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DBA Mini Oselli Edition

Mehr Spass

Sollten Sie das Gefühl haben, oh, Oselli, sagt mir gar nichts, ein berühmter Rennfahrer oder was, dann können wir Sie beruhigen. Erstens gibt es keinen Herrn Oselli, denn es ist zweitens eine Firma, die schon seit 1960 existiert. Und drittens ist Oselli fast nur Insidern bekannt, denen aber als die wohl weltbesten Spezialisten für A-Series-Motoren von BMC (und Aston-Martin-Restaurationen, und MG-Tuning, und…). Was heisst hier Spezialisten, eigentlich haben sie den in seinen Ursprüngen unterdessen 71-jährigen Motor neu erfunden, auf einen technischen Stand gebracht, den er bisher nie hatte und früher aus verschiedenen Gründen auch gar nicht haben konnte. Einer dieser Gründe: der so wunderbare Mini, erdacht vom genialen Sir Alec Issigonis, blieb Zeit seines langen Lebens (1959 bis 2000) eine Krücke, es happerte allerorten, vor allem an der Verarbeitungsqualität. Und damit sind wir schon mittendrin in dieser Geschichte.

David Brown, nicht jener, der einst Lagonda und Aston Martin rettete und auch wieder auf Grund setzte, David Brown Automotive also betrat die Automobil-Industrie 2014 mit seinem Speedback GT (der weiterhin gebaut wird, 3 bis 4 Exemplare entstehen jährlich). 2017 beschloss DBA, den Mini neu zu erfinden. Ihm endlich all die Liebe angedeihen zu lassen, die der so grossartige Kleine nie erhalten hatte. Remastered nannte man das – und DBA wurde genau wie bei seinem Speedback zu Beginn nur müde belächelt. Wer sollte schon für einen doch profanen Mini unglaubliche 75‘000 Pfund ausgeben, mindestens? Doch das Ding schlug ein wie eine Bombe, 2018 durfte David Brown Automotive in einen sehr grosszügigen Neubau in Silverstone umziehen – und das Problem ist heute, noch genügend so genannte «doughnut cars» zu finden, die sich in Remastered verwandeln lassen. Die DBA-Mini sind keine Neuwagen, sie verfügen über die Chassisnummer eines bestehenden Mini und brauchen folglich keine neue Homologation, man kann sie also auch in der Schweiz in Verkehr setzen (und bald auch in den USA, was DBA dann aber an die Kapazitätsgrenzen bringen wird).

Womit wir zurück sind bei Oselli, die alle Motoren für die Remastered liefern. Es gibt zwei Versionen, 1275 ccm mit 75 PS, 1330 ccm mit 93 PS; beide Varianten lassen sich mit einer 4-Gang-Automatik koppeln, mehr Freud machen aber die manuellen Varianten, 4 oder auf Wunsch auch 5 Gänge. Bei Oselli wird jedes Aggregat von Grund auf neu aufgebaut, die Qualität, so hört und liest man, sei hervorragend. Auch längerfristig.

Ab etwa 2018 machten sich DBA und Oselli gemeinsam Gedanken, was denn mit diesem Motor noch alles möglich wäre, Oselli wurde gebeten, seine kühnsten Träume vorzustellen. Der Vorschlag: 1450 ccm, zwei SU-Vergaser, 125 PS. Die Oselli Edition war geboren, 2019 wurde sie vorgestellt. Doch dann kam Covid, auch DBA war davon hart betroffen, erst im vergangenen Herbst konnten die ersten Exemplare der auf 60 Stück begrenzten Edition ausgeliefert werden. Selbstverständlich sind alle Oselli schon verkauft, obwohl der Preis von ab 100‘000 Pfund doch eher absurd wirkt.

Schon ein Remastered ist ein wunderbares Fahrzeug. Komplett neue Karosse mit Spaltmassen, an den auch Ferdinand Piëch Freude gehabt hätte. Ein komplett neues Innenleben, ganz nach Wunsch des ersten Besitzers, es ist so ziemlich alles möglich, Leder, Käfig, teure Sound-Anlagen; zur Serie gehört ein fest eingebautes Display mit Apple Car Play, neue Armaturen (mit teilweise digitalen Anzeigen), ziemlich bequeme Sitze. Schon mit den 75 PS geht das Ding prächtig, es brauchen ja auch nur etwa 750 Kilo bewegt zu werden. Ja, das sind etwa 100 Kilo mehr als in den Originalen.

Der Oselli ist dann ein ganz anderes Kaliber, in jeder Beziehung. Zwar mag DBA betonen, dass zwei Seelen in seiner Brust wohnen, dass er durchaus auch alltagstauglich sein soll. Nun, das weiss er gut zu verstecken, unter 3000/min geht so ziemlich gar nichts, die SU-Vergaser verschlucken sich dauernd, es ist ein eher fieses Geruckel. Fliesst dann aber der Sprit, kommt das Maschinchen auf Touren, dann wird es richtig lustig. Und sehr, sehr laut. Wie DBA das durch die in England sicher auch vorhandenen Kontrollen bringt, ist ein Rätsel. Aber ein schönes.

Der Kleine (3,05 Meter kurz) mit seinem extrem kurzen Radstand (2,04 Meter) fährt gefühlt keinen Meter geradeaus. Gut, man kennt diese B-Strassen in England, es gibt sicher bessere Qualität, aber mit den kleinen Rädern und dem kurzen Radstand und der gnadenlosen Härte wird das dann manchmal ziemlich abenteuerlich – der Oselli findet jedes Loch, jede Spurrille, folgt ihr gnadenlos. Man zerrt dauernd am kleinen Lenkrad, es vergeht keine Sekunde, die man Ruhe hat. Das ist aber gut so, der Pilot bleibt alert, kommt gar nicht erst auf die Idee, noch am Handy zu fummeln oder die Radiostationen neu zu programmieren. Endlich wieder einmal ein Automobil, bei dem alles in den Händen des Fahrers liegt.

Und der Oselli geht richtig gut, sehr, sehr gut. Im Kreisel macht man sowieso alles darnieder, aus dem Kreisel raus ist man also sowieso schon vorne, dreht ihn dann im 2., 3. Gang in den Begrenzer – und dann ist da niemand mehr im Rückspiegel. Vielleicht sind die Konkurrenten auch erschrocken, weil der Mini so laut ist. Oder vor lauter Ehrfurcht vor dem Zwerg ganz einfach zusammengebrochen. Dann haut man das Gerät millimetergenau um die Kurven, hat oft das Gefühl, auf nur noch zwei Rädern unterwegs zu sein (vorne wird er auf dem kurveninneren Rad, typisch Mini, manchmal sehr leicht). Und es ist einfach nur gut, so viel Spass hat uns schon lange kein Auto mehr gemacht – obwohl man natürlich bei weitem nicht so schnell unterwegs ist wie mit einem aktuellen Sportwagen. Aber halt viel fröhlicher. Selbstbestimmt. Nicht unter den Kontrolle von irgendwelcher Elektronik, die es dazu braucht, um die wahnsinnigen PS-Zahlen noch so einigermassen in Schach zu halten.

Das Getriebe ist grossartig, die Schaltwege über den doch langen Stock zwar etwas lang, doch das passt, man muss ja mit Zwischengas runterschalten (allein schon für die Geräuschentwicklung), da braucht man etwas mehr Zeit. Die Bremsen können grob (dann wird er, typisch Mini, hinten sehr leicht), man jongliert zwischen all diesen Aufgaben, hart am Lenkrad, kraftvoll am Ganghebel, der Tanz auf den Pedalen, und nach einem Stündchen auf den Nebenstrassen ist man schweissgebadet. Und einfach nur: glücklich. Das Grinsen im Gesicht bringt man fast gar nicht mehr weg.

Ob das nun alles so viel Geld wert ist: irgendwie schon. Ja, sie sind ausgezeichnet verarbeitet, diese Remastered-Mini, da passt wirklich alles, ganz sicher auch auf Dauer. Vor allem aber ist die Fahrfreud‘ auf einem Level, das kein aktueller Supersportwagen bieten kann. Harte Arbeit, viel Lärm, ein Fahrverhalten, bei dem man schon in der ersten sanften Biegung merkt, ob am Steuer nur ein Geradeaus-Runterlatscher oder halt eben ein Freund der freudvollen Kurvendynamik sitzt. Ja, wir gehören gerne zu Letzteren.

Weitere feine Fahrzeuge haben wir in unserem Archiv.

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