Willkommen daheim, hat man gesagt
48’844 Euro verlangt Mercedes künftig für den Einstieg in die C-Klasse, mit – für ein Auto, das seit 1982 im Prinzip dasselbe Versprechen macht: solide Mittelklasse mit Stern auf der Haube. Über zwölf Millionen verkaufte Exemplare seither, und jetzt kommt, so nennt man das intern, «das umfassendste technische Upgrade in der Geschichte der C-Klasse». Man ahnt schon: Wenn eine Marke ihre eigene Modellpflege derart anpreist, dann kommt es üppig.

Am Blechkleid hat man tatsächlich relativ wenig gearbeitet. Aber: Der Kühlergrill ist jetzt beleuchtet, steiler gestellt, mit heissgeprägten Chromsternen, die für eine gewisse Tiefenwirkung sorgen sollen. Dazu Scheinwerfer im Doppelstern-Design, bei der Limousine auch hinten, sowie ein Lichtprojektor in den Seitenschwellern, der beim Türöffnen ein animiertes Stern-Muster auf den Boden wirft. Man kann das für verspielten Unsinn halten. Oder für kompletten Unsinn. Allerdings kann man mit der LED-Kosmetik fein darüber hinweggrätschen, dass man sich die teuren Karosseriewerkzeuge, die für eine echte Designanpassung notwendig geworden wären, sparen konnte.

Innen hat Mercedes offensichtlich doch etwas mehr investiert. Das 31,2-Zentimeter-Kombiinstrument und das hochkant montierte 30,2-Zentimeter-Media-Display «schweben» weiterhin über der Mittelkonsole, aber dahinter ist der neue MBUX Virtual Assistant deutlich intelligenter geworden. Denn er greift nicht mehr mehr nur ein System ab, sondern gleich drei KI-Modelle. Im Hintergrund künftig steht um Antwort bemüht: ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini, je nachdem, welches gerade die bessere Antwort liefert.

Unter der Haube bleibt man dem Verbrenner treu, elektrifiziert ihn aber konsequent: Alle Benziner und Diesel bekommen einen integrierten Starter-Generator der zweiten Generation, der bis zu 17 kW und 205 Nm zuschiesst, dazu ein 48-Volt-Bordnetz fürs Segeln und Rekuperieren. Der Zweiliter-Benziner M254 EVO leistet je nach Ausbaustufe zwischen 130 kW/177 PS (C 200) und 190 kW/258 PS (C 300), Letzterer mit einer Overboost-Funktion, die für rund 20 Sekunden nochmals 20 kW draufpackt – inklusive ISG dann 225 kW Systemleistung. Ein elektrischer Zusatzverdichter schliesst dabei das klassische Turboloch, was sich in der Praxis tatsächlich nach spontanerem Ansprechverhalten anfühlen dürfte. Wer Diesel will, bekommt den OM654 EVO mit 120 kW/163 PS oder 147 kW/200 PS, kompatibel mit HVO100 und Biokraftstoffen.

Der eigentliche Clou dürfte für viele der Plug-in-Hybrid C 400 e 4MATIC sein: 290 kW/395 PS Systemleistung, 650 Nm, eine 19,53-kWh-Batterie für bis zu 100 Kilometer rein elektrische Reichweite nach WLTP und Schnellladen mit bis zu 55 kW, was den Alltag deutlich entspannter macht als bei der Konkurrenz, die bei Wechselstrom stehen bleibt. Dazu eine Hinterachslenkung, die den Wendekreis optional um 43 Zentimeter auf 10,64 Meter drückt.
Die Kernfrage bei einer Modellpflege wie dieser lautet nicht, ob sie gelungen ist. Die Frage ist, ob «vertraute Stärke» als Verkaufsargument in einer Zeit reicht, in der die halbe Konkurrenz mit radikaleren Antworten auftritt.













Die C-Klasse ist ein wunderbarer Mercedes, nicht zu groß, nicht zu klein.
Er war als Halb- oder Jahreswagen sogar weit unter dem Preis eines fabrikneuen Golf zu bekommen. Ein Volks-Mercedes. Und eben ein echter Mercedes.
Waren die ersten beiden Generationen noch sehr bieder, brach der 204 damit optisch und war durchaus auch für BMW Kunden interessant. Er war der letzte noch wirkliche Mercedes. Extrem gut verarbeitet, beim Kombi mit steiler Heckklappe, straffer, dennoch komfortabler Straßenlage, nicht zu direkter Lenkung, innen noch wie vor vierzig Jahren und anfangs mit einem 3,5 Zoll Display unter einem Deckel. Alles was man brauchte, einfach zu bedienen.
Der 205 war fraglos das viel bessere Auto, aber hier klatschten die Türen schon nicht mehr so, innen gings in die Moderne, eine sehr gute Lenkung, aber immer noch Mercedes genug.
Beim 206 gibts innen Displaybrettchen und mehr Hartplastik, aber noch wenig genug Firlefanz.
Jetzt bekommen wir drei (!!!) KI´s. Und viele Lamperl. Fährt der jetzt denn besser als der 206? Und sollte man überhaupt noch damit fahren, ob der möglichen Ablenkungen?
Der bodenständigste Hersteller fällt jetzt auch auf den technischen Overkill herein.
Die vielen 204 und 205, machen im Straßenbild immer noch eine gute Figur, vielleicht sollte man lieber da zugreifen? Viele Fragen ….
Weisst du, wie viel Sternlein stehen… ? Im Kühlergrill dieses Autos sind es eindeutig zu viele. In der grafischen Branche spricht man bei diesem Verfahren von „Streudruck“ oder „Rapportdruck. Eigentlich ist dieses Design längst outer als out, aber offenbar nicht bei Mercedes – why not, eine Portion retro kann nicht schaden. „Vertraut“ mag das für die älteren Kunden sein, aber ob das die jüngeren Kunden „stark“ finden?
Ja, und die Linien der Limousine, kurzer Überhang vorne, langer hinten, das konnte BMW mit Pinky Lai schon vor Jahrzehnten beim E36 besser. Das Heck beweist dann abermals die erschreckende Ideenlosigkeit seiner Gestalter. Ausser man nimmt an, dass Kundschaft von Alfa abgeworben werden soll, so stark riecht das nach Giulia. Kein Wunder. Copy-Paste geht ja mit den modernen Tools leicht von der Hand.
Oder ist die neue C-Klasse noch eine letzte, nachwirkende Zuckung der Designsprache der sogenannten „sinnlichen Klarheit“ vom mittlerweile gegangenen/ gegangen wordenen, sorglosen Firmen- Formen-Jongleur Gorden Wagener?
Gesuchte, aber nicht gefundene Originalität statt kraftvoller, überzeugender Linien, die Bestand haben. Wenn Sie mich fragen, wann es die bei Mercedes zum letzten Mal gegeben hat, fällt mir nur Bruno Sacco ein. Was Mercedes mit der „neuen“ C-Klasse abliefert, das ist gestalterisches Fast-Food-Styling. Betrachtet man die Mercedes-Designschöpfungen der vergangenen Jahre während der Wagener-Herrschaft, so ist das eher „vertraute Schwäche“ als „vertraute Stärke“. Also immerhin konsequent.
Ich mag diese Mercedessterne ohne Kreis drum nicht. Mit diesen Deispornen wird nicht das weltbekannte Firmenlogo, sondern immer wieder ein Etwas wiederholt, das keinen Bezug zu Irgendwas hat. Ansonsten ist das Design o.k., immerhin sieht das Kühlerschild in schwarz nicht so grauslig aus, wie das silberne Ding bei anderen Modellen des Herstellers. Und in der nächsten Generation kommen dann hoffentlich auch die Fake – Lufteinlässe weg. Und zwar bei allen Autos aller Haersteller.
„Und in der nächsten Generation kommen dann hoffentlich auch die Fake – Lufteinlässe weg.“
Neiiiiiin!!!!!
Ich habe mal 2018, als ich einen S205 suchte, ein Foto eines Showrooms in einem Forum gepostet. Es waren die üblichen Verdächtigen da, in grau, silber, schwarz und ein weisser mit AMG-Optik und schwarzen Felgen.
Wirklich alle haben sofort drunter gepostet „der Weisse!!“
(Ich habe den schwarzen Exclusive genommen, mit dem Stern auf der Haube.)
Man sieht unendlich viele BMW mit M-Optik und eben obige Benze.
Die Leute lieben Rennwagenoptik, egal wie wenige PS unter der Haube sind und wie unsportlich sie selbst aussehen (aaah, jetzt war ich schon wieder böse ….).