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VW T6 Multivan

… und eine Buchbesprechung

Del Principe meint: Entweder Knoblauch. Oder Zwiebeln. Aber nie beides zusammen. Darüber denke ich wieder einmal nach, als in Apulien im Ferienhaus eines Nachmittags in der Küche des Ferienhauses stehe und mein ganz klassisches Ragu‘ vorbereite. Ich habe ja viel Zeit zum Nachdenken, es muss ja mindestens drei Stunden köcheln, mein Nachtessen. Nein, ich kann es mir irgendwie gar nicht vorstellen, auf Zwiebeln oder Knoblauch zu verzichten, das gehört doch einfach dazu, beides zusammen. Einverstanden, ich mach mein Ragu‘ sowieso nicht ganz klassisch, beim Anschwitzen darf bei mir jeweils auch noch eine scharfe Chili mittun, das gibt dem Ganzen mehr Tiefe, Umami, find ich. Aber sonst bin ich mit Claudio Del Principe, dem besten Schweizer Food-Blogger (anonymeköche.net), absolut einig. Ganz besonders mit seinem jüngsten Buch: «Ein Sommer wie damals» (erschienen bei Brandstätter). Und wenn Sie sich jetzt fragen, was das mit dem VW T6 Multivan zu hat, dann lesen Sie doch einfach: weiter.

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Das schön gemachte Werk «Ein Sommer wie damals», eine Reise durch italienische Erinnerungen, durfte mit in die Ferien. Das Buch reiste im Volkswagen T6 Multivan während drei Wochen aus der Schweiz über Bologna nach Apulien, zwei Wochen später von dort auch wieder zurück über Rom und Modena in die Schweiz. Es lag in der Küche, wenn ich am Herd stand, es lag auf dem Nachttisch, wenn ich abends noch Inspiration suchte für ein Menu für den nächsten Tag, es kam auch manchmal mit an den Strand, denn es ist weit mehr als einfach noch ein Kochbuch. Es ist auch noch gute Lektüre, denn Del Principe schreibt hervorragend – beschreibt hervorragend die Italianità, die sich wahrscheinlich nirgends besser ausdrückt als in der Küche. Dass er auch noch richtig gut photographiert, der Basler, das wussten wir schon vorher; in dieser Geschichte können es auch unsere Leser sehen.

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So ein T6 ist selbstverständlich das perfekte Ferienauto. Gut, wir hätten ihn jetzt nicht dringend in seiner stärksten (und wohl auch teuersten) Version (204 PS), mit DSG und mit Allradantrieb gebraucht, aber es gab ihn halt nur genau so. Und ja, man schätzt es dann halt schon, am Berg, auf der italienischen Autobahn, wenn da genügend Power zur Verfügung steht. Wichtigstes Extra war aber weder der fette 2-Liter-Diesel, das herausragende Getriebe noch 4Motion, sondern: die Klimaanlage. Es waren dann doch 38 Grad in Apulien, kein Windchen (im Auto ja eh nicht…), da ist man den Wagen sehr verbunden, wenn er so bald wie mögliche kühle Luft erarbeitet. Gut, für den Verbrauch ist das dann Gift: im {italiensichen) Schnitt lagen wir bei ziemlich genau 12 Litern. Überragend ist das jetzt nicht, doch der T6 hatte auch viel zu schleppen, Feriengepäck von zwei Familien. Und auch noch ein paar andere Kochbücher als «Ein Sommer wie damals», die beiden Locatelli (die mag ich) – und einiges unnützes Zeugs. Es ist schon erstaunlich, wie unglaublich schlechte Kochbücher es gibt; ich habe sie dann gleich im Ferienhaus zurückgelassen. Nicht, um Gewicht oder Platz zu sparen.

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Unser T6 war ein Sondermodell «Liberty» als Siebenplätzer. Das ist prinzipiell eine sehr gute Konfiguration, die beiden in der Mitte angebrachten Einzelsitze lassen sich drehen und dann auch wieder wenden, die hinterste Sitzbank lässt sich um wohl fast einen Meter verschieben. Und so hat man dann die Wahl zwischen viel Kofferraum – oder viel Beinfreiheit. Und eigentlich noch von allem zwischendrin, denn Raum ist wirklich reichlich in diesem Wagen. Vielleicht fast zu viel, denn trotz gut gefülltem Kofferraum tanzte die Jungmannschaft gerne zwischen den Stühlen. Gut: eben diese Junioren klagten auf der ganzen Reise nie. Bloss für die Jüngste waren die Sitzgurten hinten trotz Sitzerhöhungen etwas gar hoch angebracht.

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Sie kriegte dann dafür aus «Ein Sommer wie damals» gleich das allererste Rezept serviert: ein Thunfisch-Tatar. Es ist ja prinzipiell bestens, wenn man gleich schon beim ersten Rezept eines Kochbuches Lust auf Nachahmung kriegt. Und eigentlich ist es ja auch etwas ziemlich Einfaches. Aber dann: Colutura di Alici. Was zum Teufel ist das? Weiterblättern auf Seite 131, da wird es erklärt, es ist eine Art eingedickte Fisch-Sauce, wie man sie auch aus Asien kennt. Kriegt man nur im Fachgeschäft. Also sucht man ein Fachgeschäft, wird in unserem Fall in Gallipoli fündig – und ja, hat sich gelohnt, unbedingt. Muss man sich merken, Colutura di Alici. Und auch das ist wunderbar am Buch von Del Principe: die kleinen Geschichten, die er zwischendurch erzählt. So müssen Kochbücher sein, nicht bloss das dumpfe Herunterbeten von Zutaten und Zubereitungsformen, sondern zusätzliche Stories zu Produkten, Stimmungen, Erlebnissen. Den frischen Thunfisch fanden wir in hervorragender Qualität im kleinen Dörfchen Torre Colimena, wo es neben einem hübschen Fischmarkt auch zwei gute Fischhändler gibt. Solche Adressen des Vertrauens braucht man in solchen Ferien, wenn man fleissig in der Küche stehen will.

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Den T6 zu parkieren ist allerdings kein einfaches Unterfangen, für italienische Verhältnisse ist er schon etwas gar gross. Gut, er piepst wie wild, aber das nützt einem nicht viel, denn würde man sich allein auf das Piepsen verlassen, könnte man den VW in Italien nirgends abstellen. Und was wir auch merkten beim Ausflug nach Gallipoli: das Navi ist vollkommen veraltet. Irgendwie peinlich für ein ganz neues Automobil. Wir hatten dann noch mehr Ärger mit dem Ding, trotz dynamischer Führung leitete uns das Gerät mit Vorliebe in die übelsten Staus, zeigte sieben Kilometer am Gotthard nicht an, wollte dann auch manuell keinen vernünftigen Ausweg angeben. Das können andere Navis aber nun wirklich deutlich besser.

Anderes Thema: die Tintenfische. Ein ewiges Thema bei mir, ich liebe die Dinger. In «Ein Sommer wie damals» gibt es zwei Rezepte, das eine, mit Salsiccia gefüllte Tintenfische, passte mir irgendwie nicht ins Konzept, doch das andere, die Tintenfische mit Kartoffeln und Erbsen, war genau nach meinem Geschmack. Nun ist ja aber die Zubereitung von Tintenfischen (und all ihren essbaren Brüderchen und Schwesterchen) so ein Thema, eines, das auch Locatelli irgendwie nicht sauber abhandelt. Ich mache es immer so, zumindest, wenn das Meeresgetier frisch ist: vier Esslöffel Olivenöl, vier Knoblauchzehen und zwei Chilis in eine hohe Pfanne geben, den gesäuberten Tintenfisch reinsetzen, Deckel drauf – und die ganze Chose mindestens eine Stunde schön simmern lassen. Der Tintenfisch hat selber so viel Flüssigkeit, dass es mehr nicht braucht – und das Resultat war bisland immer bestens. Auch Del Principe hat ein schönes Rezept, das ganz ähnlich funktioniert, einen Oktopus-Salat.

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Del Principe empfiehlt nun aber auch noch eine Methode, die ich so bisher noch nicht kannte: Olivenöl erhitzen, Knoblauch und Peperoncini dann bei schwacher Hitze fünf Minuten in dieser Pfanne aromatisieren, Calamari 10 Minuten bei mittlerer Hitze anschwitzen. Dann Tomaten dazu geben, nochmals fünf Minuten. Dann Kartoffeln und so viel Wasser, dass alles bedeckt ist, dazu geben, nochmals 15 Minuten bei mittlerer Hitze kochen. Und am Schluss noch die Erbsen, weitere 15 Minuten garen. Das Resultat war: ausgezeichnet. Haben wir also wieder etwas gelernt.

Nach zwei Wochen in Apulien am Strand ging es dann wieder zurück. Zuerst nach Rom (wieder dieses Parkplatz-Problem). Und auch durfte Del Principe mitkommen, denn er beschreibt in seinem Buch wunderschön das italienische Lebensgefühl, die piazza, abends, dolce vita, wie man so sitzt und schaut. Er erzählt von der besten pasta, davon, warum man guanciale verwenden soll etwa für die Spaghetti Carbonara. Ich hab ihn dann gesucht, diese gesalzene und luftgetrocknete Schweinebacke, etwas später in Modena auch gefunden, mit nach Hause gebracht; die Carbonara nach Rezept von Del Principe – ohne Rahm! – schmeckte dann auch dort bestens.

Wir könnten ja noch ewig über «Ein Sommer wie damals» schreiben. Wir wollen es hier einfach zum Kauf empfehlen. Ist es unbedingt wert.

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Und auch am T6 wissen wir jetzt nicht viel zu bemängeln, ausser, wie erwähnt, das Navi. Und einverstanden, der Preis für so einen T6 Multivan Highline Liberty mit dem starken Diesel, DSG und Alrad ist schon ziemlich happig, ab 74’130 Franken ist man dabei (derzeit gibt es aber so einige Rabatte). Andererseits sind diese T6 ja eine langfristige Investition, damit fährt man mehr als nur einmal in die Ferien. Auf unseren gut 5000 Kilometern auf den definitiv nicht immer guten italienischen Strassen konnten wir keinerlei Verarbeitungsmängel erkennen, das Ding wirkt ausserordentlich solid. Vielleicht ist das Fahrwerk eine Spur zu wenig komfortabel, aber das schreiben wir wohl vor allem deshalb, weil wir sonst selten in Nutzfahrzeugen unterwegs sind. Doch so ein Nutzfahrzeug ist halt wunderbar praktisch: hat man einmal einen T6 bewegt, dann will man ihn eigentlich gar nicht mehr hergeben. Grad mit dem 204-Pferder ist man auch edel ausgerüstet, da macht man die kleinen Fiat und holländischen Wohnwagen-Gespann-Schleicher problemlos darnieder. Dann ist man auch schneller wieder am Herd…

Mehr Volkswagen haben wir in unserem Archiv.

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