Fahren Sie fort
Wenn Sie in die Emilia Romagna reisen, nehmen Sie sich Zeit. Und beginnen Sie die Reise unbedingt mit einem guten Mittagessen; sehen Sie diese Geschichte ganz einfach als kleinen Reiseführer (auch wenn wir hier auf Tipps für Übernachtungen verzichten, da gibt es mehr als reichlich auf booking.com). Wenn man von Mailand her kommt, dann gibt es gleich hinter der Grenze zwischen der Lombardei und der Emilia Romagna einen wunderbaren Ort, der die Wunder dieser Region perfekt auf den Punkt bringt, ein grossartiger Anfang.
Nordöstlich von Piacenza:
Antica Trattoria Cattivelli, via Chiesa di Isola Serafini 2, Monticelli d’Ongina – trattoriacattivelli.it: Ein wunderschöner Ort, auf einer Insel im Po, hier wird alles im Haus gemacht, die Pasta ist ein Traum.

Varano de‘ Melegari
Bald wird er 90, der Giampaolo Dallara. Aber leider wird man wohl auf die Nachrufe warten müssen, bis die Welt versteht, welch wahrhaft wichtiger Mann Dallara für die Auto-Welt ist. Er studierte Luftfahrt-Technik in Mailand, kam mit 23 zu Ferrari, ging weiter zu Maserati, gehörte ab 1963 zu den ersten Mitarbeitern von Lamborghini. Dallara entwickelte dort alles, selbstverständlich den Miura und den Espada, ging dann weiter zu de Tomaso, machte sich 1972 selbständig, konnte in der Folge einige Lancia richtig gross machen, den Stratos, den Rally 037, die LC1 und LC2. In Varano de‘ Melegari befindet sich die Fabrik – und auch ein kleines Museum mit den Werken des grossen Meisters. dallara.it.

Südlich von Parma:
Locanda Mariella, Via Fragnolo 29, Calestano – locandamariella.it: Eine Institution, wird seit den 60er Jahren von der gleichen Familie geführt – es gibt, was es gibt. Unbedingt reservieren!

Natürlich muss Parma sein, unbedingt, eine schöne, edle Stadt. Natürlich kann man nicht alle 127 anerkannten Hersteller von Prosciutto di Parma besuchen (in der Stadt gibt es kaum eine); für den besten Überblick empfiehlt sich das Festival del Prosciutto di Parma, das 2025 vom 5 bis 7. September stattfindet. Auch beim Käse, dem Parmigiano Reggiano, ist es unübersichtlich, aber unter parmigianoreggiano.com findet sich eine schöne Karte mit allen Käsereien, die man besuchen kann. Als Restaurant empfehlen wir: I Tri Siochètt, Strada Farnese 74, Parma – itrisiochett.it.

Man kann auf dem Weg weiter nach Modena natürlich auch noch einen Halt einlegen in Reggio Emilia, ein ruhiges Städtchen. Doch wir würden empfehlen, nach Campogalliano weiterzufahren, dort nachzuschauen, was von der wahnsinnigen Bugatti-Fabrik von Romano Artioli noch übrig ist. Danach braucht man dringend eine Stärkung.

Magnagallo, via Magnagallo Est 7, Magnagallo – magnagallo-hotel.it: Es mag von aussen und innen nicht danach aussehen, als ob man hier grossartig essen würde. Tut man aber. Wir empfehlen solches ja sonst nicht, aber der «fritto misto» ist grossartig. Und die Kuchen auch.

Einst, da stand am westlichen Stadtrand von Modena die DeTomaso-Fabrik. Die gibt es nicht mehr, dort steht jetzt ein riesiger Supermarkt. Maserati hat seine Geschichte ja leider verschachert, in einer der vielen Finanzkrisen des Unternehmens. Und das Museo Panini, das die Maserati-Sammlung damals gerettet hatte, ist derzeit geschlossen – es heisst, dass ein Neubau am Entstehen ist. Was man aber in Modena unbedingt gesehen haben sollte, das ist das Museo Stanguellini (Via Emilia Est 756, Modena – stanguellini.it), das unbedingt einen Besuch wert ist (nur auf Voranmeldung). Klar, ganz viele dieser winzigen Stanguellini, aber auch ein Blick in die frühen Tage der italienischen Auto-Industrie. Wer das Kleingeld hat, der kann natürlich bei Massimo Bottura in der Osteria Francescana (Via Stella 22, Modena – osteriafrancescana.i) speisen, wir empfehlen aber die Franceschetta 58 (Strada Vignolese 58, Modena – franceschetta.it), die von Bottura unterstützt wird und viel günstiger ist. Was man ausserdem tun muss in Modena: Spazieren. Und den Mercato Albinelli besuchen.

So, also, dann endlich auch neue Automobile: In Sant’Agata Bolognese befindet sich das ausgezeichnete Museum von Lamborghini, die ganze Geschichte. Und während man draussen noch so rumsteht, wird man das ganze Modell-Programm sehen. Und verklebte Prototypen. Für ein anständiges Mittagessen empfehlen wir: Da Taiadèla, Via Turati 1 – dataiadela.it. Dort wird man auch jede Menge Lamborghini-Mitarbeiter treffen, auch die ganz hohen Herren. Braucht man etwas mehr Ruhe, will man nun auch endlich einmal ein grossartiges Weinangebot geniessen, den lokalen Lambrusco entdecken:
Nordöstlich von Modena:
Osteria la Fefa, via Trento e Trieste 9/c, Finale Emilia – osterialafefa.it: Eben, ein grossartiges Weinangebot. Und absolut wunderbare Tortellini. Und endlich auch einmal anständige «secondi», mit etwas mehr Phantasie als in Italien oft üblich.

Auch der Besuch im kleinen, aber sehr feinen Museum von Pagani (Via dell’Industria, 26, Vill. La Graziosa, San Cesario sul Panaro) lohnt sich unbedingt. Das ist schön gemacht, erzählt die ganze Lebensgeschichte von Horacio Pagani – und hat einige Fahrzeuge in der Ausstellung, die so richtig viel Geld kosten würden, würden sie denn je wieder auf den Markt kommen. Der grosse Meister ist sehr oft vor Ort, man sieht dann auch auf seinem geliebten Fahrrad – und an seinen Produkten ist auch kein Mangel.















So, nun brauchen Sie mal einen ganz anderen Tag: Fahren. Unsere Empfehlung: Geben Sie in Ihrem Navi «Raticosa» ein. Nehmen Sie irgendeinen der vielen Wege, die dorthin führen, machen Sie Umwege, falls es Sie gelüstet, aber trinken Sie dort oben, auf einer der wahren Legenden der einstigen Mille Miglia, unbedingt einen Espresso. Wen es gelüstet, der kann auch weiter nach Florenz zum Mittagessen, wir empfehlen aber südlich von Bologna:
Antica Trattoria la Grotta dal 1918, via Tignano 3, Loc. Mongardino Grotta, Sasso Marconi – lagrotta1918.it: Allein schon die Anfahrt ist ein Abenteuer. Aber es lohnt sich unbedingt. Die Küche ist wunderbar einfach, aber hervorragend. Und wenn es dann Trüffel hat, dann ist es sowieso grossartig.

Wenn Sie aber nicht schon zurück in Richtung Bologna wollen, sondern auf so richtig abenteuerlichen Routen noch ein bisschen mehr durch die Hügel, dann suchen Sie im Navi nach: Vecchia Lama, via XXIV Maggio 24, Lama Mocogno – ristorantevecchialama.it. Hier gibt es nur: Fleisch. Eine hervorragende Bistecca Fiorentina zum Beispiel. Das Menu kostet 40 Euro – und wer danach in den nächsten zwei Tagen noch Hunger hat, der sollte zum Arzt.

Gut, dann Bologna. Ursprünglich das Daheim von Maserati, aber davon gibt es keine Spuren mehr. Was es aber gibt: Ducati – und ein der Marke entsprechend gutes Motorrad-Museum. Man kann auch eine Tour durch das Werk buchen, aber, naja. Da geht man dann lieber anständig essen, dafür ist Bologna berühmt, die Stadt wird auch «la Grassa», die Fette, genannt. Wir haben gleich drei Empfehlungen:
Al Cambio, via Stalingrado 150, Bologna – ristorantealcambio.it: Etwas ausserhalb des Stadtzentrums, aber extrem beliebt bei den Einheimischen. Eine einfache Küche, aber halt: wunderbar. Und wenn Sie wissen wollen, was «bolognese» wirklich bedeutet, dann erfahren Sie das hier.

Trattoria di Via Serra, via Luigi Serra 9/b, Bologna – trattoriadiviaserra.it: Unbedingt reservieren, denn hier ist es schon am Mittag sehr voll. Ganz klassische Küche, aber beste Grundprodukte. Und beste Stimmung.
Ahimé, via San Gervasio 6/e, Bologna – ahime.it: Jetzt auch noch etwas für die Vegetarier, ein schönes Konzept, das Menu wechselt quasi täglich, verkocht wird nur, was man frisch aus der Umgebung erhält. Ja, es gibt auch Fleisch, aber das Konzept bleibt gleich.
Was gern vergessen geht: die Emilia Romagna reich bis ans Meer. Und je näher man der Küste kommt, desto mehr ändert sich die Küche, aber nicht die Liebe zu den regionalen Produkten. Für einmal empfehlen wir hier eine kleine Kette: Osteria Bartolini, via A. Boito 26, Milano Marittima – osteriabartolinimilanomarittima.com (gibt es aber auch in Bologna und Cesenatico).

Keine Ahnung, wie oft radical schon in der Emilia Romagna war. Zuletzt aber mit einem Maserati GranTurismo Trofeo. Und dabei entstand auch der grösste Teil des Inhalts von radical #3.


103 oder 104 mal?
ich hab auch aufgehört zu zählen.
Das erste Mal, 197??, kleiner Bub. 9..und halb.
Schlechtwetter am Meer. Also fahren Vater und Mutter mit und 3 Kids
( 2 Schwestern,, eine ist MC LAREN FAN, die ander FERRARISTA… ich
mag einfach Motorsport und schöne Autos, und bin als 12 Jähriger in den
Hinterhöfen von Scaletti herumgekraxelt.. Weil Eltern ein tolles Lokal fanden,
Modena ja eh scho schöne Pasta hat, auch,…. mann diese Erwachsenen,
ich aber diese Wein trink ver göttterungs romantik eher fad fand, logisch..
Und so stand ein Herr vor mir.
Und lächelte.
Später erst, reslisierte ich das war der Meister selber, der gerade mit einem gewissen
Enzo Ferrari, verbal gerungen hat.. na ja.
Mir hat der ausgeweidete Sitz eines 308 Dino mehr getaugt..
Und das Eis, das damals neben der heute grossen Tankstelle, gegenüber vom
Ferrari werk, in eine kleinen Bude, von einer Oma serviert wurde.
Wenn ich so denk, wie alt ich nun jung bin, und wie es immer noch da ist, dieses
Gefühl, der Sommer, das Italien.
Im Ferrari 208 turbo, vor 3 Tagen gekrallt, original, er riecht unmd schmeckt nach
dem damals, .. eine 2025er E-kiste kann das nicht. die lebt nicht.
Sie hat noch keine Geschichte.. ( ausser mein R-5 Alpine… in dunkelblau..)
Aber erst in 35-40 Jahren..
bellisimooooooooooooooooo 🙂
Bologna hat ja auch den Beinamen „la grassa“ – nett gesagt die Dicke, weniger freundlich die Fette….
Ja, Ja, Wein, Weib und Motorengesang – Italien halt.
In Italien fährt man gemütlich zum Mittagessen und ehe man sich versieht ist es Mitternacht :-), der Bauch voll, a Riesengaudi g`habt (cicole e ciakole, cantato) und dann geht`s wieder gemütlich heim.
Complimenti Signore Ruch!
Was für Photos, was für ein Reisebericht!
Die dem gemeinen Deutschen stets zugeschriebene Italiensehnsucht wird hier erneut entfacht, eine Fahrt in diese Region geplant, meine vom Photo der Lasagne faszinierte Frau merkte an, daß wir dafür eigentlich einen Maserati oder Ferrari brauchen würden, weil ein Jaguar bei so viel Italianata verstört sein könnte…
Ich habe den Artikel ausgedruckt und dem Inhaber meines Italienischen Lieblingsrestaurants mitgebracht, vielleicht regt es ihn ja an, seine Karte ein wenig zu verändern!
Bitte mehr von solchen Artikeln!
Keine Angst, lieber Hugo, die Italiener finden klassische Jaguar auch ganz schön!
Um nicht zu sagen, sie lieben Gschaguarrr….
War es nicht Enzo persönlich, der den E-Type „adelte“? 🙂
Lieber Christian, in der Tat ist man mit einem Jaguar überall gut angezogen, aber irgendwie paßt er atmosphärisch nicht so recht in die Italienischen Landschaften,
In Mailand, Rom, Florenz macht er sich sehr gut, aber für die Reise durch die Berge hinunter nach Süden würde ich einen anderen Wagen wählen!
Unsere Hochzeitsreise haben wir klassisch als Grand Tour von München aus nach Norditalien und zurück durch das Tessin im Käfer Cabrio absolviert, das paßte perfekt und war wunderbar, mit dem Porsche sind wir mehrmals über die Alpenpässe durch Südtirol bis nach Venedig gereist, in den Bergen gibt es kein besseres Auto als einen Porsche, mit dem Jaguar X300 war die gleiche Reise angenehm, aber die Paßstraßen waren nicht sein Revier.
Genial war Anfang der neunziger Jahre eine Tour über diverse Pässe von Brixen bis hinunter nach Modena im BMW M5 meines Vaters, im Morgengrauen den Reihensechszylinder den Sella-Paß hinauf jubeln zu lassen, ohne Mitfahrer und mit Albinoni und Scarlatti im CD-Spieler, das war ein besonderes Erlebnis.
Vielleicht sollten wir die Reise in meinem Fiat 500 antreten, immerhin ist es die Sportversion und er trägt die richtige Farbe: Rot.
Und wenn man die Rückbank umklappt, kann man größere Mengen an Wein, Käse und Schinken mit zurück nehmen!
Lieber Hugo, ja, das mit dem Fiat 500 habe ich auch schon gemacht. Ich hab den als 500S, auch rot und wir haben damals im November auch noch unseren Retriever dabei gehabt. Mit 69 PS bist Du jetzt nicht übermotorisiert, aber es geht besser als gedacht. Und in den Italienischen Straßen der Klein- und Altstädte bist Du mit dem 500er der König. Die Weinkartons kamen zwischen die Sitze, da hatte der Hund mehr Liegefläche und die Zweibeiner ihren „Traubensaft“ sicher und schwerpunktmäßig gut verstaut!
Wir hatten in der Familie einen Bekannten, Bauunternehmer aus dem Friaul, der fuhr Alfa Berlina 2000 und träumte immer vom Jaguar XJ. Leider hat ihn die Baukrise in Italien in den 1980er und 1990er Jahren voll erwischt, und so fuhr er Lancia Thema und als Baustellenauto einen Fiat Uno mit über 267 000km…. Aber vom Jaguar träumt er bis heute.
Lieber Christian, da haben wir tatsächlich das gleiche Auto, meiner ist auch ein roter 500 S mit 69 PS und schwarz-rotem Interieur, Sportsitzen und -Lenkrad, Baujahr 2014. Nur die schwarzen Alufelgen habe ich gegen die gleichen in silbern getauscht, gegen schwarze Felgen bin ich allergisch…
Es ist das letzte Auto meiner verstorbenen Schwiegermutter und normalerweise hätte ich das Auto nie in Rot bestellt, mittlerweile finde ich ihn richtig schick in der Farbe und halte ab und zu Ausschau nach einem roten Abarth Cabrio, nicht stattdessen, sondern dazu.
Die 69 PS sind ok, solange man die Aircondition nicht einschaltet, aber die Strecke von Berlin bis nach Italien ist schon sehr weit…
Aber atmosphärisch paßt der Fiat perfekt in sein Heimatland, auch wenn er in Polen zusammengesetzt wurde!
Lieber Hugo,
ja das ist ja super! Unserer ist Baujahr 2013, stand ein Jahr als Austellungsstück beim Fiathändler und musste seine Originalfelgen (schwarz) für einen anderen Kunden „hergeben“. Ich bekam dann so Mattsilberne mit Speichen. Rot-schwarz mit Teilleder innen und schwarz lackiertem Dach. Meine Frau wünschte sich einen roten 500er. In unserer Familie gabs schon einmal einen 500er. Meine Eltern hatten tatsächlich einen Ur-500er in rot (L-Modell), mit den Rohrstoßstangen und Faltdach. Wenn meine Mutter mich und meine Kumpels in den Kindergarten fuhr, standen wir auf den Kunstlederssitzen und schauten beim Dach raus! So schloss sich der Kreis.
Von Berlin nach Italia in „einem Rutsch“ ist schon eine Ansage aber vielleicht mit einem oder zwei Zwischenstop`s?
Fiat hat sich beim 500er mit dem 69 PS-Motor vertan. Ich hatte vorher als Drittauto einen Panda mit 60 PS der wesentlich „besser ging“. Der 500er ist zu schwer und der 69 PS Motor zu langhubig wegen der Abgas- und Verbrauchswerte. So hat er zwar 9 Ps mehr als der Panda (auf dem Papier) ist aber trotzdem behäbiger. Ideal wären so 80 PS aber da gabs nur den Zweizylinder-Turbo und dem habe ich nie über den Weg getraut.
Lieber Christian, ich finde den 69-PS-Motor auch etwas lethargisch, vor allem im Vergleich zu meinem alten Cinquecento Sporting aus den Neunzigern, der hatte nur 54 PS, wog aber viel weniger und war wirklich spritzig!
Aber ich hatte ja nicht die Wahl…
Und Sie haben Recht, es geht auch auf längeren Strecken ganz gut, wir haben damals die Überführungsfahrt von Köln nach Berlin sehr gut überstanden, allerdings habe ich ihn nach der wenigen Nutzung durch die alte Dame und einiger Standzeit sehr vorsichtig „eingefahren“ und bin nicht schneller als 120 km/h gefahren, unlängst mußte ich nach Magdeburg und wollte bewußt nicht mit einem meiner anderen Autos vorfahren, bei Dauertempo 140 km/h kommt man gut voran, die Sitze sind ausgezeichnet, die Freisprecheinrichtung funktioniert gut, die Audioanlage ebenfalls und man ist ziemlich Klassen-, nicht aber geschmacklos unterwegs!