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Vector Motors

Der Wahnsinn

(radical war da mal, bei Jerry Wiegert, in den 90er Jahren. Es war lange vorbereitet, damals gab es noch keine Mails, sondern nur Telefon und Post, und als ich dann auf der Matte stand, war weder er noch das für eine kurze Testfahrt versprochene Fahrzeug da. Fahren konnte ich dann doch noch, zwei Mal um den Block, aber ich hab das natürlich verfolgt, über die Jahrzehnte. Irgendwo sollte auch der Artikel sein, den ich damals schrieb.)

Die Idee, das Konzept war gar nicht so schlecht. Aber die Ausführung war dann ein Problem, sie scheiterte an der Technik, am Egoismus, am Wahnsinn, am Geld – es lief eigentlich nichts so, wie es hätte laufen sollen. Die Geschichte der Vector Motors Corporation (und all ihrer Nachfolger) ist auch die Geschichte des Jerry Wiegert, der einst bei General Motors als technischer Zeichner gearbeitet hatte – und dann ab Anfang der 70er Jahre antrat, um einen rein amerikanischen Supersportwagen auf die Räder zu stellen, das schnellste und stärkste Automobil seiner Zeit. (Das rote Fahrzeug auf den folgenden Bildern ist ein W8 Twin Turbo, von dem anscheinend 19 Stück gebaut wurden, dies ist #003.)

Vector Motors wurde 1978 gegründet. Und das erste Fahrzeug, der W2, war ein spannendes Fahrzeug, ein Gitterrohrrahmen aus Chrommolybdän-Stahl, der mit Alu-Planken verstärkt wurde; das gesamte Chassis wog 160 Kilo. Die darauf aufgebaute Karosse aus Kohlestoffverbund- und Aramid-Fasern kam auch nur auf 45 Kilo. Als Antrieb diente ein Chevrolet-Small-Block mit 5,7 Liter Hubraum, der mit Renn-Komponenten und vor allem von einem Garrett-Doppelturbo etwas aufgepeppt wurde. Wiegert sprach von bis zu 1500 PS, doch es waren wohl eher 600, oder: weniger. Als Höchstgeschwindigkeit wurden 389 km/h angegeben, was dem W2 einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde einbrachte – obwohl der Vector definitiv nie auch nur in die Nähe dieser Angabe kam. Das erste Auto wurde 1978 gebaut, kam auch tatsächlich auf die Strasse, wurde aber bei einem Unfall komplett zerlegt. Wiegert liess ein zweites Exemplar herstellen – und man darf dieses Stück als den vielleicht erfolgreichsten Concept-Car der Welt bezeichnen, es wurde über 100’000 Meilen weit bewegt, immer wieder umlackiert, mit verschiedenen Spoilern immer wieder als neues Fahrzeug ausgegeben.

Es sollte aber bis 1990 dauern, bis das unterdessen auf Vector Aeromotive Corporation umgetaufte Unternehmen endlich ein erstes wirklich strassentaugliches Fahrzeug präsentieren konnte, den Vector W8 Twin Turbo. Es wurden wahrscheinlich 19 Exemplare gebaut – die sich im Design und auch der Technik nicht wirklich vom W2 unterschieden. Der Hubraum wurde bei späteren Exemplare auf 6 Liter angehoben, die Leistungsangabe wurde auf vernünftigere 634 PS gesenkt, auch die Höchstgeschwindigkeit auf 322 km/h eingebremst. 1990 verlangte Wiegert 198’000 Dollar für den W8, 1992 dann schon 489’900 Dollar. Diese W8 hatten einige prominente Besitzer, etwa André Agassi; erstaunlich ist, dass anscheinend alle die Vector immer noch fahrbereit sind, also, mehr oder weniger.

Wir haben noch einen, Chassis-Nummer 009. Kommt bei RM Sotheby’s in Monterey 2024 unter den Hammer, Schätzpreis 800’000 bis 1’000’000 Dollar.

Dann wurde es aber wild. Noch 1992 liess Wiegert den WX-3 entwickeln, optisch weiterhin klar ein Vector, doch ausgerüstet mit einem 1200 PS starken 7-Liter-Doppelturbo. Das Fahrzeug wurde erstmals in New York gezeigt, konnte aber zu einem Preis von 765’000 Dollar nicht verkauft werden.

Mehr Bilder dazu, denn er wird von RM Sotheby’s in Monterey 2024 versteigert, Schätzpreis 1,3 bis 1,5 Millionen Dollar.

Im Frühling 1993 gab es auch noch eine offene Variante von diesem WX-3, die auf dem Genfer Salon vorgestellt wurde. Auch dieses Fahrzeug wurde nicht verkauft – und verblieb im Privatbesitz von Jerry Wiegert (und kam zusammen mit dem Coupé im Januar 2019 bei RM Sotheby’s in Arizona unter den Hammer, wurde für 615’000 Dollar verkauft; das Coupé kam auf eine halbe Million Dollar).

Auch der Roadster sucht einen neuen Besitzer, RM Sotheby’s Monterey 2024, Schätzpreis 1,3 bis 1,5 Millionen Dollar.

Da hatte längst MegaTech die Macht über Vector übernommen; Wiegert verlagerte sich vorerst auf die Produktion von Jetski. MegaTech kaufte kurz darauf auch Lamborghini – und präsentierte 1996 den M12 mit der Technik aus dem Diablo. Wahrscheinlich wurden von diesem Wagen, der stark dem WX-3 ähnelte, 15 Stück gebaut, so ganz klar ist das nicht, denn die Besitzverhältnisse änderten sich dauernd (irgendwann gab es auch noch einen SRV-8, vielleicht: zwei). Und wohl etwa im Jahr 2000 kam dann auch Jerry Wiegert wieder ins Spiel – und stellte dann 2007 in New York den WX-8 vor. Der mit einem 10-Liter-V8 bis zu 1850 PS stark werden sollte. Mehr als ein Prototyp wurde aber nie gebaut – und der geistert auch heute noch durch die Presse (dies unten ist aber noch einmal ein W8 Twin Turbo – die auf Auktionen wenig erfolgreich sind).

Da haben wir doch noch einen, Chassis-Nummer 1V9MB1228T1048005, RM Sotheby’s, Monterey 2024, Schätzpreis 400’000 bis 600’000 Dollar.

Andere Exoten gibt es immer in unserem Archiv.

5 Kommentare

  1. maxi moll maxi moll

    Des wäre was für eine Neu-auflage von : ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT..

    Die Amerikaner.
    Es muss immer großmäulig sein und grob.
    Der Wagen, etwas entleistet und weniger Sicken, klar gemacht
    und mit normalem V8, also 5,7liter 450 Ps, sauber geschaltet.
    Das Cockpit etwas liebevoller und weniger Baumarkt in Wyoming trifft
    auf Melkschemel in Nebraska.. Da wäre einiges gelaufen.
    Irgendwie die 90ziger Farbvariante von Post Mimai Vice als Drama, um jenseits
    des Atlantik das andere Drama vom EB 110 Bugatti als Hollywood low Budget Dokusoap zu bilden. ( eine Art Avengers für Auto Kino Serie..ohne Turretto Syndrom..lol)

    Des is so lange her. da waren wir jung. Manchmal zweifelt man, ist das das Alter, das uns subtil anschleicht und was macht es?
    Danke ich Liebe Ihre Berichte.

    Pur ohne veggane oder sonstige Benimmpatina, auf den Punkt.
    Das letze und einzige. Wie wird das einmal sein.. Verzeihung.. ich
    beliebe im hier und jetzt ( lese für Tante, 67 Lsj,, Neues Auto, E-dings, die 999 Seiten.
    Ich hab keine Ahnung wie das Ding zu bewegen ist.. es tut sich nix..)
    „.. Eject lower back seat in 10..9..8..“

    RADICAL 🙂

  2. Erwin Forrer Erwin Forrer

    1984 bin ich mit zwei Freunden in den USA unterwegs gewesen. Wir waren jung und total auf amerikanische Wagen fixiert. Corvette und Muscle Cars im speziellen. Aber auch der Vector war uns schon ein Begriff. Es war die herrliche Zeit, als an den grösseren Strassen jede Menge Used Car Dealers mit bunten Fähnchen ihre zum Teil wirklich heissen Maschinen anboten. Wenn ich mir vorstelle, dass da effektiv ein Hemi Cuda für $ 8999.- stand, und wir dachten, das sei jetzt schon ein bisschen teuer…. Aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden fahren wir so dahin und sehen plötzlich bei einer Garage eine grosse Werbetafel „Vector is here“. Also sofort in die Eisen, U-Turn und in den Verkaufsraum gestürmt. „Were is the Vector?“. Das Personal hat uns angesehen als wären wir Ausserirdische und uns in die Werkstatt geschickt. Da war er nun, der neue Goodyear Vector, ein super cooler Pneu! Wir haben uns dann bedankt und sind ziemlich kleinlaut wieder in unseren Ford Econoline gestiegen und waren froh, dass uns niemand gekannt hat.

    • Peter Ruch Peter Ruch

      wunderbar – danke!

      • Sind sie der Peter Ruch, der zu Beginn der 90er schon einmal einen Bericht zum Vector W8 in einem bekannten Männermagazin veröffentlichte?

        • Peter Ruch Peter Ruch

          ja )

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