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radical zero: Test Alpine A290

Spielsachen

Eigentlich sollten wir es ja wissen, wir machen das ja jetzt schon ein bisschen länger als die meisten Influenza, also mehr als zwei Wochen: Es besteht ein himmelweiter Unterschied darin, ob man ein Automobil auf einer Fahr-Präsentation ein paar Kilometer durch die Gegend knallt, vielleicht sogar auf der Rennstrecke – oder ob man es im oder gegen den täglichen Wahnsinn einsetzt. Und damit sind wir eigentlich schon beim Fazit dieser Zeilen: Total überzeugt hatte uns der Alpine A290 beim ersten Kontakt nicht (siehe: hier). Jetzt, im Alltag, sehen wir ein paar Dinge anders. Ja, selbstverständlich hat der kleine Franzose schon auch ein paar (wenige) Schwächen, doch in erster Linie ist er ein ganz wunderbares Spielgerät. Das sich draussen im richtigen Leben wohler fühlt als auf dem Track.

Meist fährt man ja eh nur von A nach B – und wieder zurück. Das kann der A290 bestens, halt so wie die meisten E-Automobile es auch können, in aller Ruhe und Entspanntheit (den künstlichen Lärm stellt man schnell aus). Er gibt sich optisch zwar sehr sportlich, doch im Alltag bleibt er sehr komfortabel, angenehm – und erfreulich verbrauchsgünstig, Werte von unter 15 kWh/100 km sind problemlos möglich, genau wie im «normalen» R5 (Test folgt). Überhaupt ist er ein R5 mit engerem Gestühl, ein paar zusätzlichen Spielsachen (Telemetrie – dazu kommen wir andernorts) und ein paar zusätzlichen PS (220 insgesamt, 300 Nm maximales Drehmoment) aus einem wohl eher simplen Chip-Tuning. Die wichtigsten Veränderungen erfolgen rund um das Fahrwerk: Es gibt breitere Räder (Michelin Pilot Sport S5 mit Alpine A29-Kennung, 225/40 auf 19 Zöllern) und neue Alu-Achsschenkel, die Spur wächst damit um stolze sechs Zentimeter. Vorne erhält die Alpine einen Alu-Hilfsrahmen und die Bremsen aus der A110, hinten eine bessere Mehrlenker-Achse, rundum grössere Stabis und Dämpfer mit einem Bump-Stop. Das stört alles nicht von A nach B, aber es bringt auch nichts.

Es stellt sich dann die Frage: Wann, wo, wie setzt man die absolut vorhandenen dynamischen Qualitäten des Alpine denn ein? radical hat seinen Arbeitsort mittlerweile an einen Rand der mitteleuropäischen Zivilisation verschoben, in den hintersten Schweizer Jura, wo es wunderbare Gassen, keinen Verkehr und weit und breit keine Rennleitung gibt. Da kann man auch einmal ganz befreit 15 Kilometer an die Grenzen eines Automobils gehen (und damit meinen wir nun wirklich nicht: Höchstgeschwindigkeit), eine wahre Seltenheit bei der aktuellen Verkehrslage. Dann und dort fühlt sich so ein A290 ausgesprochen wohl, man kann ihn von der Leine lassen. Es ist fast ein bisschen wie früher: Erstaunlich leichtfüssig tanzt er durch die Kurven – mehr und vor allem sofort verfügbares Drehmoment überdeckt die sanfte Adipositas des Franzosen (wobei er ja für ein E-Auto erfreulich leicht ist, unter 1,5 Tonnen). Die Lenkung ist mehr als nur anständig, im Angriffs-Fahrmodus ist er doch ziemlich hart, liegt aber fast wie ein Brett. Geht man dann flott, dann schmilzt aber auch die Reichweite wie Butter an der Sonne, dann ist man schnell einmal bei deutlich über 20 kWh/100 km. Das bedeutet dann halt bei einer 52-kWh-Batterie eine nicht gerade grosszügige Reichweite. Es ist aber alles relativ: Der A290 schafft zwar nur eine Ladeleistung von maximal 100 kW, weil aber die Batterie relativ klein ist, hat man in gut 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent getankt.

Innen ist er schon sehr cool, der Franzose, etwas verspielt zwar, aber auf gute Art und Weise. Es gibt noch Tasten und Schalter, der grosse Touchscreen liegt gut im Blickfeld, ist auch optisch schön integriert. Die Sitze sind beim GTS fein, übermässig viel Platz braucht man aber in einem keine vier Meter langen Fahrzeug nicht zu erwarten, vor allem in der zweiten Reihe nicht. Der Kofferraum fasst 326 Liter, das ist anständig; bei abgeklappten Rücksitzen sind es 1000 Liter. Das Bediensystem kennt man aus anderen Renault-Modellen, das funktioniert gut (und wir schätzen die Perso-Einstellung sehr, einmal konfigurieren, dann hat man das für immer erledigt); an der Reiseplanung-Software sollte noch etwas gearbeitet werden, das ist der Franzose etwas gar optimistisch unterwegs.

Neben der Reichweite hat der Alpine A290 noch eine zweite Schwäche: der Preis. Es geht bei 37’700 Franken los, dann hat man aber nur die Schwachstrom-Version mit 180 PS. Für die 220 Pferde sind mindestens 40’900 Franken zu entrichten, will man das volle Programm mit dem schönen Innenraum, dann werden es im GTS dann schon 43’700 Franken. Das mag der französische Hot Hatch auch wert sein, doch es wird halt leider viele Kundinnen abschrecken, das ist dann halt schon viel Moos für ein Spielzeug. Zumal die Fahrfreud‘ mit einem normalen R5 so viel geringer nicht ist.

Mehr Strom: zero. Alles andere: Archiv.

6 Kommentare

  1. Alpscruiser Alpscruiser

    Dafür kommt ja dann noch der Turbo mit extremer Optik und zwei Radnabenmotoren an der Hinterachse mit 555PS. Das wird dann Fahrfreud bringen. Wenn auch zu einem extrem hohen Preis.
    Aber toll, dass es noch solche Spielzeuge ab Werk gibt. Könnten sich andere Hersteller mal eine Scheibe abschneiden.

  2. OLoMurz OLoMurz

    Ahm…

    mein R5, ist um 120 Kilo leichter gemacht. ( ich mach das..)
    Mit dem Pc stellst den E-motor auf 180 Ps.
    Fahrwerk ist etwas Billstein und analog.
    Gscheit eingestellt.
    fertig.
    Er geht echt gut,..
    Die nicht vorhandene Konkurenz ( diese andern RENTER SUV SPECK KISTEN
    nehme ich nicht ernst, und wer will schon hirntot sein? Jedenfalls merkst schon
    dass hier 1100 kilo den oft 700 kilo trägrern Kübel ausmanöfriert. Peinlich bis
    ins lächerliche diverse Cupramodelle.. Vw red ma net. debil dumdeusch..
    Natürlich wird jetz gleichn ein klein behirnter erzählen, dass der Scheisskübel
    Tesle zu.. mit 350 kw ( 500ps) soo gut, vor allem in der Stadt, an einer Ampel, wo
    50 und 30 km/h gilt, abgeht.. Da hat man dann einen doppelt Hirntoten, dem die
    Werbung den Finger tief in den tauben Hinter geschoben hat. Und wenn man den nun simples fragen würde.. GEWICHT ( zb 2300 kilo etz vs 1100..) vergiss es..)

    RENAULT hat mit dem R5 alles richtig gemacht.

    Es gibt sonnst nix. Nur Abfall. Und den Dreck aus China.. nope 🙂

    widerluga

    • Christian Christian

      Das Zitat von Colin Chapman (der Autogott möge ihn seelig haben) lautet: „Simplify, then add lightness.“ (Vereinfache, dann füge Leichtigkeit hinzu.)
      Beim E-Auto ist die Beachtung dieses Leitsatzes umso wichtiger, da es konstruktiv bedingt ja durch das Mehrgewicht der Batterie „gestraft“ ist.
      Es lässt sich vielleicht nicht an einer Stelle im Auto 500 kg einsparen aber an 500 Stellen je 1 Kg – und das nicht nur bei E-Autos.

  3. Rolf Rolf

    Alpine A(gneta) 290. Toll. Ehrlich, der R5 begeistert mich, als einziges E-Auto.
    Ob es so schlau ist von Renault, auf der Website den R5 und den Turbo zu zeigen, den Agneta 290 aber auf einer separaten Alpine-Website zu verstecken?

    • Peter Ruch Peter Ruch

      Alpine muss, so war das der Plan von Luca, auf eigenen Füssen stehen können. De Meo kümmert das ja jetzt nicht mehr, er ist grad auf Diät, damit er dann in seine eigenen Gucki-Anzüge passt.

  4. Lukas Lukas

    Sehr geehrter Herr Ruch, ein Vergleich zum E Abarth 500 wäre doch an dieser Stelle interessant, ist er doch das einzige vergleichbare Automobil auf dem Markt (neben dem R5 natürlich).

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