Die wahre Legende
Kann es tatsächlich sein, dass wir bisher nichts über die wahre Legende unter den Nissan Skyline GT-R, den R34, geschrieben haben? Obwohl wir alle andern schon haben (Zusammenfassung siehe hier, Sayonara), obwohl wir den R34 auch aus eigener Erfahrung kennen? Naja, es ist nie zu spät – und es ist auch ein guter Moment, denn bei Broad Arrow kommt Mitte Mai 2026 «The Ultimate R34 Skyline GT-R Collection» unter den Hammer, da gibt es passend gleich ein paar ganz aussergewöhnliche Exemplare.

Der R34 kam als Nachfolger des (zu) wenig geliebten R33 für den Modelljahrgang 1999 auf den Markt. Unter den Fans herrschte Erleichterung, dass der Radstand wieder deutlich verkürzt wurde (von 2,72 auf 2,66 Meter), das versprach wieder die Agilität, die von einem GT-R erwartet werden konnte. Den Antrieb kannte man, der ewige RB26DETT, 2,6 Liter Hubraum, offiziell 280 PS bei 6800/min, 392 Nm maximales Drehmoment bei 4400/min, zwei Turbolader; geschaltet wurde neu über ein manuelles 6-Gang-Getriebe von Getrag. Klar, Allradantrieb, ATTESA E-TS (Advanced Total Traction Engineering System for All-Terrain), selbstverständlich wieder HICAS (High Capacity Actively Controlled Steering), die Allradlenkung. Ganz neu war das multifunktionale Display (MFD), das diverse telemetrische Daten anzeigen konnte – ein wichtiger Vorläufer der Riesen-Touchscreens von heute, vielleicht nahm genau dieser R34 damals die falsche Abzweigung. (Bilder unten: Ein ganz «normaler» GT-R (von 11’578 Exemplaren), Chassis-Nummer BNR34-001440, in Midnight Purple II (LV4) und ein paar NISMO-Upgrades (700 PS…). Auktion: Broad Arrow, Villa d’Este 2026, Schätzpreis von 325’000 bis 400’000 Euro…)





















Es gab auch den M-Spec, etwas komfortabler abgestimmt, feinstes Leder, der wahre Gran Turismo, es wurden nur gerade 366 Stück verkauft. Das Fahrzeug unten, Chassis-Nummer BNR34-402612, trägt eine ganz spezielle Farbe, Silica Brass, nur gerade 122 aller R34 waren so lackiert (Auktion: Broad Arrow, Villa d’Este 2026, Schätzpreis von 450’000 bis 600’000 Euro…).























Der R34 wurde nur bis 2002 gebaut, dann führten strengere Abgas-Vorschriften zum endgültigen Ende des noch aus den 80er-Jahren stammenden RB26DETT. Doch selbstverständlich gab es kurz vor Schluss noch ein paar Sondermodelle, den GT-R V-spec II Nür sowie den GT-R M-spec Nür, wobei das Nür selbstverständlich für die Nordschleife steht. Beide Varianten erhielten die N1-Rennsportversion des Doppelturbo (in erster Linie: grössere Turbos), die Leistung verblieb offiziell bei 280 PS (das war ein Gentleman’s Agreement unter den japanischen Herstellern, diese Zahl wurde in den technischen Daten vermerkt), es waren auf dem Prüfstand aber eher 400. Eigentlich hätten es insgesamt 300 Stück werden sollen, doch weil die schon nach wenigen Stunden ausverkauft waren, legte Nissan nochmals nach, insgesamt 750 V-Spec, dazu noch 250 M-Spec. (Bilder unten: ein V-Spec Nür, Chassis-Nummer BNR34-403714, Auktion: Broad Arrow, Villa d’Este 2026, Schätzpreis von 375’000 bis 450’000 Euro…)



















Man könnte nun meinen: das reicht. Aber bei den Japanern gab es immer noch diese besonderen Feinheiten, eine davon heisst S-Tune (das S steht für Street). In der berühmten Omori-Fabrik der Nissan-Rennabteilung NISMO erhielten 14 GT-R von ausgewählten Kunden diesen Upgrade, schärfere Nockenwellen, grössere Turbos, Weldina-NE-1-Auspuffanlage, bessere Bremsen, das G-Attack-Fahrwerk, ein paar Anbauteile (inkl. Carbon-Heckspoiler), geschmiedete 18-Zöller von Rays Engineering. Innen gab es ein bisschen mehr Carbon, einen 320-km/h-Tacho und einen Drehzahlmesser, der bis 11’000/min reichte. 3,6 Millionen Yen kostete dieses Werkstuning damals, eine Investition, die sich heute extrem gut ausbezahlt. (Bilder ganz oben und unten: Chassis-Nummer BNR34-402314, in einem wunderbaren Bayside Blue. Auktion: Broad Arrow, Villa d’Este 2026, Schätzpreis von 500’000 bis 700’000 Euro…)


















Einen haben wir noch, einen Clubman Race Spec (CRS). Und da ist wieder NISMO im Spiel, wo man in den 10er-Jahren mit einem speziellen Restaurationsprogramm begann. Die Kunden durften ihre GT-R vorbeibringen, reichlich Geld hinterlegen – und konnten nach einem Jahr ein quasi neues Fahrzeug abholen. Mit einem 2,8-Liter-Motor (F-Sport R, mit 500 PS), diversen neuen Teilen, einem deutlich verbesserten Fahrwerk (inkl. den Brembo-Bremsen aus dem GT-R R35) und – in diesem Fall – auch einer neuen Lackierung in Gunmetal Grey (eine Reminiszenz an den R32). 20 Exemplare dieser CRS sollen über die Jahre entstanden sein, quasi ein Restomod ab Werk. (Bilder unten: Chassis-Nummer BNR34-404238, ursprünglich ein M-Spec. Auktion: Broad Arrow, Villa d’Este 2026, Schätzpreis von 700’000 bis 850’000 Euro…)
























Eben, mehr interessante Japaner gibt es unter Sayonara. Und dann gibt es auch noch das Archiv.


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