Tiefflieger
Natürlich wollte Mitsubishi auch mitspielen. Toyota hatte den Supra, Nissan die Z-Reihe, von Honda wusste man seit Mitte der 80er Jahre, dass da etwas Grobes kommen würde (ja, der NSX), also wollte (oder konnte) Mitsubishi nicht zurückstehen und entwickelte ebenfalls einen einigermassen reinrassigen Sportwagen, den 3000 GT (in Japan: GTO), der 1990 quasi zeitgleich mit dem NSX auf den Markt kam. Das war dann schon ein heftiges Gerät, 3-Liter-V6-Turbo (wie üblich bei den Japanern in jenen Jahren mit 286 PS), Allradantrieb, eine frühe Form der Allradlenkung, elektronisch geregelte Stossdämpfer, aktive Aero, ABS – ein technisches Schmankerl in jener Zeit. Das ging dann auch gut, weniger als 6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, Höchstgeschwindigkeit 280 km/h. Gleichzeitig gab es noch eine amerikanische Variante, als Dodge Stealth bezeichnet, die aber auch komplett in Japan gebaut wurde.



Das war nicht auf dem Papier gut, sondern auch in der Praxis, der 3000 GT fuhr allen Toyota und Nissan um die Ohren. Doch das mindestens 1,7 Tonnen schwere Ding hatte in Europa ein grosses Problem: Er kostete in der Schweiz gut 90’000 Franken – und in Deutschland sogar 120’000 Mark. Das war dann halt schon ein bisschen viel für eine Marke, die damals in erster Linie Colt für ab 16’000 Franken verkaufte. Der Honda war zwar nochmals deutlich teurer (und verkaufte sich auch nicht gut), doch Mitsubishi hatte einfach nicht die Kundschaft, die dieses Geld ausgeben wollte. Dabei war der 3000 GT eigentlich richtig gut, seriös und sauber entwickelt, qualitativ hochwertig, trotz sehr viel Elektronik zuverlässig. Doch vielleicht war es für so viel Technik damals auch einfach noch zu früh.









1994 kam dann eine zweite Serie, diesmal ohne Klappscheinwerfer, dafür mit 6-Gang-Getriebe von Getrag (4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h) und einem elektrisch versenkbaren Hardtop. 1998 wurde noch einmal nachgebessert, aber schon im Jahr 2000 war dann nach etwa 86’000 Mitsubishi und 65’000 Dodge Schluss. Lange hat der Markt diese Mitsubishi nun komplett missachtet, doch jetzt scheint es auch da einen Hype zu geben, das Exemplar, das wir hier zeigen, ein 3000 GT VR4 von 1999, wurde kürzlich auf Bring A Trailer für 122’000 Dollar verkauft.








Mehr spannende Japaner: Sayonara. Und sonst ist da noch das Archiv.


Nun waren diese Autos, Nissan GT-R, dieser hier, Honda NSX etc. sicher technisch brillant. Aber … wo konnte man damit vorfahren? Bei McDonalds am Hasenbergl jedenfalls eher als vor dem Bayerischen Hof.
Es fehlt an Design, Zurückhaltung und Armaturengestaltung.
Der NSX hatte wenigstens einen Kurzauftritt in Pulp Fiction.
ich empfand den NSX schon damals als «more stylish» als einen Ferrari oder Porsche 911. auch, weil man ihn halt nicht an jeder Strassenecke sah. und weil es da diese Bilder gab mit Senna, das färbte irgendwie auch auf den NSX-Piloten ab, wies ihn als Feinschmecker aus. und es macht aktuell immer mehr den Eindruck, als ob man mit einem NSX so richtig gut angezogen ist.
Nun, eigentlich wollte ich es schreiben, mich dann aber doch kurz fassen.
Der NSX ist schon anders als die Frontmotor-Coupés.
Der Heckspoiler, der Preis, das Image und eben auch das Innendesign waren für weite Verbreitung doch hinderlich.
Dass das grandiose Fahrverhalten für Gordon Murray die Vorlage für den F1 waren, ist mir bekannt und daher respektiere ich den NSX außerordentlich, auch wenn ich ihn leider nie fahren durfte.
Lieber Rolf, ich gebe Ihnen Recht, der technisch spektakuläre NSX taugte gar nicht als Statussymbol, aber er fuhr sich spektakulär, ich hatte mehrfach das Vergnügen, ein Exemplar fahren zu dürfen.
Aber: Ich hätte auch keinen haben wollen, er war mir zu synthetisch, zu technokratisch, er hatte zu wenig „Heritage“ und er war einfach nicht schön genug, was für einen Augenmenschen wie mich das KO-Kriterium ist.
Allerdings: Ich habe es mir abgewöhnt, darauf Wert zu legen, was ein Hotelportier zu meinem Auto denkt oder gar sagt, denn immer, wenn ich bei meinem Hamburger Lieblingshotel vorfahre, fragt der Wagenmeister: „Was is‘ das denn wieder für’n Wagen, Herr Servatius, wo is‘ der grüne Käfer???“, er kennt den Wagen seit 40 Jahren und findet meine anderen Fahrzeuge „n‘ büschen übertrieben“, irgendwann mal kam allerdings die Frage: „Dascha gediegen, hat Ihr Herr Vater Ihnen mal seine Limousine verliehen?“ – „Nicht verliehen, Herrn Menck, vererbt!“ – „Mein Gott, T’schuldigung, das wußte ich nich‘, oh Gott, mein Beileid!“. Da war mein Vater allerdings schon mehrere Jahre nicht mehr auf dieser Welt…
Insofern: Würde ich auch mit einem Honda oder Mitsubishi überall vorfahren, auch mit meinem völlig statusfreien Unterstaatssekretärsaudi, sobald der Doorman meine Frau, mich und unser Reisegepäck erfaßt hat, nimmt er sowieso Haltung an! – Kleiner Scherz!
PS:
Auf einer Kachel hier unter „ähnliche Beiträge“ ist der Eclipse Cross zu sehen.
Aus 2017. Der könnte, natürlich mit riesigen Displays innen, heute so vorgestellt werden. Von jedem beliebigen Hersteller.