Zurück zum Content

Ferrari 250 GT SWB California Spider – #2277GT

Haselnüsschen

Nocciola, also Haselnuss, ist eine wunderbare Farbe. Ein erdiger Braun-Ton mit einem Hauch von Gelb, Orange, sogar Gold, je nach Lichtverhältnissen. Noch manch einer denkt bei Haselnüssen zwar gleich an Nutella, also Dunkelbraun, doch dieser Farbton hat nichts mit den Haselnüssen – die eh nur 13 Prozent der Nuss-Nougat-Creme ausmachen – zu tun, sondern mehr mit dem Kakao (und dem Marketing). Egal, Abwandlungen von Nocciola sind an Automobilen gerade wieder sehr in Mode – und dieser Ferrari 250 GT SWB California Spider, #2277GT, stand genau in dieser Farbe im Januar 1961 auf dem Ferrari-Stand auf dem Salon von Brüssel. Interessant dabei: Die Innenausstattung soll in «leatherette» ausgeführt gewesen sein, also Kunstleder. Das ist dann doch erstaunlich, denn so ein California Spider gehörte damals schon zu den teuersten Automobilen überhaupt.

Erster Besitzer von #2277GT war dann ein Doktor Fabbri aus Mailand. Wahrscheinlich stellte er seinen Ferrari für die Produktion der italienischen Komödie «Sissignore» (1968, Regie Ugo Tognazzi) zur Verfügung – mit dem Resultat, dass der California Spider danach rot lackiert war. Und kurz darauf in die USA kam. Dort ging er durch ein paar Hände, immer in Rot, wurde 1996 für 775’000 Dollar über Talacrest angeboten, kam nach Mexiko zu Carlos Hank Rhon, 2003 dann nach England, zu Paul Michaels. Der wollte den Ferrari 2017 über Bonhams verkaufen (Bilder oben), doch der Mindestpreis wurde nicht erreicht. Wer #2277GT wieder in den «Originalzustand» versetzte, ist nicht ganz klar, auf jeden Fall kommt das Fahrzeug bei Gooding & Co. in Pebble Beach 2025 zur Versteigerung; Schätzpreis gibt es noch keinen. Ach ja: Aktuell ist der Innenraum selbstverständlich mit echtem Leder ausgekleidet.

Selbstverständlich haben wir mehr von diesen «kurzen» California Spider, hier. Und dann ist da ja auch noch das Archiv.

10 Kommentare

  1. Rolf Rolf

    Eine sehr ähnliche Farbe habe ich mal auf einem erstklassig restaurierten Rover P6 gesehen, mit rotem Leder und auf dem MG B gab es aucheine Farbe in dieser Richtung. Schön.
    Aber ob ich sie nun auf dem Ferrari gut finde, da hadere ich mit mir …. ?

    • DIESEN Ferrari nähme ich in jeder Farbe…
      Selbst in Violett-Metallic mit gelben Polstern!

      • Christian Christian

        Nanana, jetzt aber ned übdrehen 😉
        Nocciola metalizzato war damals aber eine eher üblich Farbe bei den Italienern. Aber ich hatte die Farbe ein wenig dunkler in Erinnerung?

        Und auch die „Kunstleder“-Innenausstattung gab`s bei fast allen Herstellern. Es sollen ja solche Wagen direkt neu von ihren Erstbesitzern zu fähigen Tapezierern und Polsterern gebracht worden sein um den Innenraum adäquat zum Äußeren des Wagens herrichten zu lassen.

        Aber, Vieolett-metallic mit gelben Polstern? OK, wenn ich das Geld für das Auto habe, dann habe ich auch noch ein paar Scheine für Lackierer und Polsterer! Dann kann man es ja wieder „hübsch“ machen….

        • Rolf Rolf

          Kunstleder, Leatherette, MB-Tex, Taxi-Leder gibts ja jetzt auch wieder in 180 k€ Autos, wo es dann auf Marketing-Deutsch „Vegan Leather“ heisst.
          Insofern war der ganz schön modern, der 250er.

          • Ich finde die Vorstellung, daß der California Spider – immerhin eines der drei schönsten Automobile aller Zeiten – mit Kunstledersitzen ausgeliefert wurde, ganz großartig und würde, wenn ich denn ernstlich wohlhabend wäre, „meinen“ California unbedingt auch wieder so restaurieren lassen, die Materialwahl nimmt dem Auto seine Überhöhung, es gibt ihm eine Normalität zurück.
            Auch die Dino 246 hatten oftmals Kunstledersitze und meines Wissens gab es dieses Material auch im Lamborghini Miura, dem ersten richtigen Suopersportwagen, eine herrlich schräge Vorstellung!

            Ein lieber Freund von mir besitzt seit seiner Studienzeit einen wunderschönen Pagoden-SL, damals aus erster Hand gekauft und 30 Jahre lang als Alltagswagen benutzt, als er ihn dann irgendwann vor 15 Jahren komplett restaurieren ließ, hat er die originale MB-Tex-Polsterung durch feinste, korrekte Lederpolster in der gleichen Farbe ersetzen lassen, klar sieht das Leder wunderbar aus und riecht auch so, aber irgendwie hat er aus meiner Sicht einen Fehler gemacht…

          • Rolf Rolf

            Lieber Hugo,

            jetzt habe sie aber wieder richtig einen rausgehauen!
            „…… die Materialwahl nimmt dem Auto seine Überhöhung…..“

            Dieses Auto war damals und ist ganz besonders heute dermaßen überhöht, dass es wurscht ist. Wenigstens riecht Leder gut, ist geschmeidig (wobei man sagen muss, das Kunstleder im Model 3 ist das auch, auch wenn wir ihn nicht mehr mögen) und vor allem ist es als Naturprodukt temperaturausgleichend.
            So im hellblauen Hemd mit nassem Rücken dem Ferrari entstiegen, ja das könnte nach harter Arbeit und Rennfahrer-Attitüde aussehen. Unangenehm ist es jedoch.

            Ich finde es unpassend, dann lieber Stoff.
            Tweed im Jaguar oder Rolls Royce oder sogar dieses Plüch-Velours im Rolls, das hat irgendwie etwas. Aber Gummileder ist nicht mein Ding.

            BTW Jaguar. Zufällig habe ich in der Mediathek eine englische Serie entdeckt, die Mitte der 1960er bis Anfang der 1970er spielt und der Protagonist fährt einen Jaguar 240 mit den hinteren Radabdeckungen (den so genannten Mark 1). Schwarz, dunkelrotes Leder. Toller Wagen, wirkt völlig anders als der Mark 2 mit seinem filigranen Dachaufbau. Eher massiv und hinten schmalspurig, aber unglaublich schön.

  2. hugoservatius hugoservatius

    Ja, ja, ja, lieber Rolf, Sie haben ja Recht, es stimmt, echtes Leder ist angenehmer, schöner, besser als Kunstleder!

    Aber falls der California Spider, für den die gute Fee, die ich unlängst an der Außenalster getroffen habe, mir nach unserer Begegnung die Schlüssel und Papiere in die Hand drückte, eben original mit Kunstledersitzen ausgestattet gewesen wäre, dann wäre es in der Tat so, daß ich diese wiederherstellen lassen würde.
    Und dann eben mit nassem Rücken – woher wissen Sie denn eigentlich, daß ich vorwiegend hellblaue Hemden trage??? – aus dem Wagen steige…

    Der jungen Juliette Binoche, die in meinen Tagträumen auf dem Beifahrersitz des Californias sitzt und mit der ich vor der Villa Serbelloni am Comer See vorfahre, hat das jedenfalls nie etwas ausgemacht, zumal – nein, das lassen wir jetzt.

    Und tatsächlich habe ich vor vielen Jahren, als ich von meinem Vater seine silbergraue Limousine mit dunkelblauen Lederpolstern geschenkt bekommen habe, darüber nachgedacht, ob ich mein ebenfalls silbergraues Käfer Cabrio passend dazu ebenfalls mit dunkelblauen Lederpolstern und in der Folge natürlich auch mit einem dunkelblauen Verdeckbezug versehen lasse.
    Allerdings hat es weder diese Farbkombination noch Lederpolster ab Werk gegeben, so daß ich beschlossen hatte, auch wegen des neuwertigen Zustands der Kunstlederpolster, das Auto original zu belassen und deshalb – Sie wissen schon, feuchter Hosenboden, nasses hellblaues Hemd, die sanft gebräunten Knie von Juliette Bin- Quatsch, Frau Servatius, Comer See und so…

    Noch ganz rasch zum von Ihnen angesprochenen Jaguar, der sogenannte Mark I ist in der Tat ein sehr besonderer Wagen, durch die schmalere Spur, den massiveren Dachaufbau und die kleineren Fensterflächen wirkt er sehr viel eher „altmodisch“ im Vergleich zum Mark II.
    Ich liebe beide sehr und hätte beide gerne, den MK I bitte in Almond Green, den MK II bitte in Gunmetal Grey Metallic.

    Anorak Fact:
    Der Britische Rennfahrer und LeMans-Gewinner (und Verantwortliche für den verheerenden Unfall dort im Jahr 1955), Mike Hawthorn, über den es hier auf radical einen äußerst lesenswerten Beitrag in der Rubrik „related“ gibt, fuhr einen solchen Jaguar MK I.
    Da er alle Deutschen und alles Deutsche herzlich haßte, konnte er es nicht zulassen, am Morgen des 22. Januars 1959 bei Guildford von einem Mercedes 300 SL überholt zu werden, der Jaguar kam mit überhöhter Geschwindigkeit von der Straße ab, Hawthorn starb noch an der Unfallstelle.
    Hinter dem Volant des Flügeltürers saß übrigens der Whisky-Erbe, Rennstallbesitzer und Gentleman-Racer Rob Walker, es hieß, die beiden Wagen hätten sich ein Wettrennen geliefert, Fakt ist, daß sie sich nicht berührt haben, sondern daß Hawthorn die Kontrolle über den Jaguar verloren hat.

    Oh Gott, vom California über Kunstledersitze, Juliette Binoche, den Comer See, hellblaue Hemden, das Käfer Cabrio, den Jaguar MK I und die Guildford Junction zu Johnnie Walker, irgendwann setzt Herr Ruch uns auseinander!

  3. Rolf Rolf

    Wegen des Schwätzens ……

    Techniker weisses Hemd, Kaufmann hellblau, Hanseate sowieso.

    Also der Fritz B. Busch hatte die Lollo im Bikini neben der geschrubbten Flunder übersehen, Sie dagegen …. ????

    • Rolf Rolf

      Nun habe ich den Artikel über Mike Hawthorn gelesen, danke für den Hinweis. Wohl nicht der sympathischste Rennfahrer aller Zeiten. Vermutlich hätte er auch versucht, auf einer Norton Commando einer BMW S1000RR zu folgen, bei seiner „Liebe“ zu allem Deutschen.

      • In der Tat muß Hawthorn ein eher unangenehmer Mensch gewesen sein, andererseits war er sehr eng befreundet mit dem äußerst charmanten und lebensfrohen Peter Collins, über die beiden gibt es ein hervorragendes Buch von Chris Nixon, „Mon Ami Mate“.
        Sicher war Hawthorns schwierige Persönlichkeit in seiner lebenslagen Krankheitsgeschichte begründet, andererseits war vor allem sein Umgang mit dem Unfall von Le Mans und den über 80 Opfern nicht gerade ein Zeichen von Emphatie und Menschlichkeit.

        Aber es war auch die Zeit der Playboy-Rennfahrer, „drive hard and play hard“ war das Motto von Rennfahrern wie Hawthorn, Collins, Joakim Bonnier und Innes Ireland, der später übrigens die frühere Verlobte von Mike Hawthorn geheiratet hatte.

        Teilweise eine Ausnahme war Wolfgang von Trps, der zwar dem Image des Playboys und Reichsgrafen durchaus entsprach, aber in seinem Inneren eine sehr vielschichtige Persönlichkeit war, hinter der Fassade des gutaussehenden, eleganten Sportsmanns verbargen sich vielfältige Depressionen und eine gewisse Todessehnsucht.
        Trips war im Übrigen der engste Freund von Bonnier und auch sein Trauzeuge, als er die Nichte von Alfred Nobel heiratete…

        Und um irgendwie wieder die Kurve zum Ferrari California zu kriegen:
        Wolfgang von Trips fuhr zwar keinen California Spider, aber ein Ferrari 250 GT Cabriolet, auf den zeitgenössischen Photos erscheint der Wagen dunkelgrau lackiert zu sein, mit roten Lederpolstern, ziemlich sicher aus echtem Leder…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert