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Ferrari 365 GTB/4 Daytona NART Spider

Die Sonderbaren

Ohne Luigi Chinetti, geboren 1901 und dreifacher Le-Mans-Sieger (1932, 1934, 1949), wäre Ferrari heute wohl nicht das, was Ferrari heute ist. Der Italiener, der 1946 in den USA eingebürgert wurde, war ab 1949 der erste Ferrari-Händler in Nordamerika – und er verkaufte in manchen Jahren die halbe Jahresproduktion aus Maranello. Es gibt viele schöne Geschichten von und mit Luigi, wir werden irgendwann einmal ein paar davon erzählen, doch hier geht es zuerst um ein Fahrzeug, bei dem sich Chinetti nicht unbedingt mit Ruhm bekleckerte, den Ferrari 365 GTB/4 Daytona NART Spider mit einem Aufbau von Michelotti.

Was genau Chinetti trieb, fünf GTB/4 enthaupten und zu Michelotti-Spidern umbauen zu lassen, darüber kann man nur rätseln. Wahrscheinlich ging es um die Keilform, in ihrer schönsten Form ab 1971 beim Lamborghini Countach zu sehen – Ferrari hatte dem nichts entgegenzusetzen, man kann sich vorstellen, dass Chinetti auch so etwas haben wollte. An Gandini konnte er sich nicht wenden, auch Giugiaro war nicht verfügbar, doch mit Giovanni Michelotti hatte Chinetti schon Ende der 60er Jahre zusammengearbeitet (und der damals entstandene 275 P2 war jetzt nicht der schönste Ferrari aller Zeiten). Michelotti zeichnete eine durchgehende Linie, vorne etwas Haifisch, hinten mehr so Blauwal, als ob ihm plötzlich die Ideen ausgegangen wären.

Das erste Fahrzeug, das Luigi Chinetti zu Michelotti schickte, war ein ein 71er Daytona, #14299, den er zuerst einem Doktor Silva verkauft hatte, Mitte der 70er Jahre zurücknahm, 1976 über den Teich nach Turin schickte, 1977 umgebaut zurückerhielt. Er schenkte das Fahrzeug seiner Frau Marion, die schien es aber nicht besonders zu mögen, der Wagen ging dann als Ausstellungsstück wieder zu Michelotti, stand sich im Museum von Le Mans die Reifen platt – und wurde von Chinetti nach dem Tod seiner Frau an den Händler Marty Yacobian verschachert. Nächster prominenter Besitzer war Jon Shirley, der immerhin 22 Jahre auf «Marion» aufpasste; im Februar 2026 kommt der erste Ferrari 365 GTB/4 Daytona NART Spider bei RM Sotheby’s in Palm Beach unter den Hammer, erwartet werden 600’000 bis 750’000 Dollar.

Es gab, wie geschrieben, fünf dieser Michelotti-Spider, neben #14299 noch #14897, #15003, #15965 (Rennfahrzeug für Le Mans 1975…) und #16467 (mindestens zwei Mal mit Totalschaden). Mehr Ferrari gibt es im Archiv.

4 Kommentare

  1. marco marco

    Team Marion hier…

  2. Ulrich Ulrich

    Also, bis auf das eigenartige Heck finde ich den Wagen sehr interessant und auch begehrenswert.

    • Peter Ruch Peter Ruch

      dagegen ist doch auch gar nichts einzuwenden

  3. Ich finde den NART-Spyder eigentlich auch recht gelungen, einzig der Knick in den Kotflügeln wirkt etwas ungelenk.
    Und beim Betrachten des Wagens wird auch klar, woher Bruno Sacco die Idee mit dem „Sacco-Brettern“ beim W124 hatte…
    Sehr schön finde ich vor allem das sehr modernistische Cockpit mit den beiden Kunststoffeinsätzen hinter dem Volant und über der Mittelkonsole im lederbezogenen Armaturenbrett.

    Insgesamt wirkt der NART-Spyder deutlich moderner, als seine Ausgangsbasis, auch wenn man diese heutzutage natürlich zu Recht verehrt.

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