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pure//: Die Zitrone

Und das Buch dazu

Wenn das «Mundbuch» von Waverley Root eine Schwäche hat, dann ist das die Zitrone. Ansonsten ist das «Mundbuch» meine liebste Quelle, ein Buch, das ich – wie auch Wolfgang Siebeck – so unglaublich gerne selber geschrieben hätte. Aber eben, hier geht es ja um die Zitrone, da war Root nun eher eine «lemon». Aber es gibt nun zum Glück das Buch «Lemon» aus dem so wunderbaren Taschen-Verlag, «a collection of stories and recipes» aus dem einstigen «Gourmand»-Heften. Und danach weiss man alles, auch Dinge, die man gar nicht wissen wollte.

Oh ja, ich liebe Bücher über Essen, Essbares, Kochbücher – da liegen immer ein paar neben dem Bett, auf der Toilette. Dort habe ich Zeit und Ruhe, am liebsten lese ich dann Rezepte, stelle mir vor, wie es in der Küche riechen könnte (ich koche höchst selten nach Rezept, das ist alles nur Inspiration). In «Lemon» hat es auch ein paar Rezepte (die mich jetzt nicht sonderlich inspiriert haben), es geht aber viel mehr um die Zitronen in der Kunst (erstaunlich) und der Musik (ebenfalls erstaunlich) und der Literatur, wie das halt in den Heften des 2011 von Marina Tweed und David Lane gegründeten «The Gourmand» immer der Fall ist. Eine Erweiterung des Horizonts schadet nie.

Das spannendste Kapitel ist aber überschrieben mit «Promiscous Citrus – A Genetic History of Lemon». Tönt wissenschaftlich, ist es auch. Und so lernen wir da aus der Studie «Genomics of the Origin and Evolution of Citrus» von 2018, dass die Zitrone die wahre Schlampe unter den Pflanzen ist. Nicht bloss, dass sich der Zitronenbaum selber befruchten kann, er treibt es auch mit ganz vielen seiner Nachbarn, Orangen, Mandarinen, Grapefruits, Limetten, sogar Kumquats. Man kann gemäss dieser Studie davon ausgehen, dass die ersten Zitrusbäume (oder eher so: Papeda, klein, sauer, bitter, ziemlich ungeniessbar) vor etwa 8 Millionen Jahren irgendwo am Fuss des Himalaya standen – und sich dann in etwa zehn Hybridformen rund um die Welt verbreiteten. Zumindest dorthin, wo es warm genug ist, denn kalt mögen die Zirusfrüchte nicht so.

Also, hier machen wir nun kurz Werbung: The Gourmand’s Lemon, A Collection of Stories and Recipes, taschen.com, 40 Euro. In der gleichen Reihe gibt es auch noch «eggs» und » Mushrooms». Das «Mundbuch» von Waverley Root gibt es nur noch antiquarisch, doch das muss man einfach haben. Und hier auf «pure» geht es dann noch weiter mit Zitronen.

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