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Bentley Mulsanne

Mitten drin – und voll daneben

Bentley, nun, man darf da wohl durchaus geteilter Meinung sein. Der Conti ist ein gepimpter Volkswagen Phaeton, der Bentayga die Wurzel allen automobilen Übels – und was wir vom Mulsanne, dem Top-Modell, dem einzigen «echten» Bentley halten, haben wir schon männiglich verbreitet. Und heute, am Tag, als Rolls-Royce den Tod des Phantom VII verkündet hat, kommt die Meldung, dass der Mulsanne ganz, ganz, also unglaublich neu kommt, am Genfer Auto-Salon (3. bis 13. März) Weltpremiere feiern wird.

Wir kennen das ja nun schon aus dem VW-Konzern: Man muss es auch ganz neuen Fahrzeugen nicht auf den ersten Blick ansehen, dass sie neu sind. Auch auf den zweiten Blick nicht unbedingt. Zwar heisst es in der Pressemitteilung: «Eine Reihe elegant ausgeführter stilistischer Neuerungen hebt den neuen Mulsanne deutlich von seinem Vorgänger ab. Das Design der gesamten Fahrzeugfront (bis zur A-Säule) wurde vollständig überarbeitet. Kotflügel, Motorhaube, Kühlergrill samt Einfassung, Scheinwerfer – sowie Stossfänger vorn und hinten – wurden erneuert.» Wahrscheinlich haben wir was auf den Augen, aber wir sehen das irgendwie, äh, nur ansatzweise. Wir sehen beim Mulsanne sowieso nur dieses komische Bullauge, das als Scheinwerfer dient.

Innen, ja, innen geht die Post ab: «Das Interieur des neuen Mulsanne ist wie gewohnt von den weltweit edelsten, handgefertigten Holzflächen, Lederbezügen und Metallbeschlägen geprägt, dazu kommen ein neues Sitzdesign, neue Türverkleidungen und Armlehnen, einzigartige Bedienelemente aus Glas sowie eine branchenführende Palette von 24 erlesenen Lederfarben. Darüber hinaus ist der neue Mulsanne mit einem innovativen, hochmodernen Technologiepaket ausgestattet. So wurde beispielsweise ein neues Touchscreen-Infotainmentsystem für den Mulsanne entwickelt.» Die schmierigen Finger des Chauffeurs auf dem Touchscreen? Aber, hey, 13 verschiedene Furniersorten, 24 verschiedene Lederfarben, die aber durchaus auch mit einem zweiten Farbton kombiniert werden können. Bis zu 2200 Watt leistet die Stereoanlage – bei 14,6 Litern liegt der Durchschnittsverbrauch sogar gemäss VW-Konzern-Normen.

Also gut, eine echte Neuerung gibt es tatsächlich: Der Mulsanne wird zukünftig in drei verschiedenen Versionen erhältlich sein. Da ist der profane Mulsanne (der Blaue, 6,75-Liter-V8), dann der Mulsanne Speed (der Gelbe; 537 anstatt nur 512 PS, 1100 Nm anstatt nur 1020 Nm, in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 anstatt in 5,3 Sekunden) und schliesslich auch noch der Mulsanne Extended Wheelbase (der Eigenartige; Radstand 3,52 Meter anstatt nur 3,27 Meter). Der EWB ist die Mass’ aller Dingers, er «überträgt den Flair eines First-Class-Fluges auf die Strasse, die Rücksitze im Airliner-Stil setzen einen neuen Massstab in puncto Passagierkomfort», schreibt Bentley. Und er sieht aus wie ein billige US-Stretch-Limo, der man noch zwei Eisenbahnschwellen zwischen die Kotflügel geschweisst hat.

Eigentlich warten doch alle auf die Serienversion des EXP 10 Speed 6. Und jetzt kommt stattdessen sowas. Haben wir mehr Bentley in unserem Archiv? Keine Ahnung.

2s Kommentare

  1. […] Bentley Mulsanne: Was ist sind denn nun Neuheiten? Reicht ein neuer Kühlergrill, ein grösserer Touchscreen? Wir kommen mal wieder ein wenig ins Grübeln beim «neuen» Mulsanne, hier. […]

  2. […] and three-quarter. Alles andere ist kein Bentley. Der ganze neumodische Zirkus, der unter VW-Ägide in Crewe einzog, lässt einen echten Bentley kalt. Warum? Weil der traditionelle V8 auch nach 50 […]

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