Car of the Year
Schon öfter hatten wir das Thema, wie sehr doch die Strassen des jeweiligen Landes die Fahrwerksabstimmungen beeinflussen. Klar, eine billige Verallgemeinerung, aber die Italiener können es trotzdem am besten, weil sie schlechtesten Strassen mit den meisten Kurven haben. Die Deutschen mögen es gerne etwas härter, weil gute Strassen (zumindest früher) und viel Autobahn, die Amerikaner können offensichtlich gar nichts, weil sie ja auch nicht müssen, sie fahren so langsam. Und was ist jetzt mit den Franzosen? Sie haben vielleicht nicht die besten, aber wohl die schönsten Landstrassen. Dort fährt man auch nicht besonders schnell, sondern gleitet mehr so elegant einher, in Ruhe, Zufriedenheit. Das beste Beispiel war einst Citroën – doch auch dieser kleine, rein elektrische Renault 5 ist ganz grosses Kino auf solchen Gassen, weite Radien, schön geschwungen, mit vielleicht etwas mehr als den unterdessen nur noch erlaubten 80 km/h, als Stromer sowieso die Ruhe selbst, trotz vielleicht etwas zu grosser Räder wunderbar komfortabel. Die Franzosen haben aber auch diese herrlichen Bergstrassen, Seealpen, Col de Turini und so, sie können also auch das – und der R5 kann das halt auch (davon hatten wir im ersten Fahrbericht schon geschrieben, hier). Ich wohne so ein bisschen auf dem Berg, knapp 800 Meter über Meer, dorthin führt von Süden her ein kleines Bergrennen, ein paar Serpentinen, andere enge Bögen; nach Norden ist dann Elsass, also flach, weit. Und für beide Gelände ist der Renault herrlich, noch nie hatte ich so viel Spass mit einem E-Auto.



Und deshalb kriegt der sehr gelbe Franzose (oder ist es mehr: eine sie?) auch so reichlich Kilometer auf den Tacho. Bald vier Monate ist der R5 bei mir jetzt im Dauertest, bald hat er auch schon 20’000 Kilometer runter – ganz einfach auch deshalb, weil ich mich oft für ihn entschieden habe, auch wenn ich es mit anderen Testwagen/Privatfahrzeugen einfacher haben könnte, weniger oft an der Ladestation stehen würden (oder gar nicht). Nein, Langstrecke ist wahrlich nicht so sein Ding, dafür ist der Akku zu klein, dafür ist die Ladegeschwindigkeit nicht hoch genug, aber irgendwie kümmert mich das schon lange nicht mehr, es ist, wie es ist – und dann passt man sich halt an. Kürzlich ging es ins Hinterland von Vicenza, ziemlich genau 600 Kilometer ein Weg, viel Autobahn (was der R5 wie alle Stromer nicht besonders schätzt), drei Mal Laden auf dem Hinweg, mit noch ein paar Umwegen fünf Mal Laden auf dem Rückweg. Anstrengend, ja, mühsam, ja, Reiseplanung des R5 – alles andere als überzeugend. Der Franzos’ hat nahe null Ahnung, wo man in Italien mit welcher Geschwindigkeit laden kann, man muss noch etwa drei Apps offen haben, damit man nicht die dümmsten Umwege fährt (30 Kilometer je Weg zu einem 22-kW-Lader, wenn es auf der nächsten Autobahn-Raststätte einen 100-kW-Lader hat?). Renault nutzt Android, also Google, Google kennt den seit 2,5 Jahren bestehenden Schnelllader, der Renault aber nicht – was läuft da falsch? Da ist noch Luft nach oben, aber das ist ja bei den meisten Herstellern so. (Und wie wir unterdessen gelernt haben: Google Maps ist für das Auto anders als auf dem Smartphone.)

Also: 150 PS, 245 Nm maximales Drehmoment, das tönt jetzt nicht besonders wild. Doch es reicht, den 3,92 Meter langen, 1,74 Meter breiten und 1,5 Meter hohen Viertürer in acht Sekunden von 0 auf 100 zu bringen. Auch das ist jetzt kein Bestwert, braucht ja auch niemand – sehr souverän ist der etwas über 1,5 Tonnen schwere Franzose bei Überholmanövern trotzdem. Und wie er aus der Kurve kommt, wunderbar. In die Kurve kommt er auch nicht schlecht, gut dosierbare Bremsen, ganz anständige Lenkung. Natürlich ist das nicht mit einem Polo GTI oder dem einstigen Clio RS oder so zu vergleichen (da müsste dann eher die Alpine A290 antreten), doch es ist weit mehr als bloss ok (siehe oben). Verbaut ist ein 52-kWh-Akku, die maximale Ladegeschwindigkeit soll bei 100 kW liegen (haben wir nie erreicht, 93 kW war der Höchstwert, meist sind es zu Beginn eher so 80), als Reichweite geben die Franzosen 405 Kilometer an, als Verbrauch 15,2 kWh/100 km. Und da kommen wir nun zu einem entscheidenden Punkt: In den letzten warmen Herbsttagen haben wir den R5 in der Schweiz mit weniger als 14 kWh/100 km bewegt. Auf oben beschriebener Fahrt nach Italien mit viel Autobahn und Temperaturen um den Gefrierpunkt lag der Verbrauch bei etwas über 18 kWh/100 km. Im Schnitt sind wir bei 16,2, das darf man als ausgezeichnet bezeichnen. Im typischen Fenster von 10 bis 80 Prozent SOC sind immer 250 Kilometer drin.



Aber es ist nicht allein, wie der Renault 5 electric erfreulich fährt und wie wenig er verbraucht, es ist das Gesamtpaket. Er sieht gut aus, aussen wie innen, er bietet ausreichend Platz (ausser, man muss hinten sitzen), auch der Kofferraum ist ganz ok (326 Liter, bei abgeklappten Rücksitzen sind es 1106 LIter). Die vorderen Sitze sind bequem, auch auf der Langstrecke; sie bieten guten Seitenhalt. Vor der Pilotin baut sich eine Display-Landschaft auf, es ist vielleicht etwas gar viel Bling-Bling, aber so ist das halt heute; ein paar physische Tasten und Schalter hat Renault belassen, das ist gut so. Die beste Taste: Perso, dort bündelt man die favorisierten Einstellungen (dauert drei, vier Minuten), dann braucht man danach nur noch einmal zu drücken – und all der Unsinn wie Spurhalter, Tempolimitgebimmel etc. sind weg. Die Bedienung ist eh kinderleicht, das Smartphone verbindet sich blitzschnell; es ist alles sauber verarbeitet, angenehme Materialien, auch ein paar Retrozitate gibt es – man freut sich darauf, sich in den Renault setzen zu dürfen. Ach ja, sehr gutes Licht, LED serienmässig – und eine Scheinwerfer-Automatik, die auch tatsächlich funktioniert.

Seit kurzem gibt es den R5 electric mit kleinerer Batterie (40 kWh), weniger Power (95 oder 120 PS), dies dann ab vernünftigen 24’900 Franken. Mit dem grossen Akku sind mindestens 32’500 Franken fällig, dann gibt es halt noch ein paar Ausstattungsreihen, die Farb-Kombi an unserem Testwagen kostet auch noch 1100 Franken extra. Das wahre Schnäppchen ist der Renault 5 electric damit nicht mehr, aber wir wollen den Preis jetzt mal als «gerechtfertigt» bezeichnen. Ach ja, dies ist ja ein Dauertest, deshalb noch dies: keinerlei Probleme bisher. Ausser vielleicht, dass der Wagen hinten schon sehr stark verschmutzt.


Wir hatten ja da auch den Fahrbericht. Und sonst gibt es mehr Stromer unter zero. Alles andere ist im Archiv. Ach ja, ganz viele Bilder von unseren Lade-Abenteuern haben wir auf einem neuen Insta-Account, Charging Tristesse.


Es scheint die Batterie-Anhänger wären doch nützlich, wenn man mit Stadt-Kleinwagen in die weite Welt will.
Einer scheint schon recht weit zu sein.
https://far-a-day.com/en
Witzig, ich hatte schon darüber nachgedacht, warum niemand einen speziell aufs E-Auto abgestimmten Wohnwagen entwickelt.
Batterien rein, die sich mit dem Auto zusammenschalten lassen, Gasflaschen raus, Photovoltaik aufs Dach.
Charging Tristesse ist großartig, sehr schöner Instagram Account, „Nudisme intérdit!“ ist mein Favorit!
Offensichtlich befördern E-Ladestationen die allen intelligenten Menschen zueigenen Depression noch deutlich zügiger als die gemeine Autobahntankstelle…
Ich wundere mich, warum das älteste Gewerbe der Welt die Ladestationen noch nicht für sich entdeckt hat?
Statt in runtergekommenen Wohnmobilen irgendwo an der Überlandstraße zu warten, böte sich eine halbstündige Ladepause doch für ein erotisches Abenteuer unbedingt an:
„Your car is slow and clean, my sex is quick and dirty!“.
Oder:
„Dein Auto lädt sich voller Inbrunst, Du entlädst Dich unter meiner Hände Kunst!“.
Oder, ganz kurz und prägnant:
„Plug and Play!“.
Tschuldigung!
Es soll ja um Elektroautos gehen, der R5 ist sehr schick, vor allem in Gelb, aber er hat das gleiche Problem wie der wunderbare Honda e und der schicke Fiat 500e, sie alle sind zu groß für die Großstadt und die Akkus zu klein für die Langstrecke…
Dennoch: Es tut sich etwas bei den E-Autos und unlängst war ich tatsächlich im Renault-Showroom…
Vielleicht hilft die E-Mobilität ja gegen den Geburtenrückgang in Deutschland. Dafür müsste aber die Infrastruktur an den Ladestationen noch besser ausgebaut werden, allenfalls sollten «Verrichtungsboxen» (die hiessen in Zürich für das älteste Gewerbe tatsächlich so) installiert werden, oder zumindest ein Sichtschutz – dann liesse sich die Ladepause ja durchaus sinnvoll nutzen. «Vorkonditionieren» ist ja auch ein Begriff, den die E-Auto-Community gut kennt, anzuwenden weiss. Und ja, «Plug and Play» – danke für den, grossartig.
Falls man sich mit seinem „Anliegen“ an die mitreisende Ehefrau wendet, beginnt die Schwarzverglasung des SUV oder Kombi Sinn zu machen.
Lieber Rolf, mein verstorbener Vater war ein durchaus sehr kultivierter Herr, der sich außerhalb seiner Familie mit ungefähr fünf Personen duzte und – bis auf die allfälligen cholerischen Ausbrüche zu verschiedenen, meist politischen Themen – durchaus gewählt auszudrücken verstand.
Aber als ich einmal mit einem Sixt-BMW zu Hause vorfuhr, der über die sogenannte Privacy-Verglasung verfügte, entfuhr ihm ohne Vorwarnung und zum Entsetzen meiner immer ostentativ vornehmen Mutter folgende Frage:
„Mein Gott, wie furchtbar, was sollen denn diese Fickfenster bei einer Familienkutsche???“
Ich hatte meine ein wenig gehasste, aber auch viel geliebte Zoe zum Service, und bekam vom Werkstättenmann einen Schlüssel mit einem Grinser im Gesicht übergeben. „Der dunkelblaue R5 da draußen“.
Die Reichweite und Ladedaten sind echt nicht der letzte Heiler, es ist für meinen Bedarf zu klein, aber Hölle, macht das Gerät Spaß. Und das schon beim Anschauen. Ich steh davor, und schau einfach ein paar Gedenksekunden, bevor ich einsteigen.
Das Fahrwerk ist 2 Klassen über der Zoe.
Ich geb das Auto Abends zurück, und irgendwie spüre ich die Erwartung, dass ich nach einem Angebot Frage.
Nein, obwohl die Zoe nach problemlosen 5 Jahren, vordere Querlenker (zählte Renault) und hintere Bremsscheiben forderte, ich geb sie nicht so schnell auf. Irgendwie schaffen es die Franzosen mich über diverse Schwächen aufzuregen, aber mich am Ende vom Tag durch den französischen Chic weichzuklopfen.
Das Thema Auffinden einer Tankstelle/Ladestation ist scheinbar nicht so einfach.
Bei meinen BMWs konnte man im Navi auf „nächste Tankstelle“ klicken und erhielt eine Liste mit Entfernung. Allerdings Luftlinie.
Die nächste, nur vermeintlich 3 km entfernte Tankstelle war dann blöderweise in der Pampa neben der Autobahn und ab der nächsten Abfahrt waren es plötzlich 20 km Anfahrt, wenn man diese auswählte. Also immer schön „nächste Raststätte“ anklicken.
Den gelben R5 habe ich ja probegefahren.
Ja, der macht Spaß. Die Sitzposition ist gewöhnungsbedürftig. Man sitzt flach wie in einem Mini, nicht wie auf dem Küchenstuhl (Golf), aber einen halben Stock weiter von der Straße entfernt als im ersten Moment gefühlt.
Meine Frau fährt täglich zwischen 70 und 110 km, die Reichweite wäre locker ausreichend und wir könnten zu Hause über Nacht laden. Perfekt.
Nun passiert aber zwischendurch auch mal etwas unvorhergesehenes:
Vor zwei Jahren musste ich 300 km weit fahren und dann wieder zurück.
Mit dem Clubman Diesel meiner Frau fuhr ich mit immer so um die 160 km/h hin und dann spätabends mit um die 190 wieder zurück. Mit der restlichen Tankfüllung fuhren wir dann noch eine Woche unsere Kurzstrecken. Reichweite 800 km bei obigen Tempi.
Friedlicher unterwegs über 1000 km.
Es ist einfach bequem, nicht ständig auf den Akkustand sehen zu müssen wie bei den ersten Smartphones (wurde ja schon besser).
Ein bekannter, Cupra E-Fahrer, erzählte mir, sein Sohn fragte ihn spontan, weil sein Auto den Dienst versagte, ob er ihn zum Flughafen bringen könne.
Ging nicht, die Batterie war gerade fast leer.
Der Preis des R5 ist noch zu hoch für zu viel Hartplastik im Innenraum. 10.000 Euro weniger und ich würde bestellen für den Herbst, wenn der nächste Wechsel ansteht.
Gleiches Problem beim C3. Da werden die Benziner als Vorführwagen, je nach Ausstattungsvariante, zwischen 13.500 und 17000 Euro angeboten, die E sind teuer, zumindest als „normales“ Auto.
Ich sehe mir jetzt mal einen e-C3 Van an. Der wird für 17000 angeboten, hat keine Rücksitze und ein Trenngitter. Perfekter Hunde-Transporter.
Bleibt noch die Unsicherheit des Wiederverkaufs, ein Sammlerstück wird der sicher nicht für uns ……
Bei mobile.de gibt’s erstaunlich viele relativ billige Elektroautos aus den ersten Generationen. Zum in der Stadt rum rutschen, reichen die wahrscheinlich mit 100 km Reichweite.
Ich habe nachgesehen. Was auch nur annähernd wie ein Auto aussieht, ganz bescheiden, so ab Renault Zoë, kosten auch schon ab 15.000. Zu viel für keine Reichweite und ein angefasstes Auto.
Rolf, die Angelegenheit ist ganz einfach:
Ein E-Auto ist eine wunderbare Sache für Kurz- und Mittelstrecken, ein E-Auto sollte man wohl unbedingt immer leasen, da der Wertverlust und die Lebensdauer der Akkus unkalkulierbar sind und neben einem E-Auto sollte möglichst noch ein Verbrenner in der Garage stehen, für die weiten Strecken, für die eiligen Fahrten, für den Fall eines Stromausfalls.
Das E-Auto befördert eine Entwicklung, die offenbar unaufhaltsam ist, ein Auto wird nicht mehr gekauft, gepflegt, gehütet, eventuell sogar vererbt, es wird für einen bestimmten Zeitraum ausgeliehen, entsprechend wenig liebevoll behandelt und dann wieder zurück gegeben, don’t be gentle, it’s a rental!
Insofern werden solche Fahrzeuge sowieso keine Sammlerstücke, von ihrer technischen Nachhaltigkeit einmal abgesehen und insofern hat sich auch der Fahrstil der Nutzer solcher Autos verändert, macht ja nix, wenn die Karre in der Leitplanke landet, dann gibt’s eben einen Neuen, das deckt ja alles irgendwie die Leasingrate.
Und so aus der Zeit gefallen wie ein lieber Freund von mir, der vor 12 Jahren zu seinem Sportwagen einen der ersten BMW i3 entsprechend fein konfiguriert und dann allen Ernstes GEKAUFT! hat, sind nur sehr wenige Zeitgenossen.
Jetzt hat der Wagen über 100.000 km auf dem Tacho und die Akkus sind so verbraucht, daß er bei Winterwetter noch 50 – 60 km Reichweite hat, nunmehr kauft er allen Ernstes bei BMW ein neues Akkupaket im Gegenwert eines Kleinwagens.
Ja, das stimmt leider. Ich wollte nie wieder leasen, habe aber Ende vorletzten Jahres meinen Hundetransporter trotzdem geleast. Weil man einfach nicht mehr weiß, was so passiert, wie sich der Restwert entwickelt. Ob nun beim Verbrenner oder beim E.
Daher der Gedanke als reines Edeka-Hunde-Zweckauto für die Kurzstrecke ein Basic-Auto wie den C3 für kleines Geld zu kaufen. Wenn man den nach acht oder zehn Jahren wegwerfen muss, dann hat er sich trotzdem rentiert.
Ihr Freund hat sich wohl in den i3 verliebt, sonst würde er so etwas kaum machen.
Letztes Jahr stand mal einer neben mir, den habe ich glatt fotografiert, so unerwartet gut sah der aus. Dunkelblau-Metallic.
Ein extrem spannender Dauertest! Die Renault 5 Electric ist ohne Zweifel eines der wichtigsten Modelle für die Elektromobilität in den kommenden Jahren. Besonders der Fokus auf die Alltagstauglichkeit und das echte Fahrgefühl im Dauertest liefert wertvolle Erkenntnisse, die man in herkömmlichen Datenblättern nicht findet. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Software und die Ladeleistung über die Monate schlagen. Vielen Dank für diesen tiefen Einblick in die Zukunft der kompakten Stromer.