Biologisch
Als Insider sollte man die 2014 gegründete Divergent Technologies kennen, die Amerikaner gehören zu den weltweit führenden Herstellern, wenn es um 3D-Printing geht, alle, also: alle Hypercar-Marken kaufen dort ein, Divergent «druckt» auch Alu und Carbon, sie entwickeln die «Drucker» gleich selber und stellen sie irgendwo auf der Welt hin. Gründer von Divergent Technologies war Kevin Czinger, sein Sohn Lukas war von Anfang an dabei – und 2019 gründeten sie zusammen auch noch eine eigene Automarke mit dem überraschenden Namen: Czinger. 2020 wollten sie ihr erstes eigenes Gerät auf dem Genfer Salon vorstellen, doch der wurde bekanntlich kurzfristig abgesagt; die Verzögerungen waren ab da einprogrammiert.
Aber es gibt sie nun tatsächlich, 2024 sollen die ersten Fahrzeuge ausgeliefert worden sein. Und der 21C ist wahrlich grob: 2,88-Liter-V8-Doppelturbo mit 760 PS, dazu zwei E-Motoren mit noch einmal mindestens 500 PS, ergibt eine Systemleistung von mindestens 1250 PS. Heckantrieb, sequentielles 7-Gang-Getriebe – 1620 Kilo. Dies ist in erster Linie auf die «biologische» Bauweise des 21C zurückzuführen, Bio-Logic nennt sich das und will «Konstruktionen» aus der Natur folgen, dem Aufbau von Pilzen (leicht, stabil) und Bäumen etwa. Es gibt einen zentralen Fahrerinnensitz, der Passagier ist buchstäblich Beilage. Aber das rennt dann halt auch grob, 1,9 Sekunden von 0 auf 100, über 400 km/h Höchstgeschwindigkeit, paar Rundenrekorde für serienmässige Fahrzeuge in den USA.
80 Stück, nur für die USA und angegliederte Petro-Staaten, alle sollen verkauft sein. Nun versteigert RM Sotheby’s ein erstes Stück, Nummer 5 von 80, Chassis-Nummer 4C9AAFNA0SL561007, erwartet werden in Monterey 2026 2,3 bis 2,5 Millionen Dollar. Die Farbe heisst übrigens Artemis Yellow. Mehr Hypercars haben wir: hier.


1620 kg in echt jetzt? So viel Kohlefaser, so viel Bio-Struktur-Druckteile (was ich toll finde) und dann so schwer?
2 Elektromotoren + Batterien
Sieht klasse aus!
Dann lieber den NILU 27.
Kein Turbo, keine e-Motoren, keine Hybrid. Analoger Fahrspaß für Puristen mit 1100kg
Endlich einmal ein Hypercar, das im Vergleich zu anderen erstaunlich schlicht gestaltet ist. Und dass Europa US-Hersteller ignoriert, ist ja nix neues. Man denke nur an die Ignoraz gegenüber diversen Corvetten, die für deutlich weniger Geld mit Europäern locker mithalten konnten.
Die „biologische Bauweise“, hier Bio-Logic genannt ist allerdings nichts Neues. Bionisches Design oder Bionik wandte schon Gaudi bei der Sagrada Familia an. Um 2000 herum (wenn ich mich recht erinnere) wurde Bionik neue entdeckt und abgefeiert.
Ja, sie hat sich in einigen Bereichen durchgesetzt: Im Flugzeugbau hat sie zu deutlichen Treibstoffeinsparungen geführt. Sichtbar z.B. an Winglets oder gezackt auslaufenden Triebwerken, die weniger Verwirbelung verursachen. Erstaunlicherweise ist sie aus der öffentlichen Wahrnehmung aber völlig verschwunden. Vielleicht, weil es erst hoch entwickelten 3D-Druck gebraucht hat, um diese Formen konsequent umsetzen zu können?