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Test Subaru Forester e-Boxer

Ein guter Freund

Subaru ist anders. Subaru war schon immer anders, schon damals, als sie den Allradantrieb nach Europa gebracht haben, als noch niemand wusste, dass 4×4 durchaus tauglich sein kann. In den vergangenen Jahren taten sich die Japaner auch in der Schweiz immer schwerer, was nicht nur daran lag, dass unterdessen quasi jeder Hersteller winter- und bergtaugliche Fahrzeuge anbietet, sondern sicher auch daran, dass man keine kleinen 4×4 mehr anbieten kann – und das Feld für die goldenen Felgen und überdimensionierten Heckspoiler kampflos räumte. In diesem Jahr hat auch noch Corona gnadenlos zugeschlagen, Subaru gehört mit einem Minus von 56,1 Prozent von Januar bis Ende September zu den am heftigsten gebeutelten Marken auf dem Schweizer Markt.

Subaru hat es sich nie einfach gemacht. Der Allradantrieb ist aufwendiger (und schon in der Herstellung teurer) als bei fast allen Konkurrenten, die Boxer-Motoren machen die Fahrzeuge auch nicht günstiger – und in Sachen Design ging man schon immer und geht man weiterhin seine ganz eigenen Wege. Harmonische oder gar elegante Linien gehören irgendwie nichts ins Programm der Japaner, das aktuelle Modellprogramm drückt in erster Linie eine sehr ernsthafte Solidität aus. Das kann man in dieser Form absolut akzeptieren und sogar goutieren, doch die schicken Hipster aus der Stadt lassen sich davon wohl kaum zu einem Gang zum Subaru-Händler motivieren. Insbesondere der Forester sieht auch so aus, wie er heisst, auch in seiner fünften Generation, die seit 2018 auf dem Markt ist.

Neu ist, dass die Japaner ihren bekannten 2-Liter-Boxer elektrifiziert haben. Sie spendieren ihm eine 0,9 kWh grosse Batterie, die einen 16,7 PS starken Elektromotor speist. Rein elektrisch kommt der Subaru theoretisch 1,6 Kilometer weit; auch die Gesamtsystemleistung von 150 PS und das maximale Drehmoment von 192 Nm erscheinen als nicht gerade wild; es gibt halt keine Turbounterstützung, der Strom hilft auch nicht wesentlich. Dass der Verbrauch dann trotzdem bei 8,1 Litern liegen soll und die 185 Gramm CO2/km quasi doppelt so viel sind wie die Zielvorgabe des Gesetzgebers, das erstaunt dann schon etwas. Man weiss gleichzeitig aber auch, dass die Japaner bei ihren Verbrauchsangaben häufig ziemlich pessimistisch sind – und so erreichten wir im Test einen doch deutlich niedrigeren Wert von 7,2 Litern. Was auch daran lag, dass der Charakter des Forester eher ruhig und besonnen ist, man gar nicht gross in Versuchung kommt, irgendwelche Grenzen (des Fahrzeugs, der Rennleitung) ausloten zu wollen. Was wiederum damit etwas zu tun hat, dass das CVT-Getriebe dann am besten funktioniert, wenn man über den Gasfuss keine zu heftigen Befehle gibt; das friedliche Gleiten, das ja auch ressourcenschonend ist, behagt dem Subaru am besten.

Das liegt übrigens nicht am Fahrwerk, denn dieses taugt durchaus auch zu flotter Fahrt. Man mag zu Beginn etwas erstaunt sein, wie sehr sich der hoch aufbauende Wagen in die Kurven neigt, doch er behält guten Bodenkontakt – man fühlt sich sicher, auch dank der doch präzisen Lenkung, die bestens auf Befehle reagiert und gute Rückmeldung von der Strasse gibt. Ansonsten ist das Fahrwerk sicher auf der komfortablen Seite, schluckt gut auch grössere Unebenheiten – und kann halt eben auch Off-Road ohne Probleme. Wer tatsächlich in den Wald fährt oder über Schotter oder durch tiefen Schnee, der wird das alles sehr zu schätzen wissen. Ja, Allradkompetenz haben die Japaner weiterhin, es gibt da auch die entsprechenden Fahrmodi, doch man wird sie kaum je brauchen, denn ganz automatisch kann der Subrau das alles schon mehr als nur gut.

Im Innenraum gibt es die bequemen Sitze (mit allerdings etwas wenig Seitenhalt) und vor allem die Platzverhältnisse zu loben; auch die hinteren Passagiere dürfen sich (auch dank 2,67 Meter Radstand) über viel Knie- und Kopffreiheit freuen, der Forester verfügt noch über eine grosszügige Verglasung und folglich eine gute Sicht nach draussen. Und der Kofferraum ist mit über 500 Litern Fassungsvermögen für das Segment überdurchschnittlich gross; die Ladekante ist erfreulich tief, die abgeklappten Rücksitzen stehen fast 1800 Liter zur Verfügung. Designpreise für die Gestaltung des und auch die Materialwahl für das Armaturenbrett wird Subaru wohl nicht gewinnen, das ist alles ziemlich dunkel und mit viel Hartplastik versehen. Andererseits: man hat das Gefühl, da kann gar nie etwas kaputtgehen oder auch nur Abnützungserscheinungen zeigen. Die Aufteilung der Informationen auf zwei Screens sowie überhaupt das Bediensystem haben sich uns nicht auf Anhieb erschlossen, doch das liegt auch an der alten Krankheit der Automobil-Beschreiber, der zu kurzen Gewöhnungszeit. Was etwas anstrengend ist: der Forester piept etwas gar oft. Die Kamera, die überwacht, ob der Pilot seine Augen auch wirklich auf die Strasse richtet, kann durchaus nerven, etwa im Stop-and-Go-Verkehr.

Mit einem Preis ab 38’150 Franken gehört der Forester sicher nicht zu den Sonderangeboten – und doch erscheint uns der Preis für die gebotene Leistung durchaus fair. Der Subaru ist sicher kein modisches Accessoire, das will er auch gar nicht sein; er ist mehr so der gute, sehr verlässliche Freund, der seine Insassen auch unter schwierigen Bedingungen ans Ziel bringt. Immer – und für immer. Ein wenig mehr Leistung würde dem doch über 1,7 Tonnen schweren, 4,63 Meter langen, 1,82 Meter breiten und 1,73 Meter hohen Fahrzeug aber sicher guttun.

Mehr Subaru haben wir in unserem Archiv.

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