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Ford Focus 2018

Fordschritt

Ford wird gern unterschätzt. Dabei sind die Amerikaner, die im vergangenen Jahr 6,6 Millionen Fahrzeuge verkauft und einen Umsatz von 157 Mrd. Dollar erzielt hatten, weiterhin Nummer 5 weltweit. Und sie schreiben einen satten Gewinn, 8,4 Mrd Dollar waren es 2017. In Deutschland steht Ford weiterhin auf Platz 4 mit einem Marktanteil von 5 Prozent, in der Schweiz auf Rang 7 mit einem Marktanteil von 4,4 Prozent – und einer Verbesserung gegenüber dem Vorjahr von 6,1 Prozent. Logisch schreit auch der 1903 gegründete Konzern nach E-Autos, will bis 2022 11 Milliarden investieren, doch man ist da im Vergleich etwa zu Volkswagen oder dem Stern doch einigermassen zurückhaltend, setzt nicht alles auf eine Karte, sondern mehr noch auf Mobilitätsplattformen (etwa eine Kooperation mit Lyft) und intelligente Software (Microsoft ist da der Partner) – man will «the most trusted mobiliy company» werden. In einigen Bereichen darf man Ford als führend bezeichnen, etwa der Sprachsteuerung; die in vergangenen Jahren etwas gar stark propagierte Globalisierungsstrategie stellt den Konzern unterdessen aber auch vor gewisse Probleme.

Wie auch immer, noch in diesem Sommer kommt der neue Focus. Das wichtigste Modell der Amerikaner, es wird weltweit produziert und angeboten, er war lange Jahre das meistverkaufte Fahrzeug der Welt, noch immer werden jährlich über eine Million Exemplare abgesetzt (auch wenn das mit der Benamsung mancherorts etwas kompliziert ist). Und auch wenn das klassische C-Segment etwas schwächelt, in Zukunft von den SUV/Crossover noch stärker bedrängt werden wird – der Focus muss ein Bestseller bleiben, er bringt Ford am zweitmeisten Geld (hinter dem F-150). In der fünften Generation (zumindest nach interner Zählweise) wird deshalb auch alles anders, nicht bloss ein neues Design, sondern auch eine neue Plattform, neue Motoren – und vor allem ein neues Modell-Programm. Natürlich gibt es weiterhin den Viertürer (eher selten zu sehen in Europa, zu recht), den klassischen Fünftürer, den Kombi. Frisch dazu kommt der Active, also: etwas höher, so etwas wie ein Crossover. Und der ST sowie der Vignale werden zu eigenständigen Varianten ernannt.

Also, der Reihe nach. Wobei das jetzt nicht zu einfach ist, den Viertürer versteckt Ford noch irgendwo, vom «profanen» Fünftürer haben wir keine Bilder erhalten, also beginnen wir hier mit dem ST:

Dies ist dann der Vignale:

Und hier präsentieren wir den Active:

Und zuletzt noch den Kombi, dies aus dem einfachen Grund, weil der Kombi auch etwas später auf den Markt kommt:

Das Rad will und kann Ford mit dem Focus nicht neu erfinden. Und wohl noch mehr als bei anderen Auto-Herstellern muss das Design weltweit mehrheitstauglich sein, wird in Unzahlen von «clinics» an potenziellen und gestandenen Kunden getestet und geprüft und dann auch verfeinert. Entstanden ist dabei beim Fünftürer ein nicht wirklich aufregendes, aber sicher adrettes Fahrzeug, das von vorne klar als Ford erkennbar ist – und hinten etwas brav, austauschbar erscheint. Das ist noch erstaunlich, die früheren Focus-Generationen waren im Bereich des Hecks immer klar erkennbar, doch auf dieses so typische Merkmal wird man in Zukunft verzichten (sehen nur wir das etwas gar viel A-Klasse von Mercedes? Mit einem leichten Mazda-Einfluss?). Der Kombi ist sicher gelungen, der ST macht viel her, beim Vignale geht es mehr um die inneren Werte – und bei der Active-Version hat man sich mehr Mühe gegeben als beim Fiesta, sie wirkt deutlich harmonischer als ihre kleine Schwester. Man darf davon ausgehen, dass dieses neue, insgesamt 3,2 Zentimeter höhere Crossover-Modell mit seinen Anbauteilen für städtische Abenteuer dem Focus-Programm einen anständigen Schub geben wird.

Innen ist der Fordschritt beträchtlich, rund 50 Prozent der Schalter und Knöpfe wurden entfernt. Da der Focus davon aber reichlich hatte, bleiben immer noch reichlich – so richtig auf Touchscreens mag man bei Ford nicht setzen; die Zukunft wird weisen, wer da den richtigen Weg geht, die hardcore-Fraktion um Tesla, Volvo, Peugeot/Citroën, oder halt jene wie Ford, die einen Mittelweg suchen. Interessant: Ford ermöglicht dem Drehknopf bei den Automatik-Versionen eine Wiedergeburt. Es ist aber alles sehr ansehnlich, wir konnten nur eine ausführliche Sitzprobe machen, doch da konnte der Focus haptisch und ergonomisch schon sehr überzeugen. Der Screen liegt schön im Blick, dazu gibt es einen Head-up-Display mit individuell wählbarer Informationsvielfalt. Richtig gut ist der Vignale, innen wahrscheinlich derzeit das schönste Fahrzeug in diesem Segment. Die Sitze und die Platzverhältnisse sind gut, auch für die hinteren Passagiere – genaue Zahlen, auch zum Kofferraum-Volumen, haben wir leider noch nicht. Wie üblich bei Ford gibt es alles an Assi-Systemen, was nur denkbar ist, da braucht man sich beim besten Willen nicht zu verstecken. Was auch für das Infotainment gilt.

Andere Zahlen gibt es, etwa: im Schnitt werden die neuen Focus-Modelle 50 Kilo leichter als ihre Vorgänger. Der cW-Wert wurde deutlich verbessert, der Fünftürer kommt auf beachtliche 0,273; neue Reifen sorgen für einen 20 Prozent geringeren Abroll-Widerstand. Und dann gibt es neue Motoren, vor allem den Dreizylinder mit 1,5 Liter Hubraum mit 150 oder 182 PS – und der erstmaligen Zylinderabschaltung bei einem Dreizylinder. Der schon bekannte 1-Liter-Dreizylinder wird in drei Stufen angeboten, 85, 100 und 125 PS. Erfreulicherweise lässt Ford den Diesel nicht sterben, es gibt zwei komplett neue Selbstzünder mit 1,5 (90/120 PS) und 2 Liter Hubraum (150 PS). Und eine ebenfalls komplett neue 8-Stufen-Automatik. Ford verspricht, dass die neuen Focus 10 Prozent sparsamer sind – und das im wirklichen Leben, nicht nur auf dem Papier. Über sportlichere Motorisierungen werden wir später berichten können.

Der Schachzug, die einzelnen Focus-Modelle als eigenständige Varianten zu verkaufen, erscheint clever – auch deshalb, weil die Preis- und Ausstattungslisten so deutlich vereinfacht werden können, alles viel übersichtlicher wird. Andererseits muss sich die Kundschaft schon vorab entscheiden, was denn überhaupt in Frage kommt; die Preise kennen wir noch nicht, aber da musste man sich bei Ford ja selten beklagen, da ist man auf jeden Fall konkurrenzfähig. In grösserer Anzahl werden die neuen Ford Focus dann nach den Sommerferien bei den Händlern für Probefahrten zur Verfügung stehen – der Zeitpunkt scheint gut gewählt, denn die grössten Konkurrenten sind alle schon in die Jahre gekommen. Mehr Ford haben wir in unserem Archiv.

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