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Die Rennwagen von Abarth

Mitte oder doch hinten?

Die Zusammenarbeit von Alfa Romeo und Abarth war nicht besonders fruchtbar. Es dürfte in erster Linie daran gelegen haben, dass die Ingenieure von Alfa ihre Nase etwas hoch trugen. Die Mailänder waren etabliert, hatten die Mille Miglia, die Targa Florio, in Le Mans gewonnen, waren Formel-1-Weltmeister. Und Abarth war damals, in den 50er-Jahren, noch der Newcomer. Eine erste Kooperation gab es 1954 mit dem von Ghia eingekleideten Abarth Alfa Romeo 2000, von dem genau ein Exemplar entstand. Es folgte 1955 der Abarth Alfa Sport 750 mit einem auf 1,5 Liter Hubraum aufgebohrten Giulietta-Motor (zwei Stück), und schliesslich noch der Abarth 1000 GT, ein Entwurf von Franco Scaglione, von dem es wahrscheinlich drei Exemplare gab.

Doch eigentlich geht es hier auch gar nicht um Alfa Romeo und Abarth, sondern um einen Mann, den Carlo Abarth wahrscheinlich während der Arbeiten am 1000 GT kennengelernt hatte: Mario Colucci. Bei Alfa war man sicherlich nicht erfreut, denn Colucci war einer der wichtigsten Konstrukteure bei Alfa, ein Alleskönner in Sachen Chassis und Fahrwerk, aber auch Design. Abarth muss sehr beeindruckt gewesen sein, denn er offerierte Colucci einen grosszügig dotierten Vertrag. Das hatte aber auch einen Grund: Zwar war Abarth bekannt geworden mit seinen Tourenwagen, doch ernsthafter Rennsport wurde nun einmal mit Sportwagen bestritten. Und dafür war Colucci genau der richtige Mann.

Als erstes Fahrzeug konstruierte Colucci 1960 den 750 Sport, ein knapp über 400 Kilo schweres, offenes Wägelchen, das mit seinem in der Mitte eingebauten, 75 PS starken Motor über 200 km/h schnell war. Damit wollte Abarth 1960 bei den 24 Stunden von Le Mans antreten, doch der Veranstalter verwehrte einen Start aus fadenscheinigen Gründen. Die Franzosen schützten Panhard, denn auch Lotus durfte nicht fahren. Ein Jahr später versuchte es Abarth erneut, meldete gleich fünf Fahrzeuge, doch der Erfolg war gleich Null. Es war dies eine Niederlage, die Abarth sehr schmerzte, auch finanziell.

In den folgenden Jahren sollten sich Abarth und Colucci quasi dauernd in den Haaren liegen. Colucci konstruierte Fahrzeuge mit Gitterrohrrahmen und Mittelmotor, Abarth wollte einen stabileren Stahlrahmen und favorisierte Heckmotoren. Beim Spider Sport, der ab 1962 mit verschiedenen Motoren eingesetzt wurde, konnte sich Colucci noch durchsetzen. In Genf gezeigt wird ein Fiat Abarth Sport 1000 aus dem Jahre 1963, dessen 1-Liter-Motor auf sehr beachtliche 98 PS kam. Weil das Fahrzeug nur gerade 405 Kilo wog, konnte es gerade bei Bergrennen auch um den Tagessieg mitfahren. Mit diesem Fahrzeug wurden gleich drei Schweizer Meisterschaften erzielt (Bilder oben und gleich anschliessend).

Auch der 1000 SP SE04 war auch 1966 noch ein Meisterwerk ganz in seinem Sinne, der Nachfolger des Spider Sport verfügte nun aber über eine Polyesterkarosserie und musste gemäss Reglement auch mit Lampen, Frontscheibe, Scheibenwischer und Reserverad ausgerüstet werden. Zwar steig die Leistung des 1-Liter-Motors auf 104 PS, doch der Wagen war mit 480 Kilo auch deutlich schwerer. Doch gerade für Privatfahrer war der SE04 ein ausgezeichnetes Sportgerät, mit einem Preis von 5’500’000 Lire auch nicht übermässig teuer. Es entstanden wahrscheinlich über 70 Exemplare. Eines davon können wir in Genf zeigen.

Doch dann kam 1967 der SE04L (Lungo) mit dem 2-Liter-Motor – im Heck. Vorausgegangen waren viele Testfahrten mit den unterschiedlichsten Anordnungen des Antriebes und auch unterschiedlichen Längen des Radstands (2,20 und 2,26 Meter). Doch es heisst, dass sich Carlo Abarth schon vor all diesen Versuchen für sein bevorzugtes Modell entschieden hatte, obwohl auch nicht alle seine Fahrer seine Meinung teilten. Und bald merkte man, dass der Radstand für einen Heckmotor zu lang war. Es wurde noch der SE04FB (für: fuori bordo) mit einem Radstand von nur 2,085 Metern gebaut. Aus den SE04L und SE04FB ging 1967 der SE010 hervor. Der Gitterrohrrahmen (immerhin diesen hatte Colucci retten können) bestand aus Chrom/Molybdän und wog nur gerade 39 Kilo. Der Fiberglasaufbau war einer der schönsten überhaupt bei Abarth. Berühmt ist dieses Fahrzeug als «4-fari», also: vier Scheinwerfer. Als Antrieb diente (meist) der 2-Liter-Vierventiler, der es im ersten Jahr auf etwa 250 PS brachte. 25 Stück mussten für die Homologation vor dem 1. April 1969 gebaut werden, was Abarth in Rekordzeit schaffte – und den Gegnern auf der Rennstrecke damit massive Kopfschmerzen bereitete. Insgesamt entstanden von SE010 50 Exemplare. Viele der bekanntesten Abarth-Piloten waren auf diesem 2000 Sport Spider erfolgreich, etwa Edoardo Lualdi, Arturo Merzario, Toine Hezemans, Peter Schetty; Johannes Ortner fuhr mit diesem Wagen 1970 zur Berg-Europameisterschaft. Mit dem hier in Genf gezeigten Fahrzeug mit der Chassisnummer #0028 gewann der Österreicher Ortner 1969 in Mugello gegen weitaus stärkere Sportwagen.

Diese PS-Monster waren Carlo Abarth schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Doch Mitte der 60er-Jahre musste er anerkennen, dass er mit seinem zwar leichten, aber im Vergleich zur Konkurrenz untermotorisierten Fahrzeugen keine grossen Siege mehr einfahren konnte. Nicht nur die Abarth-Gemeinde war aber überrascht, als Abarth am 26. Februar 1966 in Turin seinen Achtzylinder vorstellte. In der ersten Version hatte die Maschine zwei Liter Hubraum (Bohrung x Hub 78 x 52 Millimeter), doch bald wurde aus dem Achtzylinder ein 3-Liter (Bohrung x Hub 88 x 81 Millimeter) mit einer Leistung von 350 PS. Rennerfolge hatte diese Maschine aber erst Anfang der 70er-Jahre. In Genf zu sehen ist eine Variante mit Benzin-Einspritzung aus dem Jahr 1971.

Mehr Abarth gibt es in unserem Archiv – dort findet sich auch so etwas wie ein Bilderbuch und eine Übersicht über die Fahrzeuge, die «radical» auf dem Genfer Salon (7. bis 17. März 2019) auf der Sonder-Ausstellung «70 Jahre Abarth» ausstellen wird.

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