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Kia Seltos Hybrid

«Strom für die Bratwurst»

Es gibt einen speziellen Moment im Leben der westlichen Mittelschicht, in dem man am Campingplatz steht und dem Nachbarn voller Stolz erklärt, dass der Raclette-Ofen jetzt aus dem Kofferraum des eigenen Autos betrieben wird.

Der neue Seltos Hybrid bekommt ebendiese 230-Volt-Steckdose im Gepäckraum, die auch bei ausgeschaltetem Motor Strom liefert. Vehicle-to-Load nennt sich das im Fachjargon, und man muss sagen: Es ist ein hübscher Kniff, mit dem Kia dem weltweit zweitmeistverkauften Modell der Marke ein bisschen Elektro-Glanz überstreift, obwohl unter der Haube weiterhin stinknormal Benzin verbrennt.

Der Seltos Hybrid ist nämlich kein Steckdosenauto im eigentlichen Sinn, sondern ein schmaler Hybrid: vorne ein 1,6-Liter-Benziner mit 75 kW, unterstützt von einem 45-kW-Elektromotor. Wer den Allradler will, bekommt zusätzlich einen rein elektrisch angetriebenen Hinterachs-Motor mit 50 kW. Damit bringt der Seltos Kias erstes e-AWD-System überhaupt. In der Summe ergibt das je nach Antriebsart 113 kW (154 PS) oder 131 kW (178 PS), und der Verbrauch soll gegenüber vergleichbaren Benzinern um bis zu 23 Prozent sinken. Spannend: Dynamik stand im Lastenheft nicht gänzlich weit oben. 155 km/h Höchstgeschwindigkeit für den Allradler und 158 km/h für den 2WD sind dann doch eher übersichtliche Werte.

Man will sich schon hier näher an die E-Brüder angleichen, bei Design tut der Seltos sein übriges: Die kantige Linie borgt er sich bei den EV-Familienmitgliedern, legt überhaupt Wert auf einen robusten Auftritt und bietet schon in der kleinsten Ausstattung mindestens 18-Zoll grosse Felgen. Wer optisch mehr Krawall will, greift zur GT-Line, wer schwere Präsenz will, zur dunkel abgesetzten X-Line.

Beim Kofferraum überzeugt der Seltos im Vergleich zu vielen Konkurrenten mit üppigen 536 Litern, umklappbar auf bis zu 1’494 Liter.

Am Ende bleibt die Frage, ob man das alles braucht. Braucht man den Hybrid, braucht man eine elektrische Hinterachse, braucht es die Elektro-Anleihen im Design? Und die ehrliche Antwort ist: nicht zwingend, aber sie schadet auch nicht. Ein Kompakt-SUV mit vernünftigem Verbrauch, ordentlichem Platzangebot und einer Steckdose für den Notfall-Grill ist am Ende ein cleveres (Familien-)Auto zu einem sicher relativ fairen Kurs mit ein bisschen Zukunftsversprechen obendrauf, nicht mehr und nicht weniger.

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