Das Comeback der Vernunft
Es ist aktuell das wohl faszinierendste Phänomen der europäischen Automobilindustrie: der beispiellose Triumphzug von Dacia. Doch wer glaubt, der Erfolg der rumänischen Marke basiere allein auf dem niedrigen Preis, irrt gewaltig. Dacia hat etwas viel Tiefgründigeres verstanden: Die schleichende Erschöpfung der Kundschaft. Das versucht nunmehr auch Opel mit seinem Frontera.

Während die Industrie sich in einer technokratischen Hybris verliert, Elektro-Architekturen feiert und hybride Power-SUV baut, die das Budget eines Einfamilienhauses der Neunzigerjahre verschlingen, verkauft Dacia psychologische Entlastung. Diee automobile Bodenständigkeit hatte jahrzehntelang eine andere, eine deutsche Heimat – in Rüsselsheim. Opel war die Marke der bürgerlichen Mitte, Kadett und Ascona die klassenlosen Helden des Alltags. Doch irgendwo auf dem Weg zwischen Qualitätskrisen und Premium-Sehnsüchten ging dieses Narrativ verloren. Bis jetzt. Denn mit dem neuen Frontera besinnt sich Opel auf seine stärkste historische Tugend.

Zugegeben, der Rüsselsheimer ist unter dem Blech gar nicht so Made in Germany, wie man ihn zu vermarkten versucht. Auch er ist ein Kind der hochgradig rationalisierten Stellantis-Plattformökonomie. Dabei ist der Frontera ist kein Auto, das die Welt rettet. Aber er rettet das Familienbudget. In einer Epoche, in der SUV-Designs immer martialischer werden und Karosserien mit böse blickenden LED-Girlanden und falschen Lufteinlässen um Überholprestige betteln, wirkt der Frontera geradezu provokant ehrlich. Er beugt sich nicht dem aerodynamischen Diktat der weichgelutschten Tropfenform, sondern er feiert den rechten Winkel. Er ist kantig, er steht aufrecht und er wirkt in seiner unprätentiösen Art erstaunlich robust. Die Formgebung ist dabei kein retro-romantischer Selbstzweck, sondern zwingende geometrische Notwendigkeit.

Wer auf einer stadttauglichen Grundfläche von exakt 7,9 Quadratmetern maximalen Lebensraum schaffen will, muss zwingend in die Höhe bauen und die Wände steil aufragen lassen. Das Resultat ist ein Packaging, dass die etablierte Konkurrenz beinahe beschämt. Öffnet man die Türen, offenbart sich ein Innenraum, der sich weitaus luftiger anfühlt, als es die gedrungenen Außenmaße auch nur im Ansatz vermuten ließen. Man wird hier nicht von massiven Mittelkonsolen eingemauert oder von dramatisch abfallenden Dachlinien um die Kopffreiheit gebracht. Es herrscht eine befreiende Bewegungsfreiheit auf sämtlichen Plätzen. Schultern und Ellbogen finden Raum zur Entfaltung, der Blick schweift durch große Glasflächen ungehindert nach draußen.



Besonders im Fond entfaltet der Frontera dann sein wahres Talent als stoisches Alltagsauto. Wo man sich in ach so dynamisch gezeichneten Coupé-SUVs beim Anschnallen des Nachwuchses regelmäßig die Bandscheiben ruiniert und die Vordersitze in eine fahruntaugliche Position zwingen muss, offenbart der kantige Opel eine fast schon sakrale Geräumigkeit. Selbst wenn man zwei ausladende Reboarder-Kindersitze der schwersten Gewichtsklasse in die ISOFIX-Verankerungen wuchtet, kollabiert dieser Lebensraum nicht. Es bleibt dem Fahrer vorn tatsächlich noch Raum für die Beine, und den Kindern hinten die Luft zum Atmen. Der Frontera fischt in Sachen Raumökonomie schlichtweg weit über dem klassenüblichen Schnitt und deklassiert in seinem Nutzwert so manch großes Status-SUV, dessen Platzangebot allein der optischen Eitelkeit geopfert wurde.

Wenn der angenehm tiefe Kofferraum hinter der großen Klappe dann noch familienurlaubstaugliche 460 bis beachtliche 1.600 Liter schluckt, wird endgültig klar: Das hier ist die clevere Architektur eines echten Nutzraums. Dass Opel eine historische Kompetenz im Bau exzellenter Sitze besitzt, ist bekannt. Im Frontera jedoch treibt man die Fürsorge für die Anatomie der Vorderbänkler mit den neuen Intelli-Seats auf eine herrlich pragmatische Spitze. Die vorderen Sitze weisen in der Mitte der Sitzfläche eine längliche, exakt berechnete Vertiefung auf. Dieser Kanal nimmt auf langen Autobahnetappen den Druck fast vollständig vom Steißbein. Es ist ein Detail, das sich erst nach dreihundert Kilometern still und leise bemerkbar macht. Nämlich durch das völlige Ausbleiben jenes ärgerlichen Schmerzes, der einen sonst zur kurzen Pause zwingt. Es ist dieser durchdachte, unsichtbare Komfort, der im Alltag ungleich schwerer wiegt als die Einstellbarkeit von Ambientelichtfarben.

In der Basisversion Edition verzichtet Opel schlichtweg auf einen großen Touchscreen in der Mittelkonsole. Stattdessen gibt es eine smarte Halterung für das eigene Smartphone. Warum sollte man einem preisbewussten Kunden für teures Geld ein Werks-Navi aufzwingen, dessen Prozessoren ohnehin in drei Jahren veraltet sind, wenn jeder Apple CarPlay oder Google Maps in der Hosentasche trägt? Man klickt das Telefon ein, eine App verbindet sich mit dem Auto und die Lenkradtasten steuern die Musik. Kostensenkender Pragmatismus muss also nicht nur billig sein, es geht auch clever.



Ebenfalls clever will der Antrieb sein. Unter der kurzen Motorhaube des Opel Frontera-Testwagens arbeitet ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbo, der von einem 48-Volt-Mild-Hybrid-System flankiert wird. Die Elektrifizierung ist dabei mehr als ein rudimentärer Riemen-Starter-Generator vergangener Tage, der lediglich das Start-Stopp-System kaschiert hat. Der kompakte Elektromotor mit bis zu 28 PS Boost-Leistung sitzt direkt im Gehäuse des 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebes. In Summe addieren sich die 100 PS des Verbrenners und die E-Leistung zu einer homologierten Systemleistung von 110 PS (81 kW). Natürlich gewinnt man mit derlei technischen Daten weder am Stammtisch, noch beim Ampelstart. Der Frontera rollt ohne den Verbrenner zu nutzen aus der Parklücke, er gleitet flüsterleise und rein elektrisch an. Im städtischen Stop-and-Go-Verkehr übernimmt der E-Motor die für den Dreizylinder eher mühsame Arbeit des Anfahrens, was den sonst typischen Ruck eines Doppelkupplungsgetriebes beim Einkuppeln fast völlig eliminiert.



Lässt man ihn auf der Landstraße laufen, zeigt das System weitere Talente. Geht man vom Gas, entkoppelt das Getriebe, der Dreizylinder schaltet sich unmerklich ab, und der Frontera segelt. Die kinetische Energie wird nicht durch die Motorbremse vernichtet, sondern das Auto gleitet getrieben von seiner eigenen Masse dahin. Ein feiner, kaum spürbarer Ruck und der Verbrenner ist wieder da, wenn Leistung gefordert wird. Wer dieses Spiel mit der Bewegungsenergie beherrscht und vorausschauend fährt, drückt den Verbrauch dieses kantigen Gefährts mühelos in Richtung unter die 4,5-Liter-Marke. Dazu passt ein Fahrwerk, das jegliche sportliche Ambition vermissen lässt. Die Federn haben ausreichend Weg, die Dämpfer filtern Querfugen und schlechten Asphalt mit einer sanften, unaufgeregten Gelassenheit heraus. Einen Kompromiss muss man mit dem neuen Frontera allerdings eingehen, besonders wenn man den alten, auf einem Leiterrahmen ruhenden Isuzu-Klon der Neunzigerjahre vor Augen hat: Der kleine Neue ist kein Zugpferd. Die Architektur lässt maximal 1.250 Kilogramm Anhängelast zu. Das reicht üppig für den Grünschnitt-Anhänger auf dem Weg zum Wertstoffhof, doch wer den großen Pferdeanhänger durch den Matsch ziehen will, muss sich in anderen, ungleich teureren Fahrzeugklassen umsehen.

Mit einem Grundpreis von 24.190 Euro wildert der Frontera tief im Revier der osteuropäischen Konkurrenz, flankiert das Angebot jedoch mit einem engmaschigen deutschen Händlernetz und einer feineren Ergonomie. Er ist die Antithese zur automobilen Reizüberflutung. Ein ehrliches, leises und grundvernünftiges Werkzeug für den Alltag. Opel hat hier nicht das Automobil neu erfunden. Sie haben sich lediglich daran erinnert, wie man Autos für echte Menschen baut.

Wie bedanken uns für diesen Text bei Fabian Mechtel. Es kommt dann auch noch etwas zum rein elektrischen Frontera. Und mehr gute Stories haben wir im Archiv.


„…….. dessen Platzangebot allein der optischen Eitelkeit geopfert wurde.“
Wer hat´s erfunden? BMW. Mein damals nicht kleiner E39 Touring hatte offizielle 390 Liter Kofferraum. Klar konnte man hochstapeln und damit urlaubstauglich, aber auch von aussen sichtbar.
„Die vorderen Sitze weisen in der Mitte der Sitzfläche eine längliche, exakt berechnete Vertiefung auf. Dieser Kanal nimmt auf langen Autobahnetappen den Druck fast vollständig vom Steißbein. “
Vielleicht auch eine Art Dunstabzug?
Scherz beiseite, das scheint ein sehr gelungenes Angebot darzustellen.
SUV-Look … ok, Hochsitzer wollen halt viele heute haben, sei´s drum.
Die Leistung ist auch völlig ausreichend.
De facto haben wir längst in D eine Geschwindigkeitsbegrenzung, wenn auch nicht amtlich. Alles kullert zwischen 100 und 120 dahin, wenn es denn kullert.
Mit 140 ist man schon schnell.
Die Zeiten, in denen man mit 240 lauter 160 bis 180 fahrende passierte, sind definitiv vorbei. Beschleunigt wird auch nicht mehr wie wild, wie gesagt, alles kullert.
Auch der Astra Caravan, Hersteller laut Papieren ist Peugeot, wird gern und oft genommen, ich sehe viele. Ebenso scheint sich der C3 gut zu verkaufen.
Gut Stellantis!
PS: Die Integration des/der Display/s ist gelungener als bei vielen Oberklassewagen.
Hallo,
ich fahre den Wagen h5erzt ca. 8 Monate
und würde ihn nicht noch einmal kaufen. Abgesehen von 2 Rückrufen, Erneuerung des Turboladers und was das Schlimmste für miich ist der Spritverbrauch zum jetzigen Zeitpunkt . 13 bis 15 Liter/100km
ist jetzt Standard bei 2 km Fahrstrecke. Nein Mann muss zum Bus gebracht werden, weil er in einer Tagesstätte untergebracht ist .
Ich war letzte Woche in der Werkstatt und was soll ich sagen, keiner Fehlermeldung im Speicher und der überprüfte Spritverbrauch, ja etwas hoch aber kein Problem.
Für mich schon, denn dann hätte ich den alten Wagen behalten. können.
Ich bin soweit, dass ich ihn wohl Ende des Jahres verkaufen werde .
Sitze traumhaft, ganz klar. Android Auto nicht kompatibel???
Lediglich 2 km Fahrstrecke über 8 Monate lang mit einem turboaufgeladenen Direkteinspritzer? Scheint dass das Problem hinterm Steuer sitzt, denn:
– bei nur 2 km Strecke bleibt der Motor kalt und kommt überhaupt nicht aus der Anfettungsphase raus -> Verbrauch hoch;
– bei nur 2 km Strecke bleibt der Motor kalt und es kommt zur Kondensierung des Benzinnebels an den Zylinderwänden, was den Motoröl verdünnt -> Gleitlager des Turboladers geht kaputt;
– bei nur 2 km Strecke, weil der Motor kalt und immer angefettet läuft, wird sehr viel Ruß erzeugt, was wiederrum zum Turboladerschaden führen kann und verrußter Ansaugkrümmer und verkokte Einlassventile mindern die Leistung und treiben den Verbrauch in die Höhe;
– etc.
– …
Fahren Sie mal eine ordentliche Strecke, hohe Umdrehungen – machen Sie mal Temperatur (wenn es noch nicht zu spät ist)…… oder kaufen Sie ein Fahrrad.
Rückrufe sind in der Autoindustrie Standardprozedere – machen alle.
Frau Schmitz,
bei dem von Ihnen geschilderten Fahrprofil wäre ein E-Auto wohl sinnvoller. Mit Kurzstrecke, ohne dass der Motor richtig warm wird zerstören Sie jeden Verbrenner – ob alt oder jung!
Auto umtauschen wäre wohl angesagt.
Wenn wir mal annehmen, die 2 km sind einfache Strecke, dann kommt man auf einen Jahresschnitt von etwa 1500 km.
Und wenn der Wagen 40 Liter verbrauchen würde, den Wertverlust, Umtauschpreis usw. kann man nie mehr hereinfahren und sollte ein anderer Wagen nur 2 Liter verbrauchen.
Aber ich glaube eher, das war ein scherzhafter Beitrag, nach dem Motto, mal sehen was da für Reaktionen kommen …… so was kann eigentlich niemand ernst meinen.
Es rollt seit Anfang März ein Grandland B 1.2 MHEV 145 in der Familie. Die Sitze sind warhaftig genial, die Vertiefung funktioniert tatsächlich, Leistung ist bei großem Hybriden für den Alllteg genug da, Platzangebot ist fürstlich ….. Und das bei uns für 29.800 Euro.
Opel scheint das was richtig gemacht zu haben; Verkäufe sind über 10% rauf ggü. 2025, Marktanteil in Europa derzeit ggü. 2025 um 1% gestiegen.
Gut so.
Guten Tag!
Können Sie sich, wie die ganze eitrige Schwarte an Werbeinfluenza und
Marketinglabertaschen das gelabere und den eher wertlosen Text er
sparren?
DU BEKOMMST KEIN GELD VON MIR.
Ist diese Botschaft in der sterbenden und dahin faulenden Autoindustrie
schon angekommen?
– Ständig erscheinen irgend welche SUV-elektro-schwer-Kraft-wagen, die
hässlich wie die Nacht sind, sau teuer und nach 3 jahren will die net einmal der
Türke zum verschrotten.
– Elektronik wird geheischt und beworben, die nichts kann und für den Alltag
meines Fahrens nützlivh wäre, nur ist sie unfähig, extrem warungs teuer und ständig
veraltet. Aber die Deppen und Werbegespülten und etwas geistig trägen ( die nie
eine Fahrlizens hätten bekommen solen, weil unfähig) sind froh, das
“ ES für sie DENKT, LENKT und IHRE DATEN VERKAUFT!“
( “ och ick hohb doch nix zu verbergen..“) ( stimmt kein Gehirn wurde gefunden)
Und so weiter.
Und nun testen Sie diese verbogene Kleien Mülltüte und sind so erstaunt, das dieses
Ding relativ billig ist.
Und will ich es? Nein.
VERSCHROTTEN
Ich denke, was Sie persönlich haben oder lesen wollen, spielt hier keine Rolle. Außer Sie sind der Geldgeber von Herrn Ruch, was ich aber unbekannterweise nicht glaube 😉 Dass Ihnen das Auto nicht gefällt, haben sicher alle verstanden, können Sie ja auch zukünftig etwas verständlicher zusammensermonisieren.
Danke!
Das Auto dürfte schon seine Zielgruppe finden und die wird nicht einmal soo klein sein. Nach dem Bericht zu urteilen hat Opel seine „Hausaufgaben“ gemacht.
Letztlich ist es die Summe der guten Eigenschaften die ein gutes Preis/Leistungsverhältnis ergeben und dann ist das Aute ein gutes Angebot.
Interressant ist der Vergleich mit dem Bericht des BMW ix3, der kurz nach dem Opel-Bericht erschienen ist und ein, zugegeben, unfairer Preisvergleich.
Und einmal ganz ketzerisch gefragt: Reicht nicht vielleicht tatsächlich der Opel und vom gesparten Kaufpreis kann man viel Benzin und andere schöne Dinge kaufen?
Natürlich ist es toll was BMW da auf die Räder stellt, aber es kann und will sich halt nicht jeder leisten.
Opel hat hier vielleicht das derzeit Bestmögliche für den „kleinen Geldbeutel“ gebaut.