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Citroën, 100 Jahre

Das grosse, grosse Fest

Selbstverständlich sagen Bilder oft mehr als 1000 Worte. Ganz besonders dann, wenn man von einem grossen Marken-Treffen berichten will. Und ja, gross waren sie, die Festlichkeiten zu 100 Jahren Citroën auf dem ehemaligen Versuchsgelände in La Ferté-Vidame – und ganz grossartig. Und deshalb werden und wollen wir in der Folge auch noch ganz viele Photos zeigen, doch auch ein paar Geschichten erzählen vom «Rassemblement du Siècle», das seinen grossen Titel auch wirklich in Anspruch nehmen durfte. «radical» hat ja schon so einige dieser Feiern und Treffen mitgemacht, doch es war diese Zusammenkunft von Citroën aus aller Welt und aller Jahrgänge das mit Abstand schönste Auto-Fest, an dem wir je teilgenommen haben. Und wäre Citroën in den vergangenen 100 Jahren immer so gut organisiert gewesen wie in La Ferté-Vidame, die Geschichte des Automobils wäre wohl anders verlaufen. Man muss den Franzosen wirklich ein Kränzchen binden, ein ausgezeichnetes Verkehrs- und Parkplatz-Konzept, zeitgemässer Umweltschutz, ein cleveres Food- und Getränkekonzept (zu fairen Preisen). Und das auch noch schönst familiär, der Grossvater schnippelte in aller Ruhe wunderbar rosige Äpfel, seine Tochter knetete vor Ort den Teig, der Enkel fritierte daraus ausgezeichnete Beignets, zwei Euro das Stück. So nebenbei beschmierte der Enkel auch noch selbstgemachte Waffeln liebevoll mit Nutella. Manchmal gab es zwar etwas Wartezeiten im Essensbereich, doch die Besucher schienen das sogar zu schätzen, sie kamen dann da und auch dort ins Gespräch. Was dann vor uns so ablief bei zwei älteren Herren:
– Und, mit was sind Sie angereist?
– 5 HP.
– Ah, welcher?
– Der Blaue dort drüben.
– Ah – ich hätte noch einen originalen Kühler.
– Echt?
Worauf die Beignets dann plötzlich nicht mehr so wichtig waren, die beiden Herren sich sofort in Richtung des blauen 5 HP entfernten. Worauf wir von der Dame hinter uns angesprochen wurden:
– Und, mit was sind Sie angereist?
– Land Rover Defender.
– Aha.

Etwas abseits wurden die XM parkiert. Überhaupt haben die XM-Fans und -Besitzer anscheinend das Gefühl, dass sie nicht so recht Ernst genommen werden. Wohl auch deshalb hatten sie eine eigene Bar aufgebaut, an der schon am frühen Nachmittag reichlich lokaler Weisswein ausgeschenkt wurde. Die Gespräche drehten sich um Ersatzteile, Scheunenfunde, die zuverässigsten Antriebe, die höchsten Kilometerleistungen: 1,7 Millionen Kilometer waren das höchste Gebot, das wir hörten. Und wir hörten auch noch harte Verhandlungen um einen fabrikneuen XM mit null Kilometer – deutlich über dem damaligen Neupreis. Gleich hinter den XM: die C6. In der uns eine kleine Gruppe junger Deutscher auffielen, die alles über den letzten grossen Citroën wussten. Und sehr selbstbewusst behaupteten: der C6 wird Kult. Also, eigentlich ist er es schon, es hat nur noch fast niemand gemerkt.

Frédéric Daunat ist einer der bekanntesten Citroën-Restauratoren. Bei Daunat gibt es auf Wunsch und gegen entsprechendes Entgelt so ziemlich alles, was das Citroën-Herz begehrt – auch DS-Chapron-Cabriolets mit SM-Motoren. Auf dem grossen Stand von Daunat war auch ein ganz besonderes Fahrzeug zu bewundern: ein SM mit Achtzylinder-Motor. Diese Maschine soll Citroën 1974 bei Giulio Alfieri, dem legendären Maserati-Chefkonstrukteur, für die Verwendung im bereits angedachten Maserati Quattroporte II bestellt haben. Als der Motor dann feretig war, soll er in einen roten SM eingebaut worden sein, der doch stolze 12’000 Kilometer an Testfahrten hinter sich gebracht haben soll. 1975, so heisst es, wurde der SM verschrottet, der Motor verschwand in den tiefen Regalen der Maserati-Entwicklungsabteilung, wo er, so heisst es, 1978 von der Familie Panini gefunden und ins eigene Museum gebracht wurde. Von da ging er dann durch verschiedene Hände, kam irgendwann, irgendwie zu Daunat, wurde restauriert und wieder in eine rote SM eingebaut – und seither kursiert die eben erzählte Geschichte. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch.

Doch ansonsten: es fehlten die Selbstdarsteller. Einverstanden, es gibt keine millionenteuren Citroën, doch auch der Umgang mit feinsten Chapron-Cabrios und edlen Traction-Avant-Einzelstücken war ganz entspannt. Zwar wurden schon so einige wenige Fahrzeuge mit dem Transporter in die französische Pampa gebracht, doch auf die riesigen Felder vor und hinter der Schloss-Ruine mussten sie alle aus eigener Kraft fahren. Auch das Raupen-Fahrzeug aus den 20er Jahren rasselte friedlich auf seinen Platz. Beeindruckend da immer wieder die Traction-Avant-Fraktion, die aus ganz Europa anreiste. Der Club der Hardcore-Piloten, die Paris-Peking zum Frühstück nehmen, ihre Citroën schon öfter quer durch Afrika prügelten und sich im nächsten Jahr auf den gröbsten Pisten in Südamerika treffen werden, hatte auch seine eigene Ecke, mit Grill und riesiger Reispfanne und anständigem Bordeaux; diesen Damen und Herren ist kein automobiles Abenteuer fremd, einige von ihnen reisen das ganze Jahr über, man müsste Bücher schreiben mit ihren Geschichten.

Der Mannheimer fährt mit Gattin und DS jedes Jahr mindestens eine Woche in die Ferien nach Frankreich – meistens ohne Probleme, wie er erzählt (ob mit der Frau oder der DS, das wissen wir jetzt nicht).

Der Basler, angereist mit dem Sohn, hatte seinen SM vor 25 Jahren mit rund 60’000 Kilometern gekauft, unterdessen sind über 300’000 Kilometer auf dem Tacho, völlig ohne Ärger, «aber nicht, weil ich so ein guter Mechaniker bin, sondern, weil ich einen guten Mechaniker kenne». Er erzählt dann auch noch, dass er mit der Familie, SM und Dachbox in die Skiferien fährt, «die Kinder mögen die SM lieber, auch wenn sie darin weniger Platz haben als in der DS». (Es gab auch auf diesem Treffen mehr Chapron-Umbauten als es überhaupt je gab…)

Und dann war da noch das schwedische Paar, beide weit in den 70ern, angereist von nördlich von Stockholm in einem sehr originalen 56er 2CV, Höchstgeschwindigkeit 80 km/h, aber bei so etwa 60 km/h sei die beste Reisegeschwindigkeit: «Wir haben ja Zeit». Das nächste ICCR-Treffen findet 2020 dann in Polen statt, «da nehmen wir wohl dann die Fähre».

Rund 3000 klassische Citroën sollen sich vorab angemeldet haben für das «Rassemblement du Siècle», einige hundert weitere Citroën-Besitzer nutzten das schöne Wetter, um sich und ihren Fahrzeugen einen Ausflug zu gönnen; die Umgebung von La Ferté-Vidame war auf jeden Fall voll mit C6, XM, CX, DS, Ami 6 & Co, 2CV und erstaunlich vielen Traction Avant. Schön war aber, dass auch BX und AX und sogar ein Axel ihren Platz fanden; die Citroën-Familie ist nach 100 Jahren ja gross, da braucht es auch ein paar schwarze Schafe.

Mehr Citroën haben wir in unserem Archiv. Und hier die Zusammenfassung aller unserer Stories zu den 100 Jahren von Citroën. Und unten gibt es noch ein paar Bilder von den ganz alten Stücken:

4 Kommentare

  1. B.P. B.P.

    Der Traction Avant ist für mich der Inbegriff eines Klassikers – so unglaublich modern und qualitativ hochwertig für die damalige Zeit, dass man auch heute in Bezug auf Fahrfreude, Komfort und Qualität fast nichts einbüßen muss.

    Habe die Serie „Inspector Maigret“ nur wegen dem Auto angefangen zu verfolgen; erst später dann wegen der absolut brillanten Storyline und exzellenter Performance von Rowan Atkinson. 🙂

  2. Benjamin Schneider Benjamin Schneider

    Danke aaaber,
    also ich weiss nicht so ganz, ob der Verfasser da war!? Denn zB das Testgelände ist noch aktiv, von wegen ehemalig!
    Die Park-& Anfahrtsituation (vor allem am Samstag) war selbst für eingeschriebene „Collectionneurs“ gelinde gesagt SCHLECHT, über 2 Staundn hats gedauert bis auf den Parkplatz im Schlosspark!
    Aber ansonsten wirklich TOP!!

    • Peter Ruch Peter Ruch

      wir waren am Freitag da, da lief alles sehr easy und locker. und das mit dem Testgelände, das wissen wir unterdessen auch, sorry für den Fehler.

  3. Gerd Triverio Gerd Triverio

    Es war per se gut organisiert. Allerdings gab es vermeidbare organisatorische Unzulänglichkeiten die einem viel Geduld abverlangten. So mussten wir bei der Registrierung nach 30 minütigem Warten selbst herausfinden dass die QR – Codes nicht eingelesen werden konnten. Der Internetzugang war funktionslos!? ES LEBE DIE DIGITALISIERUNG! Als es wieder funktionierte kamen die zuerst dran die frech genug waren sich vorzudrängen. Wofür die Helfer der Organisatoren da waren ist mir schleierhaft. Dann registrieren. Info : das detaillierte Programm sei in einem Rucksack der als Geschenk an einem Stand auf dem Gelände abzuholen sei. Was unerwähnt blieb war die Tatsache, dass man für diesen Rucksack- der sich als Plastiksack voll mit Werbeflyer erwies ( das Rallyschild und ein Programmheftchen waren das einzig brauchbare) minimum 40 Minuten in der prallen Sonne anstehen musste!?!?! Sowohl am Freitag wie auch am Samstag.
    AUF DIE IDEE DIESE PLASTIKTÜTE BEI DER REGISTRATION ABZUGEBEN IST OFFENBAR NIEMAND DER ORGANISATOREN GEKOMMEN.
    Der Stau bei der Zufahrt am Samstag entstand weil die Helfer es nicht schafften die registrierten Fahrzeuge von den „nur“ Besuchern zu trennen. Folge: vor 10.00 Uhr waren alle Besucherparkplätze voll, die Strassen im Umkreis alle vollständig verstopft. Und wir die zugeteilte Aufstellplätze auf dem Gelände hatten konnten da nicht hinfahren weil im Stau!
    Also gute Organisation sieht anders aus.
    Aber schön war‘s trotzdem!

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