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Fahrbericht Ducati Monster

Die Leichtigkeit des Vernünftigseins

Und plötzlich war sie weg. Dabei hatte die Monster die italienische Traditionsmarke doch einst gerettet: 1992 an der Intermot in Köln vorgestellt, ging sie 1993 als M900 in Produktion – entworfen von Miguel Angel Galluzzi nach dem denkbar einfachsten Rezept: Motor aus dem Supersport-Regal, Fahrwerk von der Superbike-Reihe, kein teures Neudesign. Ducati gehörte damals zur Gagiva Gruppe der Brüder Castiglioni und steckte tief in den roten Zahlen. So brauchte es 1996 zusätzlich noch die Kapitalspritze der amerikanischen Texas Pacific Group, um den Konzern endgültig zu stabilisieren. Doch das günstige Baukasten-Bike lieferte genau das notwendige Volumen, auf dem sich ein Turnaround abstützen liess. Mit über 350’000 verkauften Einheiten wurde die Monster zum erfolgreichsten Modell der Firmengeschichte. In den 2010er-Jahren stand sie zeitweise für mehr als die Hälfte aller Ducati-Verkäufe.

Umso bemerkenswerter, dass ausgerechnet diese Stütze 2025 komplett aus dem Ducati-Programm verschwand. Dafür gab es aber gleich mehrere gute Gründe. Zum einen trat per 1. Januar 2025 die verschärfte Euro-5+-Norm in Kraft, für die Ducati den betagten Testastretta-11°-Motor (937 cm³) nicht mehr homologisieren wollte. Zum anderen wurde der radikale Design-Bruch der 2021er-Generation von den Ducatisti nie richtig goutiert: Der legendäre Gitterrohrrahmen musste einem Aluguss-Chassis weichen, auch die coole Einarmschwinge verschwand bei den Topmodellen. Gewichts- und kostenmässig brachte das zwar handfeste Vorteile, veränderte aber den Charakter des Ur-Naked-Bikes komplett – und liess die Verkäufe schmerzhaft einbrechen. Das liess der italienischen Traditionsmarke offenbar keine andere Wahl, als der Monster für ein Jahr eine Zwangspause zu verordnen. Immerhin: Im November 2025 feierte an der EICMA in Mailand die komplett neu entwickelte fünfte Generation ihre Weltpremiere.

Neu ist dabei vor allem eines: Es gibt nur noch eine Motorisierung, und die hat mit dem bisherigen Testastretta nichts mehr zu tun. Der neue 890-cm³-V2 verzichtet auf die einst so ducati-typische Desmodromik und setzt stattdessen auf klassische Ventilfedern, dafür wächst das Wartungsintervall auf bis zu 45 000 Kilometer. In klassischer Plattform-Logik ersetzt dieses Aggregat schrittweise sämtliche kleineren V2-Varianten der Modellpalette – von Panigale V2 über Streetfighter V2, Multistrada V2 und Hypermotard V2 bis zur DesertX. Das macht die neue Monster, parallel zur Scrambler-Lifestyle-Linie, zum eigentlichen Einsteiger-Modell in die sportlichere Ducati-Welt mit 111 PS bei 9000/min Leistung, 91,1 Nm bei 7250/min Drehmoment, ein Aluminium-Monocoque-Rahmen mit Zweiarmschwinge und mit 175 kg fahrfertig vier Kilogramm weniger als der Vorgänger.

Genau dieses geringere Gewicht ist es dann auch, was auf den ersten Kilometern am meisten auffällt. Gasgeben, Schalten, Bremsen, in die Kurve legen – das ist alles erstaunlich unkompliziert. Die Monster lässt sich mit einer Leichtigkeit fahren, die man einem Bike dieser Grösse nicht sofort zutraut. Sie verlangt weder viel Kraft am Lenker noch eine längere Eingewöhnung, sondern folgt den kleinsten Impulsen des Fahrers – und vielleicht auch zunehmend Fahrerinnen – sehr unmittel- und berechenbar. Das nimmt ihr aber nichts von ihrer sportlichen Ausrichtung, macht sie aber deutlich unkomplizierter als frühere Monster-Generationen. Statt permanent daran zu erinnern, dass er oder sie auf einer Ducati sitzt, macht sie es einem in erster Linie möglichst einfach.

Der neue V2 baut seine Leistung ausgewogen über das ganze Drehzahlband auf, ohne Löcher und ohne jene rabiate Leistungsentfaltung, die bei älteren Ducati-Zweizylindern bisweilen zum Erlebnis gehörte. Die 111 PS wirken dadurch nie einschüchternd, sondern jederzeit gut abrufbar. Die Monster beschleunigt druckvoll, bleibt dabei aber kontrollierbar und vermittelt auch weniger routinierten Fahrerinnen und Fahrern rasch Vertrauen. Dabei ist das Triebwerk für eine Ducati ziemlich leise geraten – Euro 5+ lässt grüssen und nimmt damit dem Charakter des V2 einen Teil seiner Italianità.

Etwas gewöhnungsbedürftig bleibt zudem die Gasannahme aus dem Stand: Es braucht etwas Nachdruck, um sauber loszulegen. Auch beim – okay, grundsätzlich ohnehin unnötigen – Zwischengas reagiert der Motor merklich träge. Diese Zurückhaltung wirkt zunächst etwas unnatürlich und passt nicht ganz zur ansonsten so direkten Bedienung. Das Cockpit dagegen überzeugt: aufgeräumt, mit grossem, gut ablesbarem Display und den erwarteten Anzeigen. State of the Art sind auch die verschiedenen Fahrmodi, wobei mich «Road» im Alltag durchwegs überzeugt hat. Es bietet jene ausgewogene Abstimmung, die gut zum Gesamtcharakter der neuen Monster passt: schnell genug für engagiertes Fahren, aber nie unnötig anstrengend oder aggressiv.

Weniger überzeugt hat mich die Sitzposition – allerdings ist das immer auch eine Frage der Körpergrösse. Mit meinen 184 Zentimetern empfand ich die bewusst tief angesetzte, einsteigerfreundliche Sitzhöhe von 815 Millimetern mit der Zeit etwas unangenehm, weil die Beine zu stark angewinkelt werden. Für kleinere und weniger geübte Fahrerinnen und Fahrer dürfte genau das ein Kaufargument sein. Für Grossgewachsene lohnt sich vermutlich ein Blick ins Zubehörprogramm, wo sich mit höherer Sitzbank oder anderen Fussrasten Abhilfe schaffen lässt.

Fazit: Schön, dass die Monster mit ihrem bewährten Erfolgskonzept – unverschaltes Nakedbike mit sportlichem Motor – wieder im Ducati-Angebot ist. Und sie erfüllt die Ansprüche an ein modernes Allrounder-Bike mit Bravour. Dass die Abkehr von einstigen Ducati-Merkmalen wie Gitterrohrrahmen und Desmodromik entscheidende Vorteile bei Gewicht, Handling und Effizienz gebracht hat, macht sie zum perfekten Einsteiger-Motorrad. Nur: Für die Ewiggestrigen wie mich war es bislang aber genau diese Portion Unvernunft, die den Reiz der Monster ausmachte – und sie deutlich von der meist günstigeren Konkurrenz abhob. Vielleicht ist die neue Monster die bessere Ducati. Ob sie aber auch die aufregendere ist, bleibt eine Frage des Standpunkts – und vielleicht auch des Alters.

Ducati Monster

Antrieb: flüssigkeitsgekühlter 90°-V2 mit variabler Ventilsteuerung

Hubraum: 890 ccm

Leistung: 111 PS (81,6 kW) / 9000 U/min

Drehmoment: 91,1 Nm bei 7250 U/min

Sitzhöhe: 815 mm

Gewicht fahrbereit: 175 kg

Preis: ab 13 490 Franken

Wir bedanken uns bei Daniel Huber für diesen Text. Mehr Motorrad hat es im Archiv.

4 Kommentare

  1. Rolf Rolf

    „Statt permanent daran zu erinnern, dass er oder sie auf einer Ducati sitzt, macht sie es einem in erster Linie möglichst einfach.“
    Ja, ein Tiguan auch.

    Sie sind nicht ewig gestrig, viel mehr als beim Auto, zählt beim Motorrad der Charakter.
    Sie schreiben ja selbst, dass das neue Design (nicht nur das optische) nicht ankam beim Kunden. Jetzt machen sie es wieder und verharmlosen die Duc auch noch weiter.

    Ja, die Monster mit dem sichtbaren Gitterrohrrahmen und luftgekühltem Motor war genial. Jetzt ist sie ziemlich beliebig.

    Und wem gehört Ducati? Ja, Audi. Muss man sich also nicht wundern.

    • Rolf Rolf

      PS: Vielleicht noch deutlicher. Die alte Duc hätte ich mir im Winter gern ins Wohnzimmer gestellt, die neue nicht mal in die geschlossene Garage.

      • Peter Ruch Peter Ruch

        sauber…

  2. Jörg Wagner Jörg Wagner

    Ich habe die neue Ducati gefahren.
    Für mich ein absolut blutleerer Motor!
    Kein Geist, kein Zorn,kein Charakter.
    Das hat alles nichts mit Monster zu tun.
    Billige Komponenten und kein Sound.
    Ein weichgespültes Mädchenmotorrad zu einem sehr ambitionierten Preis.
    Was die Motorrad Journalisten da schreiben, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Wahrscheinlich haben sie und ihre Redaktionen Angst, sie verlieren Anzeigenumsätze von Ducati.
    Für mich ist diese 890ziger kein Ersatz für die alten Monster, wie 100ie,1100s oder 1200 s/r.

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