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Numbers: Jeep Wagoneer

Der Schuldige

Selbstverständlich kann man darüber streiten, welches denn nun das erste Sport Utility Vehicle gewesen sei. Da gibt es allerlei Kandidaten, Ford baute schon vor dem 2. Weltkrieg hochbeinige Station Wagon mit Allradantrieb, auch Willys hatte ab 1948 den Jeep Station Wagon im Angebot. Doch der Jeep Wagoneer, der 1963 auf den Markt kam, war ein ganz anderes Kaliber, der wohl erste luxuriöse Geländewagen, der auf und neben der Strasse eine gute Figur machte. Es war eine grosse Wette, die Kaiser-Jeep damals mit dem Wagoneer einging. Die Entwicklungskosten beliefen sich auf 20 Millionen Dollar, Anfang der 60er Jahre noch richtig viel Geld; das Design stammte von Brooks Stevens. Aussergewöhnlich war, dass der neue Jeep hinten zwar noch über eine Starrachse verfügte, vorne aber Einzelradaufhängung hatte. Es gab das neue Modell anfangs mit zwei oder vier Türen, den Zweitürer auch in Form eines Lieferwagens mit zweigeteilter Hecktür. Man konnte diesen Jeep auch nur mit Heckantrieb bestellen.

Angetrieben wurde der Jeep Wagoneer vom damals ganz neuen 3,8-Liter-Sechszylinder von Jeep, der mit einer obenliegenden Nockenwelle überzeugen konnte und 140 PS stark war. Geschaltet wurde entweder manuell über drei Gänge – oder dann, erstmals in einem Geländewagen, über eine Automatik. Ab Modelljahr 1966 gab es dann auch noch den Super Wagoneer mit 5,4-Liter-V8. Der Jeep wirkte damals gross, 4,74 Meter lang, 1,9 Meter breit und 1,69 Meter hoch, wog aber trotzdem nur zwei Tonnen. Der Wagoneer wurde fast unverändert bis 1991 gebaut. Wir zeigen hier ein frühes Modell von 1965, ein ganz klassischer Wagoneer, manuelle 3-Gang-Schaltung, 3,8-Liter-Sechszylinder, der sich aussen wie innen in einem guten Zustand präsentiert. Aussergewöhnlich an diesem Fahrzeug, das über Schweizer Papiere verfügt, ist sicher das Interieur in «Sylvan Green».

Diese frühen Wagoneer sind unterdessen richtig teuer geworden, für schöne Exemplare wie dieses 68er-Modell unten werden deutlich über 50’000 Dollar verlangt.

Mehr spannende US-Cars gibt es unter: Numbers.

3 Kommentare

  1. Ich war mal nahe dran einen späten Wagoneer mit sehr wenig Meilen zu kaufen. Finanziell wäre es rückblickend eine gute Idee gewesen. Aber die Probefahrt hat mir dann einfach viel zu wenig Freude gemacht, obwohl ich dafür 500km nordwärts gefahren bin um ihn zu besichtigen.

  2. Rolf Rolf

    Oh, das ist einer meiner all-time-favorites.
    Gebaut von 1963 bis 1991 (manchmal liest man auch 1992).

    Durch die wechselvolle Geschichte von Jeep und mehrere Eigentümer, gibt es viele verschiedene technische Lösungen und Motoren bis zum 6,6 Liter V8.
    Es gab vorne Einzelradaufhängung, aber auch Starrachse, Heckantrieb, zuschaltbaren und permanenten Allradantrieb (Quadra-trac, ein damals sehr intelligentes System, welches automatisch die Kraft vom durchdrehenden Rad wegnahm).

    Der Pickup (1963 bis 1988) hieß Gladiator, bekannt in Zebra-Lackierung aus den Daktari-Filmen, wo er für mich, neben dem unvermeidlichen Land Rover, die Hauptrolle spielte. Für den Gladiator gab es auch eine 7,4 Liter Maschine.

    Der Razor-Grill ab 1966 (das blaue Fahrzeug oben), gab ihm noch einmal ein ganz anderes Auftreten.

    Die relativ geringe Höhe im Vergleich zur Breite, ließ ihn wie einen Riesenkombi wirken, was wohl durchaus zu seiner Verbreitung beitrug.
    Diesen Look hatte auch der „kleine“ Cherokee XJ, ebenfalls sehr beliebt.

    Als Cherokee gab es ihn auch, den Großen. Mit geänderter, „sportlicherer“ Fensterlinie hinten und als Cherokee Chief mit 10 cm Verbreiterungen und ebenso breiterer Spur.
    Klaus Kulkies, der damals unter dem Pseudonym „Kasimir Kardan“ für eine Off Road Zeitschrift schrieb, testete diesen ausführlich und nannte ihn „Superkombi“.
    Werte: 5,9 Liter V8, 128 PS, 140 km/h, Durchschnittsverbrauch 33,3 Liter/100 km.

  3. Und wieder ein Amerikanischer Wagen, der eine Ausnahme von meiner Regel, Amerikanische Autos nicht zu mögen, darstellt!

    Wunderbar, der Wagoneer, vor allem der weiße mit dem grünen Interieur, ein Auto, was ich immer geliebt habe, bis hin zum letzten, kantigen Jeep Cherokee, in den Achtzigern und Neunzigern vor allem in Dunkelblau-Metallic in Hamburg sehr beliebt, ich hatte mir immer einen als Zweitwagen zu meinem ebenfalls dunkelbau-metallicfarbenem Golf I Cabrio gewünscht, die kongeniale Ergänzung zum kantigen Cabrio!

    Und was hatten diese Fahrzeuge, vor allem die frühen, gerne auch mit Holzdekor, für eine positive Ausstrahlung, Best of America in einem freundlichen Sinn, optimistisch, fast schon liebevoll-naiv, man sah die junge Familie durch Park City oder vor dem stattlichen, weißen Wohnhaus in Conneticut vorfahren, hinter dem Volant die junge Mutter als Sinnbild des All-American-Girls, aus dem verchromten Autoradio schallt „Daydream Believer“, das Wetter ist gut und die Welt noch einigermaßen in Ordnung und Ronald Reagan erscheint mittlerweile als höchst sympathische Lichtgestalt und Hüter der Demokratie!

    Tempi passati, heute dominieren ICE-Häscher, aufgespritzte Mar-a-Lago-Faces, Monster-Trucks, zu lang gebundene Krawatten und dummer Protz das Amerika-Bild und solche liebenswürdigen, schönen Autos gibt es nicht mehr – und ich verfalle schon wieder in die Verklärung der Vergangenheit und der eigenen Jugend…

    Bitte mehr solche „Numbers“!

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