrzeug der deutschen Bundeswehr eines der wunderbarsten Sport Utility Vehicles gezaubert wurde.

Der Mercedes-Benz 250GD „Wolf“

Im Gegensatz zum weitverbreiteten Irrglauben war nicht etwa die deutsche Bundeswehr ausschlaggebend für die Entwicklung des Mercedes G, sondern Mohammad Pahlavi, damaliger Machthaber im Iran und gleichzeitig mit 18% Aktienbesitz einer der größten Anteilseigner am Daimler-Benz-Konzern.

Er suchte ein zuverlässiges Gerät für Grenzpatrouillen. Auf die Jagd gehen zu können wäre auch nett. So begann die Geschichte des G mit Steyr-Daimler-Puch 1972, und 1979 rollten die ersten Geländewagen in Graz vom Band.

Die Bundeswehr hingegen beschaffte den G erst 1993. Im korrekten Beamtendeutsch firmiert er übrigens als:

„Taktischer Lastkraftwagen III. Generation, Ungepanzertes Radfahrzeug, Wolf“.

Mit den anderen 12.000 Wölfen hat dieses Exemplar allerdings nur mehr wenig gemein. Mit wunderbarer Ironie glänzt er nun anstatt in NATO-oliver Tarnfarbe in leuchtendem RAL 1003 „signalgelb“. Auch sonst ist dem Baumuster 460.317 wenig Militärisches geblieben.

Die Überarbeitung beinhaltet neben der Komplettzerlegung und Neulackierung:

  • einen Umbau des 5-Gang-Schaltgetriebes,
  • Installation neuer Einzelsitze, ausgeführt in MB-Tex,
  • Sachs Heavy-Duty-Kupplung,
  • 50mm Höherlegung,
  • 15″ Mercedes-HD-Stahlräder,
  • 33″ BF Goodrich Mud Terrain Reifen,
  • Brembo-Bremsanlage,
  • Original-Schnorchelkit,
  • Rammschutzbügel,
  • vordere Blinkerkäfige,
  • die verbreiterten Radkästen,
  • Kanister-/Zubehörhalter,
  • Reifenhalter mit passendem Ersatzrad,
  • ein neues Vinylverdeck in „Wolf“-Ausführung,
  • LED-Rückleuchten

Eine Höherlegung gepaart mit ein bisschen Design muss also nicht zwangsläufig in einem SUV enden.

Und, wir erinnern uns: Der Wolf ist im Hubschrauber CH-53G/GS luftverladbar. Zusätzlich – sollte gerade genau dieses Muster nicht im Zugriff sein – kann er als Außenlast hängend transportierbar werden.

Und wenn dieser Trend bei den Nachbarn keinen Eindruck macht, dann wissen wir auch nicht…

Wer sich den signalgelben 250GD importieren möchte, der sollte hier zügig mitbieten: bring-a-trailer

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.