Zurück zum Content

Neuheiten 33/2024

Radikalisiert

Touring Veloce12

Wir schreiben es ja schon länger: Der Ferrari 550 Maranello ist einer der coolsten Youngtimer überhaupt. Das sehen auch die einst so wunderbaren Meisterschneider von Touring Superleggera: Die lassen den Pininfarina-Entwurf neu aufleben. Keine Ahnung, wie man das nennen soll, Restomod, Tribut, Neuinterpretation, auf jeden Fall bauen die Italiener 30 Stück mit einem modernisierten F133-Motor, also 5,5-Liter-V12 mit jetzt 503 PS, Carbon-Aufbau, adaptives Fahrwerk von TracTive, Brembo-Verzögerung, Supersprint-Auspuffanlage. Das kostet dann 690’000 Dollar – ohne Steuern. Und vor allem ohne Basis-Fahrzeug. Um das es irgendwie schade wäre…

Rimac Nevera R

Nicht, dass der Rimac Nevera bisher etwas für Beckenrandschwimmer gewesen wäre. Der kroatische Stromer hat so ziemlich jeden Rekord gebrochen, den es für Strassenfahrzeuge gibt, kein Wunder bei 1914 PS Leistung und einem maximalen Drehmoment von 2360 Nm. Doch einige Kunden war das einfach: zu wenig. Mehr ist sowieso immer besser, auch gab es beim Fahrverhalten des 2150 Kilo schweren «Grand Tourer» noch Verbesserungsbedarf hin zu mehr Sportlichkeit. Und deshalb nun: der Rimac Nevera R.

Da ist einerseits mehr Leistung, 2136 PS sind es nun. Erstaunlicherweise ist der R von 0 auf 100 km/h langsamer als seine schwächlichen Brüder, 1,81 Sekunden anstatt 1,74. Bis auf 300 km/h hängt er sie dann aber ab, da braucht er nur noch 8,66 Sekunden; die Höchstgeschwindigkeit bleibt auf 350 km/h begrenzt, nur unter Aufsicht des Herstellers sind auch über 400 km/h möglich. Doch darum ging es Rimac beim Nevera R gar nicht, sondern: mehr Fahrdynamik. Ein besseres Kurvengefühl. Schärfere Bremsen, ein angepasstes Allrad-Torque-Vectoring-System, ein böserer Drift-Modus – halt all das, was man so braucht im täglichen Umgang mit über 2000 PS. In einem Nebensatz ist auch noch die Rede von einer neuen Batterie, nur noch 108 kWh anstatt 120 kWh, der R dürfte also auch etwas leichter sein.

Und ja, optisch hat er auch gewonnen. Aber das soll der Betrachter selber entscheiden. 40 Exemplare des Nevera R werden gebaut, ein Preis wird nicht kommuniziert.

Lamborghini Temerario

Wir beginnen mit einer guten Nachricht: 1690 Kilo. Gut, man weiss, wie die Italiener messen, sehr trocken. Das ist zwar gut 100 Kilo mehr als der ebenfalls hybridisierte Porsche 911 GTS, doch der hat eine nur halb so grosse Batterie (1,9 kWh statt 3,8 kWh wie im Lamborghini), nur Heckantrieb und doch deutlich weniger Dampf, 541 PS anstatt derer 920. Und ja, das ist eine Ansage im neuen Lamborghini Temerario: 4-Liter-V8-Biturbo mit 800 PS (also 200 Literleistung), dazu kommen insgesamt drei E-Motoren, die zwei an der Vorderachse eingebauten Maschinen schaffen noch einmal 220 kW. Und weil halt nie alles gleichzeitig auf Volllast läuft, ergibt sich dann eine Systemleistung von 920 PS und ein maximales Drehmoment von 730 Nm, das zwischen 4000 und 7000/min anliegt. Auch wenn es Lamborghini anscheinend nicht mehr so wichtig ist: 2,7 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h, maximal 343 km/h. Wichtig dagegen: Der V8 dreht bis 10’000/min, das ist für einen Turbo ein absolut extremer Wert.

Eine andere gute Nachricht ist: Der Mutterkonzern lässt Lamborghini selber basteln. Der neue Motor entstand in Sant’Agata ohne Hilfe aus den grossen Volkswagen-Konzern-Regalen. Man kann sich auch gut vorstellen, dass viele klassisch ausgebildete Maschinenbau-Ingenieure in Italien Schlange stehen, weil es für sie ja sonst nicht mehr so viel Arbeit gibt in Deutschland. Auch das Hybrid-System hat Lamborghini selber entwickelt, obwohl zeitgleich auch Bugatti an einem solchen arbeitete. Der V8 ist quasi eine Rennmaschine mit feinsten Ingredienzien, da gibt es beispielsweise eine Kurbelwelle mit flacher Ebene und einem 180-Grad-Winkel zwischen den Kurbelwellenbögen, Pleuel aus Titan reduzieren die rotierenden Massen, mit DLC (Diamond Like Carbon) ummantelte Schlepphebel im Ventiltrieb halten extreme Drehzahlen aus. Wie im Motorsport üblich, sind die meisten Nebenaggregate auf einer Seite untergebracht, darunter die beiden Wasserpumpen für den Ladeluftkühler und die Motorkühlung sowie der aktive Thermostat zur Feinsteuerung der Temperatur. Den Öltank dagegen integrierten die Ingenieure dagegen auf der anderen Seite des Motors, der nach dem Trockensumpfprinzip mit fünfstufigen Zahnradspülpumpen arbeitet. Geschaltet wird über ein quer hinter dem Motor angebrachtes 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Was wollen wir sonst noch schreiben? Vielleicht etwas gar klassisches Lamborghini-Design, aussen wie innen? Aber das sehen Sie ja besser auf den Bildern:

Eine Frage hätten wir da aber noch: Wer sucht denn die Namen aus für die neuen Lamborghini? Gut, da besteht ein gewisses Verständnis, dass keine erdolchten Stiere mehr ihren abgetrennten Kopf hinhalten müssen, da kriegten wohl nicht nur militante Tierschützer einen dicken Hals. Aber Rührei, also Revuelto? Und jetzt «temerario», was im Spanischen gerne auch im Sinne von «unüberlegt» gebraucht wird?

Mehr Neuheiten haben wir in unserem Archiv.

4 Kommentare

  1. Rolf Rolf

    Mit dem Namen will man Elektrokompetenz (TEsla), beste Verarbeitung (MERcedes) und feinste Sportwagenwerte (FerrARI) suggerieren.

    Das „O“ steht vermutlich für ……O(h), was für eine blöde Idee.

    Der Gallardo war noch irgendwie ein cooler Hund, aber seitdem nur noch was für Leute, die „Lambordschini“ sagen.

  2. Christian Christian

    Gut, wieder ein LP400-Klon, diesmal mit Elektrisch – und weiter? Für Denjenigen, der`s mag ist sowas das Höchste.
    Lambordschini und Kauntäätsch. Das Problem mit der Aussprache hat man eben bei „Audi“, „Temerario“ und „Revuelto“ nicht…. Aber sprich mal Audi A4 quattro auf italienisch – auch lustig.

    • Jono Jono

      Der Audi A44 ist überhaupt der Über-Audi!

    • rolf rolf

      Beim Rewüllto wäre ich mir da gar nicht so sicher, wenn man die Klientel sieht, die drin sitzt …..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert