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Ein Stück Seife

Von Abwesenden und Trittbrettfahrern

Es begab sich am Sonntagabend vor der 89. Mondial in Paris. Präsident Macron rief kurzfristig zum Dinner, Stellantis-Boss Carlos Tavarez und Renault-Chef Luca de Meo eilten. Es sei ein gutes Gespräch gewesen, sagte Tavarez am Tag danach, offen, ehrlich, direkt. Und wenn man Tavarez ein bisschen kennt, dann kann man sich genau das gut vorstellen, der Mann hätte als Diplomat keinerlei Karriere-Möglichkeiten.

Zeitgleich an diesem Sonntagabend feierte Mercedes-Benz im Rodin-Museum zu Paris die Weltpremiere des neuen EQE SUV (Bild oben). Es waren dazu einige dem Stern geneigte Gäste geladen, die ja dann am Montag sowieso auf der nach vier Jahren wieder einmal stattfindenden Auto-Messe zuwege waren. Im Gegensatz zu eben diesen Hofberichterstattern blieb die Stuttgarter Marke der Mondial allerdings fern. Man nutzte den Salon einzig und allein als billigen Bügelhalter für seine eigenen Interessen. Und das ist, höflich ausgedrückt, unter jeder schwäbischen Sau.

Nein, das Gelbe vom Ei war die Neuauflage der Mondial nicht. Einzig Renault bemühte sich um einen ehrenvollen Auftritt, die Stellantis-Gruppe schickte auf schmalen Ständen nur die einheimischen Marken plus Jeep mit einer Weltpremiere ins Rennen. Deutsche Hersteller? Fehlanzeige. Japanische Hersteller? Fehlanzeige. Koreanische Hersteller? Fehlanzeige. Chinesische Hersteller? Und ob, diverse.

Dass sich Tavarez, wie er selber stolz erzählte, am Abend vorher bei Macron dafür eingesetzt hatte, dass die europäische und die chinesische Auto-Industrie mit gleich langen Spiessen kämpfen könnten, dass also die Chinesen nicht weiter ungehinderten Zugang zum EU-Markt haben dürfen, wenn Stellantis & Co. das nicht auch im Reich der Mitte erlaubt sei, wirkt da wie ein Hohn. Vielleicht würde sich der Stellantis-Chef mit seiner direkten Art besser mal Daimler-Führer Källenius an seine schmale Brust nehmen. Denn die Chinesen waren wenigstens vor Ort, sparten sich nicht die Standmiete bei einer Messe, die heftig um ihr Überleben kämpft. Zeigten Präsenz – für das Automobil, nicht bloss für den eigenen Geldbeutel.

Es ist anzunehmen, dass Mercedes dann an der #gims in Katar, die irgendwann im nächsten Jahr stattfinden soll (ja, wir wissen genau, wann, aber wir boykottieren diese gequirlte Scheisse), wieder einen siebenstöckigen Stand buchen wird. Stellantis wahrscheinlich auch, etwas kleiner, aber zumindest für seine Premium-Marken, die in Paris alle fehlten. Nächtigen werden die hohen Herren und ihre Entourage in Hotels, zu denen die horrenden Preise von Genf wie Schnäppchen wirken. Bloss die Rechnungen an der Bar werden geringer ausfallen, weil der berühmte «one for the road» ja aus menschenrechtlichen Gründen nicht stattfinden kann. Oder haben wir da wieder etwas verwechselt?

Ja, wir haben auch gutes Design in unserem Archiv.

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