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Fahrbericht VW T-Roc

Hingegen.

Zum im vergangenen Jahr auf den Markt gekommenen Audi Q2 hatten wir nicht viel geschrieben (ausser: hier). Doch das holen wir jetzt hier quasi nach, denn wir konnten seinen geistigen und technischen Zwilling fahren, den T-Roc von VW, und die Ähnlichkeiten sind derart gross, dass, ach.

Es ist anscheinend so: der arg gebeutelte Volkswagen-Konzern verfügt anscheinend nicht mehr über die Ressourcen, die einzelnen Modelle wenigstens noch mit einem Mindestmass an Unterscheidbarkeit auszustatten. Klar, wir wissen, MQB ist MQB, aber das sieht man unterdessen nicht nur an T-Roc bzw. Q2, fast noch frappanter ist es beim neuen Seat Ibiza (Fahrbericht hier) und beim neuen VW Polo (Fahrbericht folgt). Und eigentlich auch beim Arona (Fahrbericht folgt) und beim Karoq (Fahrbericht folgt), wobei: die Tschechen sind immerhin noch ein klein wenig eigenständig. Doch wir sind ja jetzt hier nicht bei der Konzern-Politik, sondern beim VW T-Roc – und der muss immerhin nicht wie der Q2 mit den alten Heckleuchten des Polo auskommen, sie stammen nicht einmal aus den Tiefen der Hochregallager, sondern haben eine ganz neue Ersatztteilnummer erhalten.

Überhaupt: Während der Audi Q2 aussieht wie ein Schnellschuss der Designabteilung, macht der T-Roc den Eindruck, dass ihm noch ein paar Tage Feinarbeit angediehen lassen wurden. Das sieht eigentlich sogar sehr anständig aus, zumindest mit den feisten 18-Zöllern und auch sonst der feinsten Ausstattung, welche die Preisliste hergibt. (Leider können wir hier noch nicht mitteilen, was der T-Roc denn kosten wird, die Preis für die Schweiz sind noch nicht bekannt; in Deutschland gibt es die Einstiegsversion ab 20’390 Euro, für den von uns gefahren Top-Benziner mit 190 PS, Allradantrieb und DSG müssen mindestens 30’800 Euro ausgelegt werden.)

Volkswagen bezeichnet den T-Roc als kompaktes SUV. Mit seinen 4,23 Metern Länge bleibt er tatsächlich minim unter den Golf (4,26 Meter) – und satte 20 Zentimeter unter dem viel seriöser wirkenden Tiguan. Innen bietet er – gefühlt, nicht vermessen – ähnliche Platzverhältnisse wie der Golf, selbstverständlich sitzt man höher (das ist ja der Scherz bei diesen SUV), die Übersicht ist folglich gut (ausser nach rechts hinten, dort stört eine sehr breite C-Säule). Die 445 Liter Kofferraumvolumen sind stattlich und gut zu nutzen, da macht der T-Roc einen praktischen Eindruck. Nicht ganz so edel erscheint uns allerdings das Innenleben: Zwar gibt es da jetzt reichlich Farbe (bei unserem Probanden: grau), aber die stammt von Plastikteilen, die auch sehr nach Plastik tönen, wenn man draufklopft. (Der wahre Farbfleck ist der Motorhauben-Halter, findet sich in den Bildern.) Auf Wunsch gibt es ansonsten natürlich alles, was alle anderen VW auch haben (MQB sei Dank), so etwa das tatsächlich erstrebenswerte virtuelle Cockpit, doch das geht dann halt ganz schön ins Geld beim Kreuzchenmachen. Wir schreiben es immer wieder, und es gilt auch für den T-Roc: das Bediensystem aus dem Golf 7.2. ist eines der besten auf dem Markt, völlig logisch, alles klar. Gut aufgeräumt sieht das auch aus, andere Hersteller mögen mit weniger Knöpfchen und Schaltern auskommen und einen grösseren Bildschirm anbieten, doch VW bedient ja eine eher konservative Kundschaft, da passt das schon. Apropos passen: Ja, die Verarbeitungsqualität macht einen guten ersten Eindruck. Aber das haben sie ja sowieso gut im Griff in Wolfsburg; wobei, der T-Roc wird in Portugal gebaut, in jener Fabrik, in der einst die Göttin der Morgenröte produziert wurde.

Wir fuhren wie erwähnt das derzeit stärkste Modell mit dem 190 PS starken 2-Liter-Turbo, der sein maximales Drehmoment von 320 Nm schon ab 1500/min über ein 7-Gang-DSG auf alle vier Räder bringt. Dass VW nun einen Benziner als flotteste Motorisierung propagiert, hat selbstverständlich interne Gründe, aber dieser TSI ist ja eine feine Maschine, souverän, gute Durchzugskraft, schön ruhig. Die doch 1,5 Tonnen des T-Roc werden flott bewegt, in nur 7,2 Sekunden sollen sie schon 100 km/h schnell sein und dann maximal auf 216 km/h kommen. Die gesetzlichen Vorgaben zum Flottenverbrauch lassen sich mit diesem Antrieb allerdings nicht schaffen, die 6,8 Liter Verbrauch nach Werk sind halt schon ziemlich massiv über jenen der unterdessen so geschmähten Selbstzünder. Mal schauen, was da noch wird, wir glauben an die Zukunft des Diesel, dies auch deshalb, weil so eine Maschine einfach auch besser zum Charakter eines SUV passt. Denn Rekordrunden auf der Norschleife muss so ein T-Roc ja nicht schaffen (das hat der Alfa Stelvio kürzlich übernommen, siehe: hier).

Es ist zwar schon ein Jahr her, dass wir den Audi Q2 gefahren sind, doch wir glauben uns zu erinnern, dass er bockiger war. Härter, wie die Audi halt so sind. Der Volkswagen dagegen ist angenehm komfortabel abgestimmt, wie quasi alle deutschen Produkte immer noch eine Stufe härter als die Konkurrenten, weiterhin nicht gerade überragend bei Querfugen, doch auf den Strassen, auf denen wir dem T-Roc fahren durften, machte das alles einen guten Eindruck. Dies auch deshalb, weil das SUV auch einer flotteren Kurvenfahrt nicht abgeneigt ist, sich kaum neigt und noch noch weniger wankt. Da sind auch diese hochbeinigen Gefährte unterdessen ganz nah an den klassischen Personenwagen, was ja auch logisch ist, denn MQB ist auch mit mehr Bodenfreiheit noch MQB.

Der T-Roc ist also in der Summe seiner Eigenschaften ein interessantes Angebot (wobei, es kommt halt schon sehr auf den Preis an, nur so lässt er sich mit der Konkurrenz vergleichen – die Zeiten, als die Kundschaft in der Schweiz quasi jeden VW blind kaufte, sind aus eigenem Verschulden vorbei (Verkäufe bis Ende August im Vergleich zum Vorjahr: minus 9,4 Prozent)). Doch wir fragen uns schon auch, wer all diese SUV kaufen soll, es macht den Eindruck, als ob die Industrie nur noch diesem einen Trend folgen könne, die Flut an neuen Modellen ist fast schon abschreckend. Und wenn ja alle nach Abenteuer aussehen, dann kann das Abenteuer ja gar keines mehr sein. Doch das ist ja nicht nur beim T-Roc das Problem.

Mehr Volkswagen haben wir in unserem Archiv.

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