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Die Saab Sonett

Weiterdenken

Ab 1937 baute die Svenska Aeroplan Aktiebolaget, also Saab, Flugzeuge. Zuerst einmal in Lizenz, ab 1940 dann auch eigene Modelle. Nach dem Krieg war die Nachfrage nach Kampffliegern aber etwas geringer, einige Ingenieure wollten auch lieber auf dem Boden bleiben – und schon am 10. Juni 1947 konnte das erste Modell der Automobil-Sparte, der 92001, vorgestellt werden. Aus dem dann 1949 das erste Serienmodell hervorging, der Saab 92. Aus dem dann der Saab 93 entwickelt wurde, der 1955 vorgestellt wurde. Man sah diesen Fahrzeugen gut an, dass da Flugzeug-Spezialisten Hand angelegt hatten, die Aerodynamik war ein wichtiges Thema, nicht bloss beim Styling. Für einige der Herren war das aber alles zu langsam, sie wollten mehr, so auch Rolf Mellde, einer der Mitbegründer der Automobil-Sparte von Saab und ausserdem Rallye-Fahrer, der sich ein paar Kilometer ausserhalb von Trollhättan eine kleine Halle mietete. Und dort ganz heimlich an einem richtigen Sportwagen arbeitete. (Wir haben noch bessere Bilder, aber grad keinen Zugriff – das wird noch angepasst…)

Das war ein guter Plan, eigentlich. Es kommt jetzt wieder die alte Geschichte: Im 2. Weltkrieg hatten viele der amerikanischen Soldaten mitbekommen, dass es in Europa ganz andere Autos gab als in den USA. So kleine, wendige Dinger, ohne Dach, mit denen man flott zur Uni und am Wochenende noch etwas flotter um Rennstrecken fahren konnte. Nach dem Krieg explodierte in den USA die Nachfrage nach diesen Roadstern, MG, Triumph, dann auch Jaguar konnten ihre Verkaufszahlen vervielfachen. Auch Mellde dachte, dass so ein Sportwägelchen nicht nur ihm selber Spass machen könnte, sondern auch den Amerikanern – und so liessen ihm seine Chefs auch freie Hand. Gaben ihm ein paar Dreizylinder-Zweitakt-Motoren und auch noch Sixten Sason, einen Designer. Mellde machte aus dem 0,75-Liter-Motörchen, das im 93er 45 PS leistete, eine ganz nette Maschine, 57,5 PS sollen es gewesen sein dank Solex-Doppelvergaser, einer Verdichtung von 10,0:1 und einem Alu-Zylinderkopf. Allerdings musste er das Ding um 180 Grad drehen, denn er wollte es seinem Sportwagen deutlich hinter der Vorderachse einbauen. 1956 wurde der Saab 94 in Stockholm vorgestellt – und war doch eine Sensation, solch ein Fahrzeug hatten die Schweden noch nie gesehen.

Der erste Sonett war 3,4 Meter lang, 1,42 Meter breit, nur gerade 0,82 Meter hoch. Er stand auf einem Leichtmetall-Monocoque aus genieteten Alu-Platten, die von Sason entworfene Karosse bestand aus Fiberglass. Anfang 1957 wurde er in New York vorgestellt, auch da staunten die Betrachter – und in Schweden war man überzeugt, dass man mindestens 2000 Stück würde verkaufen können. Ob es nun an mangelndem Interesse lag, dem zu hohen Preis oder schlicht und einfach daran, dass Saab gar keine Kapazitäten hatte, solch ein Auto zu produzieren – nur gerade sechs Fahrzeuge wurden gebaut (vielleicht auch sieben), davon sollen noch zwei existieren. Der Name übrigens hat nichts der Gedichtsform aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen zu tun, sondern kommt vom schwedischen Satz «Så nätt den är», was in etwa so viel heisst wie «Schau, wie hübsch er ist».

In den 60er Jahren kam dann eine Anfrage vom amerikanischen Saab-Importeur, ob man nicht in Schweden vielleicht einen kleinen Sportwagen bauen könnte – die Nachfrage nach solchen europäischen Fahrzeugen war weiterhin hoch, die Engländer verdienten weiterhin glänzend, aber auch Porsche oder Alfa Romeo hatten viel Freude am US-Geschäft. Saab gab das Projekt auswärts, Sixten Sason entwickelte die Catherian in seinem privaten Design-Studio, während die Malmö Flygindustri mit Björn Kalmström als Designer und Walter Kern, einem Ingenieur des Massachusetts Institute of Technology, den MFI13 ins Rennen schickte. Trollhättan entschied sich für MFI13, der dann 1966 zuerst in New York und danach auch in Genf vorgestellt wurde. Intern als Saab 97 bezeichnet, wurden 1967 zuerst einmal 230 Stück (oder vielleicht auch 258) mit einem Zweitakt-Motor gebaut, doch weil die amerikanischen Vorschriften diesen Motor nicht mehr zuliessen, stellte man dann auch einen Vierzylinder aus dem Ford Taunus um. Dieser schaffte aus 1,5 Liter Hubraum 65 PS, beschleunigte den unterdessen als Sonett II bezeichneten Schweden in 12,5 Sekunden auf 100 km/h, machte ihn 160 km/h schnell. 1610 Exemplare wurden bis 1969 produziert.

Weil man eh intensiv am Motor basteln musste, um die amerikanischen Abgasvorschriften einhalten zu können, vergab Saab den Auftrag für das Re-Design des Sonett III zuerst an den Italiener Sergio Coggiola, griff dann aber doch auf den hauseigenen Entwurf von Gunnar A. Sjögren zurück. Unterdessen war der Sonett dann 3,9 Meter lang und wog nicht mehr 550 Kilo wie der erste Sonett, sondern schon 880 Kilo. 1970/71 kam noch der alte Taunus-Motor zum Einsatz, aber 1972 gab es dann 1,7 Liter Hubraum, aber weiterhin 65 PS. Dann kam die Ölkrise, 1974 war Schluss mit dem kleinem Saab, obwohl der Sonett III mit 8368 Exemplaren sich endlich als kleines Erfolgserlebnis für Saab herausstellte.

Auf der Auktion der Oldtimer Galerie Toffen vom 21. März 2026 kommen gleich zwei Sonett unter den Hammer, ein Sonett II V4 von 1969 mit diesen Angaben (das ist das rote Fahrzeug oben): «Dieser tolle Saab Sonett II mit Ford 1.5-Liter V4 Motor wurde in die USA ausgeliefert und am 28. Februar 1969 erstmals zugelassen. 2011 wurde das seltene kleine Coupé – nur 1‘610 Fahrzeuge wurden gebaut – nach Holland importiert, wo es 2013 vom letzten Besitzer erworben und in die Schweiz importiert wurde. Hier angekommen wurde der sportliche Schwede für historische Rallyes optimiert, hierzu wurde unter anderem der Motor mittels Sweedspeed Tuning auf gut 1.8-Liter aufgebohrt und mit grösseren Ventilen, anderer Nockenwelle und Weber Vergaser auf ca. 130 PS gebracht. Zudem wurden Zusatzscheinwerfer und ein Satz Ronal 15 Zoll-Aluräder montiert. Seither wurde der Sonett gerne bei historischen Veranstaltungen eingesetzt und stets gepflegt. Aktuell befindet sich der Saab in sehr gutem Zustand und wird mit der letzten MFK als Veteranenfahrzeug erfolgte im Januar 2026.» Das orange Fahrzeug (unten) ist ein Sonett III von 1972, mit diesen Angaben: «Dieser seltene Saab Sonett III – nur 8‘351 dieser skurrilen Coupés wurden gebaut – wurde vor vielen Jahren wohl aus Schweden in die Schweiz importiert. 2011 wurde der sportliche Saab vom letzten Besitzer übernommen und in der Folge für den Einsatz an historischen Rallyes optimiert. Der 1.7-Liter Ford V4 Motor erhielt durch Sweedspeed Perfomance Parts eine kleine Leistungsspritze und die Innenausstattung wurde durch eine Stoppuhrensatz sowie einen Ventilator für den Navigator ergänzt. Aktuell befindet sich der Sonett III ing gutem bis sehr gutem Zustand und wird mit der letzten MFK als Veteranenfahrzeug im März 2026 an einen neuen Fan der Marke aus Trollhättan übergeben.»

Mehr spannende Fahrzeuge haben wir in unserem Archiv.

1 kommentar

  1. erik erik

    ALSO IST SAAB DER ERINDER DES KEI-CARS.. ( lol)

    ich weiss.. es is aber ein coole Socke.
    und wiegt so viel, wie eine Stosstange
    bei einem dieser abscheulich hässlichen
    Suv. Derzeit legt Mercedes die Latte “ geht es noch hässlicher und proletös“
    hoch.
    Danke für Beitrag 🙂

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