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Bucciali TAV3

Der frontgetriebene Wahnsinn

Die Geschichte der Gebrüder Angelo und Paul-Albert Bucciali ist etwas verworren. Zwischen 1912 und 1926 bauten die Franzosen unter dem Namen BUC wahrscheinlich 18 Autos. Und von 1926 bis 1932 kamen vielleicht noch einmal acht unter der Bezeichnung Bucciali dazu. Wobei: Die Brüder verwendeten das gleiche Chassis wahrscheinlich mehr als einmal, deshalb sind es wohl eher vier oder fünf Exemplare.

Wichtig ist: Die beiden Franzosen wollten eigentlich selber gar keine Autos bauen. Sie sahen ihre Fahrzeuge mehr als Belege für ihre ausserordentlichen Fähigkeiten als Ingenieure. Und wollten in erster Linie ihre technischen Lösungen in Lizenz verkaufen. Dass dabei noch einige der extremsten Automobile der Vorkriegszeit entstanden, war also mehr ein Zufall.

Das gilt auch für das hier gezeigte Exemplar, auf den Namen «La Marie» getauft. Die Geschichte dieses Fahrzeugs ist derart kompliziert, dass wir hier einen Roman schreiben müssten, um ihr gerecht zu werden. Es geht dabei vor allem darum, dass die Gebrüder Bucciali mit dem offiziell als Bucciali TAV3 Torpédo Sport Type Cannes (Chassisnummer 101, Motorennummer 1147) diversen amerikanischen Herstellern den Frontantrieb schmackhaft machen wollten.

«La Marie» reiste Ende 1929 zusammen mit den Brüdern Bucciali nach Amerika. Und fuhr mitten im Winter und bei Minus-Temperaturen von New York nach Detroit. Alle Hersteller, denen die Franzosen den frontgetriebenen Wagen zeigten, waren beeindruckt – insbesondere Willy’s, wo man sich sehr genau Notizen machte (und das System dann quasi 1:1 nachbaute).

Doch bestellen wollte nur Peerless, in den 20er Jahren eine der wichtigsten Luxus-Marken in den USA. Doch die Amerikaner hatten sich verkalkuliert, konstruierten gleichzeitig auch noch einen 16-Zylinder-Motor – und gingen 1931 bankrott. Die Gebrüder Bucciali hatten von ihrem Ausflug nach Amerika nichts, ausser viel Ärger. Paul-Albert Bucciali prozessierte bis in die 70er Jahre gegen Willy’s sowie die amerikanische und französische Armee, hatte aber keine Chance; er verstarb 1981 verarmt und verhärmt.

Der hier gezeigte Bucciali blieb bis 1960 im Besitz der Brüder. Er ging durch viele Hände, kam 1971 zum bekannten Bugatti-Sammler Uwe Hucke, der dem Wagen eine Saoutchik-Karosse spendierte, die einst auf einem Mercedes 680S stand. Danach stand der Bucciali lange im Blackhawk-Museum. 2021 wurde das Fahrzeug von Bonhams in Quail Lodge versteigert – und kommt jetzt schon wieder unter den Hammer, diesmal bei RM Sotheby’s in Monterey (19./20. August 2022 – einen Schätzpreis gibt es noch nicht, man darf aber davon ausgehen, dass da noch mehr Infos kommen).

Mehr schöne Fahrzeuge haben wir in unserem Archiv.

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