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Lamborghini Huracan

Schärfster aller Audi

Wahrscheinlich bin ich einfach zu viele heckgetriebene Fahrzeuge gefahren, lately. Bei #radical14 gab es so einige, danach den wunderbaren 911 GTS in seiner Basisform, auch noch den Mercedes-AMG GT. Und an einem Fahrkurs mit noch so manchen Hecktrieblern war ich auch (Story kommt dann noch…). Und deshalb bin ich da die eine Kurve wohl falsch angegangen. Gut, die Strasse war auch noch nass, die Reifen sicher nicht auf der optimalen Temperatur, doch dass mir der Huracan dort derart vorne weggeht, dass ich ihn fast verloren hätte, das hat mich dann schon überrascht. Mein Fehler, eindeutig, ich geb es ja zu, ich hätte auf Zug fahren sollen, die vorderen Räder das tun lassen, was sie bei einem Allradler tun können und sollen, nämlich die Fuhre aus dem Dreck zehren (das ist hier nicht wörtlich zu verstehen). Doch manchmal denkt man halt nicht alles, oder ist zu langsam in der Reaktion, oder: egal. Danach, nach einem ziemlich heftigen Schub an Adrenalin, denn der Strassengraben war schon sehr, sehr nah, da hatte ich das dann im Griff.

Und dann auch viel Freude am Lamborghini Huracan LP610-4, wie er bei vollem Namen heisst. Er ist nämlich allgemein so eher – freundlich? Das Fahrverhalten ist auf jeden Fall ausgewogen, fast schon lieb, man muss den Teufel tun, um den Huarcan aus der Ruhe zu bringen. Feine Balance, ausser, eben, vielleicht etwas leicht auf der Vorderachse, auch die Lenkung ist etwas zu soft-ice, doch das ist ein sehr, sehr subjektives Gefühl, hat viel mit Erwartungen und auch Erfahrungen zu tun, die Lambos einst waren Böcke, Viecher, Stiere halt, auch der Gallardo war noch einer (siehe auch. Fahrbericht Gallardo Squadra Corsa). Und wohl deshalb ist das Leichte, Beschwingte, Feinstoffliche eine Überraschung. Wie schon geschrieben, die Gass‘ war nass, die Strassen da in der Umgebung von Sant’Agata sind jetzt auch nicht gerade Rennstrecken, die Temperaturen waren dazu eher unfreundlich, also war da nicht so sehr mit ein bisschen am Limit und richtig grob und überhaupt. Doch wer kann so einen Lambo schon im Grenzbereich bewegen?

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Grossartig: das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Endlich ist Lamborghini auch dort angekommen, wo es sich gehört für die Audi-Tochter; dies automatisierte Zeugs bisher war ja eher in Richtung grauslig. Doch jetzt geht es gut und flott und sauber, wunderbare Übergänge. Und das ist dann halt schon ein Erlebnis, den 5,2-Liter-V10-Sauger hochzutreiben, immer so bei 8000/min abzuholen, und weiter, weiter, weiter. Man fragt sich ein bisschen, weshalb das nicht schon lange so ist – und warum der Aventador… Andererseits: ist halt schon auch etwas technischer Aufwand, 560 Nm stemmt halt nicht grad jedes DKG, hat ja auch bei Audi ein bisserl gedauert.

Es gibt drei Fahrmodi im Huracan. Strada kannste rauchen, das ist völlig für die Katz‘ und die Füx gleich auch noch. Da tönt er nicht, der Lambo, also, im Leerlauf tönt er dann fast schon übel, öd, wie ein Audi im Parkhaus, er schaltet bei gefühlten 1500/min hoch, man bewegt sich wie Schmidtchen Schleicher. Sport muss es mindestens sein, da geht dann auch etwas an der Lärmkulisse, die dann anständig wird, nicht unangenehm, nicht proletarisch. Corsa schliesslich sollte man sich für den Track-Day aufsparen, wie ich da in jener Kurve spürte. Aber eigentlich ist Corsa bestens, die einzig richtige Stellung des Schalters am Lenkrad, da bellt der Huracan wie ein heiserer Hofhund, etwas gröber beim Runterschalten (mit Zwischengas, logisch), aber auch beim Hochschalten. Bretterhart ist er dann, bei allem, Lenkung, Getriebe,
Fahrwerk, so, wie man sich einen Lamborghini halt vorstellt.

Innen ist auch alles viel, viel besser. Es ist nicht mehr Lamborghini, denn Lamborghini war einst berühmt für seine oft sehr eigenwilligen Interpretationen, wie man denn ein Cockpit gestalten kann. Jetzt ist es modern, vor den Augen ein Tablet, das man sich in etwa 7212 Varianten selbst gestalten kann (gut: Drehzahlmesser gross, alles andere weg), alles andere hat schon fast mit Ergonomie zu tun, bisher ein Fremdwort in Sant’Agata. Und es gibt halt weiterhin diese feinen Details, den Startknopf, der sich unter einer roten Lasche befindet, den Rückwärtsgang, der so ein bisschen wie ein Bombenabwurf ist. Unser oranger Huracan hatte auch noch oranges Leder, auf solche Ideen können nur die Italiener kommen, und dafür lieben wir sie ja auch; bei einem Porsche oder Mercedes wär diese Kombi ein Graus‘, beim Lambo passts. Auch die Sitze, wunderbar, wie angegossen. Die vielleicht komfortabelsten Schraubzwingen der Welt.

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In 3,2 Sekunden will er auf 100 eilen, der LP610-4. Gut möglich, dass er es schafft. 325 km/h schnell rennen will er auch. Gut möglich, dass er das ebenfalls schafft. Solches erwartet man von einem Lambo, darf man auch. Doch man erwartet von einem Lambo halt noch anderes, und ich, subjektiv, subjektiv, bin jetzt nicht ganz sicher, ob er das wirklich erfüllen kann.

Bisher war doch so ein Lambo immer: dirty. Siehe auch: letzter Fahrbericht Gallardo. Nicht so clean wie ein Porsche, nicht so wohlerzogen und strebsam wie ein Ferrari, mehr so: die Wildsau (Schlampe soll ich nicht schreiben, sagt man mir, wobei, ich würds passender finden: wenn Lilly Allen singen darf «f*** you», dann darf ich doch…). Und das ist der Huracan nicht,: er ist jetzt mehr so der Audi unter den Supersportwagen. Nicht so poppelig wie der R8, wahrlich nicht, kein Frisören-Porsche, wirklich nicht, aber das Böse hat er nicht (mehr), weder optisch und schon gar nicht fahrtechnisch. Es ist dies verständlich, die Amerikaner mögen das nicht und die Chinesen verstehen und können das nicht, und es ist schliesslich sowie ausschliesslich der Markt, der befiehlt. Immer. Und irgendwie hab ich auch Verständnis dafür, so ein bisschen. Lieber ein nicht mehr ganz so räudiger Hund als gar keine Lambos mehr.

Ich nehm dann noch den Café, dort ein paar hundert Meter weiter von Haupteingang von Lamborghini in Sant’Agata. Ich hab den Espresso dort noch mit jedem Lambo genommen, seit mehr als 20 Jahren. Dann sitz ich so da, rauch eine Zigarette oder auch drei, schau mir den Wagen an, in aller Ruhe. Ja, der Huracan hat auch optisch nicht mehr die Ecken und Kanten eines Countach (war mein erster Lambo) oder Diablo, doch er ist bei eingehender Betrachtung nicht ein Aventador, dem man die Luft rausgelassen hat (auch ich schreib manchmal Blödsinn; sogar ich). Ja länger ich schau (dritter Café unterdessen), desto besser gefällt er mir. Ob ich mich aber deswegen damit abfinden will, dass so ein Lamborghini jetzt auch so etwas wie Normalprogramm wird?

Naja, sie werden dann ja wieder nachlegen, er kommt sicher auch offen, bald schon. Und Gallardo haben sie ja dann auch die diversesten Version aufgelegt. Sogar eine mit nur Heckantrieb…

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Mehr Lamborghini gibt es in unserem Archiv.

2s Kommentare

  1. […] noch nie hatte ich so viel Vergnügen mit einem Lamborghini. Den Huracan haben wir bei der ersten Begegnung ja noch als den «schärfsten aller Audi» bezeichnet, was man in Sant’Agata nicht so gerne […]

  2. […] R8 mit der internen Bezeichnung 4S ist ja nun quasi ein Lamborghini Huracan. Das schadet ihm nicht, der Gen-Pool ist nun deutlich sportiver als vorher – was man auch am […]

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