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Kawasaki Z900 RS

Neues in altem Glanz

Bis spät in die Siebzigerjahre war für Motorrad-Enthusiasten der Anblick oder noch besser das Losbrausen einer «Kawa Z1» ein rundum begeisterndes Erlebnis. Die 79 PS aus dem 900cm-Vierzylinder waren lange das Mass aller käuflichen Dinge auf zwei Rädern. Schliesslich führten sie zu einer Höchstgeschwindigkeit deutlich jenseits der 200 km/h-Schallgrenze. Sich an diese auf den nahegelegenen deutschen Autobahnen nicht nur ohne Helm, sondern für heutige Begriffe eigentlich auch ohne Bremsen (vorne eine ungelochte Scheibe mit Einkolbensattel!) heranzutasten, war für die stolzen Besitzer das Grösste.

45 Jahre später ist die Höchstgeschwindigkeit der neuen Kawasaki Z900 RS zwar sicher noch weiter nach oben gerückt, aber das reisst niemanden mehr vom Sattel. Entscheidendes Verkaufsargument der Neuauflage ist vielmehr das schmucke Klassikdesign. So wurde die Leistung des Vierzylinders, der von der 2017 lancierten Z9 stammt, sogar noch zugunsten von mehr Fülle im mittleren Tourenbereich von 125 auf 111 PS zurückgenommen, was aber immer noch sehr sportlich ist. Auf diesem Bike will nicht mehr wie einst irgendwelchen Rekorden nachgejagt, sondern vor allem der Look der guten alten Zeiten spazieren gefahren werden. Die augenfälligsten Reminiszenzen an die Z1 sind sicher der klassische Rundscheinwerfer, der tropfenförmige 17-Liter-Tank in Zweifarbenlackierung, die kunstvoll gesteppte Sitzbank, der Entenschnabel-Heckbürzel und das schmucke Z900 RS Logo auf den schwarzen Seitenverkleidungen. Beim genaueren Hinschauen kommen dann noch so liebevoll gestaltete Details wie die analogen Rundinstrumente mit Chromringen dazu, bei denen Schriftbild und selbst der Winkel der Tachonadel im Ruhezustand exakt dem historischen Vorbild entsprechen. Auch endet der Tacho wie einst bei 240 km/h. In der Mitte der beiden Zähler hat dann die Neuzeit doch noch in Form eines dezent integrierten LC-Displays mit den heute üblichen Zusatzinfos Einzug gehalten.

Überhaupt ging Design bei der Z900 RS nicht um jeden Preis über Funktion. So ist der Motor trotz angedeuteten Kühlrippen natürlich wassergekühlt. Auch wurde mit Blick auf das Gewicht ein schlichtes 4-in-1-Auspuffsystem gewählt, statt eines zwar schönen, aber deutlich schwereren 4-in-4-Systems. Und für ein besseres Handling gibt es hinten statt klassischen Stereofederbeinen ein verstellbares Mono. Und klar wären Speichenräder stilechter, aber die gewählten Gussräder sind bei einer Strassenmaschine bezüglich Gewicht, Handling und nicht zuletzt Pflege einfach im Vorteil. Kurzum, die neue Z900 RS will keine Reinkarnation der Z1 von einst sein, sondern vielmehr eine Hommage an sie, die mit moderner Technik in schmuckem Gewand ein Höchstmass an Fahrspass und Sicherheit liefert. Einmal in Fahrt, erinnert denn auch höchstens noch der powervolle Antritt an das wacklige Vorbild von einst. Souverän hält die moderne Z900 RS in allen Schräglagen die Spur. Leichtfüssig und mit angenehm weicher Kupplung klacken die Gänge hoch und runter. Und vor allem packt das gut dosierbare ABS-Bremssystem bei Bedarf beruhigend kräftig zu. So macht alter Glanz enorm viel Spass.

Kawasaki Z900 RS
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihenvierzylinder-Motor
Hubraum: 948 ccm
Leistung: 82 kW / 111 PS
Drehmoment: 98,5 Nm / 6500 U/min
Sitzhöhe: 835 mm
Gewicht fahrfertig: 215 kg
Testverbrauch: 5,4 l/100 km/h
Preis: ab Fr. 12 990.-

Wir bedanken uns bei Daniel Huber für diesen Text. Mehr Motorräder haben wir in unserem Archiv.

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