Kein SUV
Selbstverständlich profitiert der chinesische Hersteller Leapmotor davon, dass er sich in Europa Stellantis anhängen kann. Da muss die erst gerade 10 Jahre alte Marke insbesondere beim Vertrieb und auch im After Sales nicht bei Null beginnen, auch bei der Abstimmung der Fahrwerke erhalten die Chinesen anscheinend Hilfe aus Frankreich. Doch das Zusammenspiel, begonnen erst im Frühling 2021, hat sich bereits gedreht, Stellantis lernt derzeit viel mehr von Leapmotor als umgekehrt, die nächsten Opel Opel werden «umgebaute» Chinesen sein – und wahrscheinlich wäre es nicht falsch, wenn der ganze Riesen-Konzern diesen Ansatz übernehmen würde (siehe auch: Fiat). Denn es ist schon eine Erfolgsgeschichte, die Leapmotor hier abzieht, 600’000 verkaufte Autos im vergangenen Jahr, dieses Jahr soll schon die Million erreicht werden. In der Schweiz ist das Wachstum seit Marktantritt ungebremst, jeden Monat geht es aufwärts, in den ersten fünf Monaten dieses Jahres belief sich das Plus auf fast 200 Prozent.

Mit dem B05 versucht sich Leapmotor nun im Segment der C-Hatchbacks, also das, was vor dem SUV-Boom die wichtigste, die Golf-Klasse war (erinnert sich noch jemand an diesen Begriff?). Es ist interessant, dass ausgerechnet die Chinesen nun wieder Leben in dieses Segment bringen – und es ist gut so, hoffentlich kommen die Kunden zur Vernunft, es braucht niemand diese aufgebockten, aerodynamisch miserablen und auch noch viel zu schweren Kastenwagen. Der B05 – an einer g’scheiten Nomenklatur könnten die Chinesen noch arbeiten – ist ein 4,43 Meter langes,, 1,88 Meter breites und 1,50 Meter hohes Automobil, das wieder beweist, dass Leapmotor gefälliges Design im Griff hat. Schlaflose Nächte beschert das 1,7 Tonnen schwere Fahrzeug wohl niemandem, aber es ist adrett, stimmig, niemand braucht sich dafür zu schämen. Und es gibt beim B05 nun tatsächlich auch Farben; ob dieses blasse Gelb als Lancierungsfarbe nun wirklich ein Glücksgriff ist, das steht auf einem anderen Blatt Papier. Der Radstand beträgt ordentliche 2,74 Meter, das beschert dem Chinesen innen Platzverhältnisse, die weit über dem Durchschnitt in dieser Klasse sind; der vergleichbare VW ID.3 sieht da so alt aus wie er es ja auch ist. 400 Liter Kofferraumvolumen, 1400 Liter bei abgeklappten Rücksitzen, das ist auch eine gute Ansage.

Der B05 fährt sich so, wie er aussieht: gut. Die Fahrwerksabstimmung des Hecktriebler ist vielleicht etwas zu weich, angenehm komfortabel. Er geht auch gut um die Kurven, lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, ohne jetzt die grossen sportlichen Ambitionen zu haben (obwohl er über eine 50/50-Gewichtsverteilung verfügt). Die Lenkung ist besser als auch schon bei Leapmotor, vielleicht sogar etwas zu direkt – oder sind wir uns das einfach nicht mehr gewohnt ob der vielen schwammiger abgestimmten E-Kutschen? Man sitzt mehr als nur anständig, die Materialanmutung ist deutlich besser als der Preis vermuten lassen könnte, gleiches gilt für die Verarbeitung. Die Gestaltung des Innenraums ist so simpel, wie das heute Mode ist. Wo aber halt noch viel Luft nach oben bleibt: beim Bediensystem. Nicht bloss, dass es dauernd piepst, reichlich Übersetzungsfehler hat, man fragt sich bei gewissen Tasten, ob sie tatsächlich hinterlegt sind. Auf unserer ersten Probefahrt versuchten wir den extrem nervigen (und ganz schlechten) Tempowarner auszuschalten, was uns aber beim besten Willen nicht gelang. Man kann auch den ganz üblen Spurhalte-Assi ausschalten, doch überfährt man einmal eine Linie, dann schaltet er sich automatisch wieder ein; damit er das nicht macht, muss man sich durch das siebte Unterunter-Menu auf dem vierten Nebengleis wühlen. Schade, da braucht es dringend Nachbesserung.

Was aber nicht so sehr ein Problem darstellen sollte, der B05 basiert auf der modernen 3.5-Plattform von Leapmotor. Zwar nur 400-V-Architektur (800 V soll später kommen), dafür ein extrem leistungsfähiger Zentralrechner – die Chinesen sind in diesem Preissegment der einzige Anbieter mit dieser Technik (die den viel teureren Stellantis-Produkten auch unbedingt gut tun würde). Man weiss um die sehr effizienten Problemlösungsfähigkeiten von Leapmotor «over the air» – man wundert sich mehr, warum es überhaupt solche Probleme geben kann. In die Schweiz kommt der B05 übrigens nur mit der grösseren Batterie (67 kWh) und der höheren Leistung (218 PS), als maximale Ladegeschwindigkeit werden 174 kW (in anderen Quellen: 140 kW) angegeben, als Reichweite nach WLTP 482 Kilometer (im sinnvollen Bereich zwischen 80 und 10 SoC also etwa 330 Kilometer). Und ja, das ist gut vorstellbar, auf unserer durchaus flotten Ausfahrt kamen wir auf 15,6 kWh/100 km im Schnitt, das ist hervorragend. Mit Stolz verkündet Leapmotor dann auch, dass der B05 eine Energieeffizienz von 94 Prozent erreiche.
Dann kommen wir doch auch noch zum entscheidenden Punkt: 25’900 Franken. Und das mit guter Ausstattung, 19-Zöller, Klimaanlage, zu viele Assistenten. Ein VW ID.3 Neo, der wohl der Hauptkonkurrent sein dürfte, ist erst ab 34’800 Franken zu haben, mit kleinerer Batterie, weniger Ausstattung. Doch es ist nicht nur der Preis, der beim Leapmotor B05 absolut überzeugt, in der Summe seiner Eigenschaften ist das ein wirklich gutes, sehr vernünftiges, smartes Automobil. Jetzt müssen nur die Kunden auch noch verstehen, dass sie eigentlich gar kein SUV wollen.

Mehr Strom: zero. Alles andere: Archiv.


Gibt es ein Gewicht auch?
Kann man den Tschi Ping Computer abstellen?
Spricht er mit meinem Kühlschrank und meinem Datensatz?
Innen speckig wie ein 1990ger was immer.
Wozu diese immer noch bescheuerten Doppelradkästen?
Das ist ein 16.900 Euro Auto.
Und kann das keiner in Europa?
warum nicht?
ein weiters “ Popscherl“ ab in die Müllpresse..
Warum soll ich meinen 0815 VW Golf, 2017 gegen das tauschen?
Weil mir langweilig ist?
Weil ich eine Masochistin bin, die Geld für dieses unnütze Ding verbrät?
Ne. Es gibt schöneres und anders, das nicht
Erika 🙂
Ps: Ihre Berichte von den alten, seltenen und speziell Eigenen sind super.
Die Berichtabteilung Neuwagen 2026 ist ein Horrorkabinet.
Und eine Verasche der Kunden.
Das Design ist recht gefällig, wenn auch aus den immer gleichen Elementen aus der derzeitigen Designer Modul-Kiste.
Zeit für eine neue Kiste!
Ja, alles sehr vernünftig.
Batterie, Leistung (viel!), Abmessungen, Design aussen.
Innen Tupperware.
In schwarz sieht er gar nicht so schlecht aus.
Aber ich werde ruhig weiterschlafen.
Vielleicht… Aber ich möchte meine Daten nicht zwingend mit China teilen.
Es ist schon erstaunlich, wie die Chings auf den Markt reagieren. Sie liefern das, was gefragt ist und nicht das, was irgeneine Marketingabteilung und abgehobene CEO`s meinen, was der Kunde kaufen muss!
Es ist nicht verwerflich, ein solches Auto zu bauen und dann vielleicht noch gut zu verkaufen, weil der Kunde damit zufrieden ist, er es sich leisten kann und es die Grundforderungen der Mobilität erfüllt.
Ja, das einzige Manko ist tatsächlich die Ausspioniererei und Bevormundung durch die Chings, aber ich bin mir nicht sicher, ob die anderen Hersteller nicht dem gleichen Wahn verfallen sind? Die nutzen ja teilweise die gleichen Komponeneten, HArd- und Software und wer kann der Versuchung schon wiederstehen. Die sind mir einfach zu verdächtig ruhig….und sammeln genauso die Daten.
Das liesse sich nur vermeiden, wenn die ersten 20 Artikel unseres Grundgesetzes, hier vor allem die Grundrechte, wieder vollumfänglich, ohne hinterhergeschobene „Präzisierungen“ gültig wären. Dann wäre jegliche Überwachung verboten und es könnten auch nicht diese übergriffigen EU-Vorschriften das so einfach fordern und Handy`s, Computer und eben Autos würden einen unbescholtenen Bürger nicht permenent überwachen.
Aber dafür kann Leapmotor nix, die Büchse der Pandora haben andere Wirrköpfe und köpfinnen ohne Not aufgemacht.
Mal sehen, was als nächstes aus dem Reich der Mitte kommt. Noch ein paar solche Autos und die europäischen Marken brauchen auf dem Massenmarkt gar nicht mehr anzutreten.
Chings? Echt jetzt, muss das sein? Ekelhaft.
Lieber Schlitzaugen? 😉
Lieber Christian,
das mit der Überwachung würde ich mal abhaken.
Sie nutzen das Internet, haben wahrscheinlich ein Auto mit Navi und ein Smartphone.
Sie sind überwacht!
Mir ist das wurscht, ob es jemanden interessiert, wo ich heute Vormittag mit meinen Hunden gelaufen bin.
Und, trotz aller Superüberwachung schafft es die organisierte Kriminalität immer wieder davon zu kommen und unentdeckt zu bleiben. Man kann sich also der Überwachung auch entziehen, wenn man will.