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Fahrbericht Toyota Supra

Charakterfrage

«Bitte verbinden Sie sich mit der BMW-Info-App» (oder zumindest so ähnlich) war doch tatsächlich die Begrüssung, als ich mich in den Toyota Supra setzte. Nun denn, es weiss ja zwar quasi jede(r), dass Toyota und BMW den Supra und den Z4 (hier: Testbericht) über den unsäglich langen Zeitraum von sieben Jahren gemeinsam entwickelt haben, doch dass die sonst so stolzen Japaner solche Kleinigkeiten «vergessen», das ist schon etwas peinlich. Und zeigt vielleicht auch ein wenig die interne Wertschätzung des Fahrzeugs, das immerhin die sportliche Speerspitze des Konzerns darstellen darf. Dass Toyota unterdessen auch reichlich Infos über die zweite Generation des GT86 an die Öffentlichkeit sickern lässt und dabei intensiv betont, dass dieses Fahrzeug eine absolut eigenständige Entwicklung sein werde, lässt die Vermutung aufkommen, dass die Japaner den Supra nicht besonders ins Herz geschlossen haben. Was auch daran liegen könnte, dass das Herz dieses Sportwagens definitiv von BMW stammt, Chassis, Antrieb, Elektronik, Fahrwerk, also quasi alles, was dieses Fahrzeug ausmacht. Aus Japan kommt einzig die Gestaltung aussen und innen.

Und gerade beim Design kann man nun wirklich geteilter Meinung sein. Es ist das alles etwas wild, es wuchert allerorten, die Schminke ist etwas gar dick aufgetragen, die Einlässe auf Haube und Kotflügeln sind Fake. Das «Double Bubble»-Dach sieht von vorne frech aus, doch seitlich wirkt es wie nachträglich aufgepappt. Auch innen erkennt man viel BMW – und all das, was nicht aus dem Z4 stammt, ist jetzt auch nicht das Gelbe vom Ei. Das Cockpit ist im Supra nicht dem Fahrer zugewandt, sondern wird in die Breite gezogen, wirkt mehr: flächig. Was in einem Familien-Kombi durchaus passen mag. Doch in einem zweisitzigen Sportwagen darf es doch schon auch sportiver sein, Konzentration auf das Wesentliche. Immerhin: der analoge Drehzahlmesser sitzt zentral, die Sitzposition ist schön tief, die Sitze bieten ausgezeichneten Seitenhalt. Mit 290 Litern fällt der Kofferraum nicht gerade üppig aus, doch das ist bei einem solchen Coupé ja eh Nebensache. Das Bediensystem ist so logisch, wie es im BMW halt auch ist, sprich: irgendwann findet man sich zurecht.

Auch wenn Toyota behauptet, Motor und Getriebe selber abgestimmt zu haben – es ist das alles sehr, sehr BMW. Was ja alles andere als falsch ist, der doppelt aufgeblasene 3-Liter-Reihen-Sechszylinder mit seinen 340 PS und den 500 Nm maximalem Drehmoment (zwischen 1600 und 4500/min) gehört definitiv zum Besten, was es an modernen Antrieben gibt. Auch die 8-Gang-Automatik verrichtet tadellose Arbeit, zumindest auf der Landstrasse, wenn sie nicht zu sehr gefordert wird. Da sind die Schaltvorgänge seidenweich, die Drehmomentwand hilft, dass da auch immer genügend Saft zur Verfügung steht. Fordert man die Maschine dann aber härter, dreht sie über 5500/min, dann kommt nicht mehr viel; bremst man den Toyota vor der Kurve massiv ab und will dann mit Schmackes wieder aus der Biegung, dann sucht der Automat manchmal schon nach der richtigen Welle. Aber man kann ja immer auch manuell, das passt dann besser. in 4,3 Sekunden ist er auf 100, bei 250 km/h wird er elektronisch eingebremst, der Verbrauch liegt gemäss Werk bei 7,5 Litern.

Was hervorragend ist: der Supra ist kaum aus der Spur zu bringen. Mit seinem extrem kurzen Radstand (2,47 Meter) ist er extrem agil (und ja, irgendwie agiler als der Z4), die Michelin-Gummi (vorne 255/35/19, hinten 275/35/19) liefern unfassbar viel Grip, wer keinen groben Fehler macht, der wird es kaum schaffen, dass der Toyota über Vorder- oder Hinterachse geht. Uns hat auch die Lenkung besser gefallen als im bayrischen Roadster, was aber daran liegen könnte, dass der Kranz viel dünner ist, einfach besser in den Händen liegt (und ansonsten völlig überfrachtet ist mit Knöpfchen und Schaltern). Das elektronische Sperrdifferential hilft selbstverständlich, dass die Kraft auch sauber verteilt wird und auf den Boden kommt, doch es ist wirklich beeindruckend, welche Kurvengeschwindigkeiten mit dem grundsätzlich sehr gutmütigen Japaner möglich sind. Mit dem BMW muss man ihn da nicht vergleichen, man bewegt einen Roadster wohl selten so grob wie ein Coupé, das ja auch optisch den härteren Kerl mimt. Positiv ist ausserdem, dass der Toyota nicht bretterhart sein will, er hat durchaus Langstrecken-Qualitäten. Im «Normal»-Modus ist er sogar angenehm ruhig; zum «Sport»-Dings muss dieses künstliche Auspufffehlzündungsgeknatter wohl einfach dazugehören, auch wenn es sehr künstlich wirkt.

Doch trotz des wunderbaren Fahrverhaltens lässt uns der ab 79’900 Franken erhältliche Toyota Supra etwas ratlos zurück. Auch wenn er viel Fahrspass macht und optisch sehr eigenständig ist, so fehlt ihm doch: das Besondere, der Charakter. Klar, es gibt den BMW Z4 nicht geschlossen, aber wenn man einen BMW fahren will, dann kauft man wohl auch einen BMW, da gibt es ja auch voll verlötete Sportwagen im Modell-Programm. Japanische Sportler, wir denken da an; Honda NSX, Nissan GT-R, auch die alten Supra, sogar den GT86, sind ansonsten immer extrem, speziell – und das ist der Supra nicht wirklich. Um das etwa gleiche Geld kann man auch einen Cayman von Porsche kaufen, die so feine Alpine A110 ist deutlich günstiger – und wäre dann unsere Empfehlung…

Unbedingt lesenswert: die Supra – damals. Und auch andere Geschichten aus unserem Archiv.

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