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Fahrbericht Peugeot 508 SW

Nicht Volumen – Lifestyle

Einst, da hiessen schöne Kombis: Avant. Doch weil die Audi A4 und A6 seit gefühlt Jahrzehnten genau gleich aussehen, die neuen Baureihen wohl nur von den Händlern als solche erkannt werden können, hat sich auf dem Kombi-Markt eine Lücke eröffnet, die Volvo gut besetzen konnte zuerst mit dem mächtigen V90 und seit kurzem auch noch mit dem ebenfalls schön proportionierten V60. Doch jetzt kommt noch ein neuer Konkurrent dazu, aus einer ganz anderen Richtung, aus Frankreich, einem Hersteller-Land, das lange berühmt war für vor allem riesige Kombis, Citroën DS, Peugeot 504, Citroën CX, etc.. Mit dem 508 SW drängt nun Peugeot auch hin zum Lifestyle, nicht mehr maximales Volumen ist angesagt (um ehrlich zu sein: der 308 SW verfügt über einen grösseren Kofferraum…), sondern gutes Aussehen. Und diesen Versuch darf man sicher als gelungen bezeichen, wie schon die Limousine ist auch der Kombi des 508 ein sehr adrettes Fahrzeug.

Er hat ja auch die gleichen Aussenabmessungen wie die «Berline», wie der Franzos’ der Limousine so schön sagt. Im Heckbereich, dort also, wo er so ganz anders ist als seine viertürige Schwester, hat er aber auch seine Schwächen: während das Limo-Heck aus einem Guss ist, einfach nur schön und cool, braucht der Kombi gleich zwei vertikale Linien, die eigentlich unnütz sind. Die eine ist klar, ein Querträger aus Sicherheitsgründen für die grosse Klappe, doch weiter oben gibt es auch noch eine Plastiklinie mit der Aufschrift «Peugeot». Gilles Vidal, Director of Design bei Peugeot, meint dazu nur lakonisch: «So genau schaut doch niemand hin». Mag sein, aber wir schauen nun halt mal genauer, und wir sind jetzt nicht total überzeugt, ob das nicht auch einfacher und folglich harmonischer möglich gewesen wäre. Als Ganzes wirkt das aber trotzdem: gut. Immerhin werden wohl 60 Prozent der 508-Verkäufe auf den Kombi fallen.

Wenn aussen alles gleich ist, dann darf man davon ausgehen, dass auch innen alles gleich ist. Klar, i-Cockpit (schon fünf Millionen Mal verkauft – es scheint also zu gefallen…), wir mögen das, waren schon immer überzeugt, dass sich das durchsetzen kann, denn das kleine Lenkrad vermittelt auch im grossen Wagen ein gutes Gefühl von Agilität, Wendigkeit. Schöne, saubere Verarbeitung, nicht nur bei den teuersten Ausstattungslinien (aber GT-Line ist schon sehr cool). Für die hinteren Passagiere gibt es aber deutlich mehr Kopffreiheit als bei der Limousine (um genau zu sein: 4 Zentimeter), und das tut dem nur gerade 1,7 Zentimeter höheren SW gut, in der zweiten Reihe ist er dem Viertürer überlegen. Und damit die Kofferraum-Volumen nun doch auch noch erwähnt ist: 530 Liter sind es, maximal 1780 Liter können es sein. Damit braucht sich der 508 Kombi nicht zu verstecken vor anderen Lifestyle-Kombis, aber gerade überragend ist es nicht. Die Ladekante liegt dort, wo sie bei anderen Kombis auch liegt, der Zugang ist vielleicht etwas schmal. Sehr schön: es gibt gegen Aufpreis auch einen Holzboden, so schön wie einst beim doch deutlich teureren CLS von Mercedes. Als Sonderausstattung ist eh noch so manches zu haben, da hat auch Peugeot verstanden, dass sich mit reichlich Assistenzsystem auch reichlich Geld verdienen lässt, und so kann man etwa einen Nachtsicht-Assi bestellen, den es noch nicht überall gibt.

Gefahren sind wir, neben der Top-Motorisierung mit 225 PS und dem bekannten 180-PS-Selbstzünder, auch eine neue Leistungsvariante des 2-Liter-Diesel mit 160 PS. Einen grossratigen Unterschied zum 180-Pferder konnten wir jetzt nicht wirklich feststellen, ob es in der Realität wirklich 0,2 Liter weniger Verbrauch sein werden auf 100 Kilometern, das liesse sich wohl nur in einem Langstreckentest feststellen. Zu vermelden ist aber, dass die 160 PS locker auch ausreichen – man aber doch glücklicher ist mit den 225 PS des Benziners. Geschaltet wird allgemein eh nur noch automatisch über acht Gänge, nur der schwächste Diesel (130 PS) ist noch mit einem manuellen Getriebe erhältlich. Erhältlich sein werden die Kombis aber eh erst Mitte des nächsten Jahres, was uns etwas erstaunt, das dauert ja noch ewig, bis man dann 2000 Franken Aufpreis gegenüber der Limousine zahlen darf. Die Preisskala beginnt als bei 38’900 Franken für den günstigsten Diesel – und Peugeot gibt nicht so viel Rabatt wie ein deutscher Hersteller mit dem Stern im Emblem.

Ach ja: Ebenfalls im nächsten Sommer wird es den 508 als Kombi auch als Plug.in-Hybrid geben. Mit 225 PS Systemleistung. Und zu einem Preis, der dem kräftigsten Diesel entsprechen soll. Allerdings: Allradantrieb ist auch dann nicht. Nur «Gott in Frankreich» weiss, warum.

Mehr Peugeot gibt es in unserem Archiv. Und der ausführliche Test des Peugeot 508 als Limousine folgt dann noch.

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