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Abarth 2200/2400 Coupé

Zu teuer

Ein Problem ist ja, dass es kein Archiv gibt, die Unterlagen, wann Abarth wie viele Autos baute (und: warum), gingen irgendwann verloren. Es lässt sich heute zwar vieles rekonstruieren, die Fiat-Tochter gibt sich über Abarth Classiche alle Mühe, Licht in noch so manches Dunkel zu bringen; auch die verschiedenen Clubs und Sammler weltweit sind erpicht auf Klärung. Und doch weiss man nicht so genau, wie viele Coupé (und Spider) als Abarth-Derivate der Fiat 2100/2300 entstanden sind. Und irgendwie ist sogar unklar, wie es nun genau ablief beim Design, was Allemano tat (kennen wir vor allem von den Maserati 5000 GT – und für die hervorragende Verarbeitungsqualität) und was Ellena (berühmt vor allem durch seine Ferrari 250 GT) beitrug – und wieso Carlo Abarth überhaupt auf die Idee kam, sich mit den «grossen Fiat» zu beschäftigen.

Anfang 1959 hatte Fiat den 2100 vorgestellt, den es als Limousine und als Kombi, bezeichnet als Familiare, zu kaufen gab. Als Antrieb diente ein 2,1-Liter-Reihensechszylinder mit nicht ganz so groben 82 PS, der seine Kraft über ein 4-Gang-Getriebe an dieHinterräder abgab. Dieses sehr biedere Gerät diente als Basis für den Abarth 2200, für den Abarth bei Allemano ein Coupé in Auftrag gab. 28 Stück sollen entstanden sein – und die Überarbeitung des Motors, Alu-Zylinderkopf mit optimierten Brennräumen, eine geänderte Nockenwelle und vor allem drei statt zwei Weber-Vergaser brachten die Leistung auf beachtliche 135 PS. Was dann locker für 200 km/h Höchstgeschwindigkeit reichte.

Im Herbst 1961 reichte Fiat denn den 2300 nach, der Hubraum des Reihensechsers wurde auf 2279 cm3 erhoben, die Leistung auf 105 PS gesteigert. Es gab wieder Berlina und Familiare, aber dazu auch noch ein von Ghia, also Michelotti gezeichnetes Coupé, das dann 136 PS spazierenfahren durfte. Abarth reagierte mit dem 2400, der dann 142 PS hatte. Aber halt dank der Alu-Karosse von Allemano nur 1075 Kilo auf die Waage brachte, während der Stahl-Ghia 1,3 Tonnen bewegen musste. Vom Abarth 2400 gibt es gar keine Produktionszahlen, man weiss mit Sicherheit, dass Carlo Abarth selber einen fuhr. Das Problem war: das Ghia-Coupé war mit einem Preis von 2’600’000 Lire schon ziemlich heftig eingepreist, die Abarth-Version kostete aber stolze 3’313’000 Lire. Und war damit teurer als ein Jaguar E-Type. Was zur Folge gehabt haben könnte, dass die Nachfrage eher mässig ausfiel.

Es ist dies Teil unserer grossen Abarth-Geschichte – sehenswert, wagen wir zu behaupten. Unten zeigen wir noch ein Einzelstück, das 1961 für den englischen Abarth-Importeur Tony Crook entstand. Es wird Anfang September 2018 von RM Sotheby’s in London versteigert, Schätzpreis: 105’000 bis 120’000 Pfund.

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