Sechszylinder
Wahrscheinlich wäre aus T.G. John and Co. nie eine grosse Automarke geworden. Doch T.G. John baute ab 1919 auch nur Stationärmotoren und Vergasergehäuse und ein paar wenige Motorroller. Doch bald schon kam ein erstes Automobil dazu, der von Geoffrey de Freville konstruierte 10/30, der sich überraschend gut verkaufte, so dass das Unternehmen 1921 in neue Hallen an der Holyhead Road in Coventry umziehen musste – und gleichzeitig seinen Namen änderte, in Alvis Car and Engineering Company. Viel ist schon spekuliert worden über den Namen, doch de Freville sagte mehrfach, dass Alvis keine Bedeutung habe, er das Wort gewählt habe, weil es sich in allen gängigen Sprachen gut aussprechen lasse; so einfach kann es manchmal sein. 1922 kamen George Thomas Smith-Clarke und William M. Dunn zu Alvis, beide von Daimler, und es begann eine fruchtbare Zusammenarbeit, die stolze 28 Jahre halten sollte. (Bilder unten: 4.3 Litre SA, Airline Sports Saloon von Bertelli, 1936.)
























Der 10/30 wurde abgelöst vom 12/50, der auch eine schöne Rennsport-Karriere hatte, ab 1927 gab es beim 14.75 dann sechs statt vier Zylinder. Und diese Sechszylinder wurden typisch für Alvis, daran wurde festgehalten bis zum Produktionsende 1967. Man muss das klar sehen, die Alvis waren vor dem 2. Weltkrieg oberhalb der Aston Martin angesiedelt, mehr so auf Augenhöhe mit Bentley. Doch der Hersteller aus Coventry war deutlich innovativer, die Fahrzeuge moderner als jene der anderen britischen Hersteller, der 1928 eingeführte 12/75 verfügte über Frontantrieb und auf Wunsch einen Roots-Supercharger, 1933 gab es schon Einzelradaufhängung vorne, wahrscheinlich das erste komplett synchronisierte Getriebe der Auto-Branche und servounterstützte Bremsen. (Bilder unten: Twenty-Five SB Parallel Door Drophead Coupe von Bertelli, 1936.)































Wie damals typisch, lieferte Alvis nur Chassis mit Motor, die Aufbauten musste man anderswo bestellen. Und da waren alle grossen Namen von der Insel mit dabei, Gurney Nutting, Bertelli, Mulliner, Tickford, Vanden Plas. Genau das sollte Alvis später fast zum Verhängnis werden, doch vor dem Krieg lief es zuerst noch richtig gut, man baute zusätzlich auch Flugzeugmotoren und gepanzerte Fahrzeuge – und ab 1931 zuerst den Speed 20, ab 1937 dann den Speed 25 (3,5 Liter Hubarum, 110 PS) sowie den 4.3-Litre (eigentlich 4,4 Liter Hubraum, etwa 140 PS). Dafür gab es dann den Standard Tourer von Cross & Ellis, ein Standard Saloon sowie ein Drop Head Coupé von Charlesworth, aber auch die Aufbauten nach Wunsch, unten sehen wir einen Pilarless Saloon von Vanden Plas aus dem Jahr 1937.
































An der Monterey Car Week kamen bei RM Sotheby’s gleich vier Alvis unter den Hammer, alle aus der gleichen Sammlung. Drei davon schafften den Schätzpreis nicht, das Concealed Hood Drophead Coupe von Lancefield aus dem Jahre 1938 übertraf ihn dafür um fast das Doppelte. Es wäre schön, wenn diese Vorkrieg-Alvis mehr Aufmerksamkeit erhalten würden.

























Mehr schöne Vorkriegs-Klassiker haben wir in unserem Archiv.


Ich würde hier noch auf die Continuation Series verweisen…..