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Fahrbericht VW Golf GTI

Wie früher

Was jetzt kommt, könnte vielleicht etwas überraschen: Ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spass wie mit diesem VW Golf GTI. Nix Clubsport oder R oder sowas, ein ganz normaler GTI, 265 PS, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb, in der Schweiz ab 49’200 Franken, in Deutschland ab 45’710 Euro (womit wir seinen grössten Fehler auch gleich schon abgehakt hätten). Ich bin eine Stunde auf deutschen Nebenststrassen mit ihm rumgesaut, er roch danach ein bisschen komisch, knirschte, aber das waren keine Qualitätsmängel, er war sich solch wildes Treiben wohl einfach nicht gewohnt. Und ich hatte ein Grinsen im Gesicht, das sicher deutlich breiter war als nach der Ausfahrt mit dem fast 1000 PS stärkeren Lucid Air Sapphire. Es braucht einfach beim besten Willen nicht mehr, 265 PS reichen völlig für 1460 Kilo Leergewicht, ein sauberes DKG, eine gute Lenkung, ein anständiges Fahrwerk – eigentlich ist es doch ganz einfach, oder?

Ich habe mich einfach reingesetzt, Gestühl und Lenkung positioniert, Blick auf die Tankuhr, alles gut, dann los. Kein Navi mit Reiseplanung, Temperatur war ok, Radio aus, nichts konnte mir egaler sein als das Bediensystem und seine allfälligen Macken (ist es mir eh, ausser bei den Stromern, da braucht es meist einen Plan). Der 2-Liter, dieser auch nicht mehr ganz taufrische Motor, kommt gut, 370 Nm maximales Drehmoment zwischen 1600 und 4500/min, das ist doch wunderbar. Wenn man dann noch ein bisschen händisch an der Gangwahl rummacht, dann ist man immer schön spitz drauf, kommt gut, stabil in die Kurve, souverän wieder raus. Der Frontantrieb zerrt ein bisschen an der Lenkung, aber das ist gut so, es fühlt sich an wie früher. Damals haben wir über solche Lenkeinflüsse gejammert, heute sind sie ein schönes Lebenszeichen unter all diesen diffusen Richtungsangabengerätschaften. Für meinen Geschmack ist die Lenkung etwas zu streng, das Fahrwerk auch etwas zu hart abgestimmt, aber das sind ganz persönliche Vorlieben, dafür kann das Auto nun beim besten Willen nichts.

Der Fahrersitz ist gut, bequem mit sehr gutem Seitenhalt; das Lenkrad könnte etwas dünner sein, aber das Jammern auf hohem Niveau. Was dafür richtig, richtig gut ist: die Sitzposition. Schön tief – weil man halt auch nicht auf 20 Zentimetern Batterie thront. Das ergibt dann auch ein gutes Fahrgefühl, eine Verbundenheit mit dem Fahrzeug – man sitzt im Auto, nicht auf 800 Kilo Akku. Und man fährt das Auto, man wird nicht gefahren. Viel mehr wollen wir eigentlich gar nicht schreiben, ausser vielleicht noch: Probieren Sie es doch selber wieder einmal. Ja, radical gehört auch zur Fraktion der Weltverbesserer, propagiert den Elektroantrieb (für den Alltag), aber vielleicht sollten wir uns wieder mehr auf das konzentrieren, was die Freude am Fahren ausmacht. Die einfachen Dinge im Leben. Wieder einmal einen richtig guten Hamburger zubereiten. Und ich hab ja noch diesen Mazda MX-5 vor der Tür.

Mehr Fahrberichte gibt es im Archiv. Wir fuhren diesen Golf bei einer Veranstaltung von GCOTY.

PS: Es ist dies anscheinend doch ein Clubsport, 300 PS, 400 Nm, also ab 49’280 Euro (oder 53’800 Franken). Es wurde mir gesagt, vor Fahrantritt, es handle sich um einen normalen GTI. Ich muss zugeben, dass ich mich in der Folge nicht darauf geachtet habe. Und ich muss auch zugeben, dass ich mich mit den Gölfern viel zu wenig auskenne, es ist Jahre her, dass ich zuletzt einen gefahren bin. Auch deswegen ist dies ja auch kein richtiger Fahrbericht, mehr so ein positiver Eindruck.

12 Kommentare

  1. Rolf Rolf

    „Wieder einmal einen richtig guten Hamburger zubereiten.“

    Eher einen Wolfsburger. 😉

  2. Christian Christian

    „Und ich hatte ein Grinsen im Gesicht, das sicher deutlich breiter war als nach der Ausfahrt mit dem fast 1000 PS stärkeren Lucid Air Sapphire. Es braucht einfach beim besten Willen nicht mehr, 265 PS reichen völlig für 1460 Kilo Leergewicht, ein sauberes DKG, eine gute Lenkung, ein anständiges Fahrwerk – eigentlich ist es doch ganz einfach, oder?“
    Beim Artikel vom Lucis hab ich mir schon sorgen gemacht 😉
    Die Physik ist halt manchmal grausam. Viel Masse auf der Geraden beschleunigen ist ja relativ einfach – es muss nur genug Leistung vorhanden sein. Die Masse aber schnell um die Kurve zu bekommen ist da schon eine ganz andere Aktion.
    Ich glaube Porsche hatte für den 924er oder 911 Garrera 4 vor Jahren (Jahrzehnten?) den Werbespruch: „Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Kurve“. Straßen bestehen eben oft auch aus Kurven.
    So wie der Golf würde es schon in die richtige Richtung gehen – noch etwas leichter und kleiner?

  3. Rolf Rolf

    Ich kenne den Golf 1 GTI recht gut, auch den Motor im Cabrio.
    Vom Golf 2 GTI hatte ich drei, einer davon mit Kat.
    Unter 1000 kg. Gerade der 1,8 Liter 8 Ventiler mit kurzem 5-Gang-Getriebe war wirklich ein Knaller. Für mich deutlich besser als der 16V.
    Durchzug, Sound, Drehfreude, einfach phantastisch. Ähnlich konnte es nur der 2 Liter Alpha damals.
    Nur, die Zeiten sind halt vorbei, wo man mit einem – damals – Kleinwagen große Limousinen erschrecken konnte. Seit Turbo gibts Leistung überall.
    Mein erster GTI war schwarz, hatte 175er Reifen und drei Extras. Servolenkung, Lederbezug fürs Lenkrad und ein Cassettenradio Gamma mit vier Lautsprechern.
    Was musste ich mir von den 16V Kollegen alles anhören über die Servo. Weichei, unsportlich, gehört nicht in einen GTI. Dann holte sich einer den G60, Servo serienmäßig und musste zugeben, die ist doch nicht mal so schlecht ……
    Die Kat-Variante tönte leider nicht mehr so herrlich brabbelig und tatsächlich merkte man auch die 5 PS weniger in dieser Leistungsklasse.
    Ganz interessant, es gibt eine Website, auf der man beinahe für jedes Auto die Testwerte findet. fastestlaps.com. Unten als pdf oft der zeitgenössische Test, häufig auf Deutsch aus der AMS.
    8V und 16 V unterschieden sich in den Fahrleistungen erstaunlich wenig, was damals auch mein subjektiver Eindruck war. Der 16V klang aber nicht so schön und brauchte viel Drehzahl. Mit dem 8V konnte man im 3. Gang abbiegen, ohne die Kupplung zu betätigen und einfach wieder beschleunigen.
    Das Fahrwerk war straff, torkelte nicht Golf-typisch, hatte aber noch genügend Komfort.
    In Kurven und auf Alpenpässen hatte man reichlich Spaß und auf der Landstraße (ich war jung und dumm) musste ich unbedingt einmal die Tacho 200 knacken.
    Man konnte den Golf damals „quer“ schalten, also beim Wechsel der Schaltgasse einfach den Schalthebel quer schieben und musste nicht, wie bei BMW, Ford, Ferrari und auch beim aktuellen Mini sehr exakt der vorgegebenen Gasse folgen. Das ging beim Golf deutlich schneller.
    Nachteil des GTI, bei beruflichem strammen Einsatz kam man doch recht unerholt beim Kunden an.
    Nachfolger war dann ein 320i (E36), völlig ohne Durchzug, aber auf der Autobahn noch ein wenig flotter.
    Der obige Golf 8 würde mich nicht mehr „anmachen“ und der Preis ist frech. Er ist heute leider nichts besonderes mehr, nur ein weiterer hoch motorisierter relativ kleiner Wagen. Seit Golf 3 ist der „GTI-Gag“ weg.

    • Rolf Rolf

      Korrektur: Alfa, nicht Alpha.

  4. Der Golf ist eben – trotz aller Bemühungen, ihn zu digitalisieren, ihn durch einen aufgequollenen ID 3 zu ersetzen – ein automobiles Urmeter, mehr Auto braucht kein Mensch, ein schlichter, anthrazitfarbener, viertüriger GTI ohne Schriftzüge und mit cognacfarbenem Leder ist einfach perfekt, man ist weder arm noch reich, weder unbedeutend noch bedeutend, er ist einigermaßen vernünftig dimensioniert, eingermaßen sozialverträglich, sehr schnell, nicht unpraktisch und irgendwie immer noch relativ klassenlos.

    Zu gerne erinnere ich mich an den dunkelgrünen Golf II GTI meiner damaligen Freundin, ein phantastischer Wagen, bis auf die Tatsache, daß er andauernd aufgebrochen und dann schließlich final gestohlen wurde.

    • Rolf Rolf

      Ja, der Grüne, der war toll. Hatte ein Freund von mir als GT. Wie GTI, aber nur 90 PS.

      Mein letzter GTI II kommt ihrer Idealvorstellung recht nah, Es war ein Sondermodell Edition One in Graumetallic mit dunkelblauer Innenausstattung. Ohne den roten Zierrahmen und das GTI-Emblem aus dem Kühlergrill konnte man mit einem Handgriff heraus klicken, was ich bei jedem gemacht habe. Und den Gummi-Golfball-Schaltknopf aus dem GTI 1 montiert.

      Es gab auch als nicht-GTI durchaus einige Highlight-Motoren im Golf, die die damalige Konkurrenz weit hinter sich gelassen haben.
      Das längere Zeit klassenlose Image ist jedoch schon lang der gepflegten Langeweile gewichen.

      Golf 1 war neu und besonders, Golf 2 nicht mehr so hübsch, aber deutlich geräumiger, Golf 3 war furchtbar, Golf 4 ein echtes Highlight, Golf 5 siehe Golf 3, Golf 6 der für mich schönste von allen (eine Dame hier im Ort fährt einen schwarzen, der wie neu aussieht, gefällt mir immer noch), Golf 7 und 8 die pure Langeweile.

      ID3. Für den muss ich nochmal eine Lanze brechen. Unabhängig seiner technischen (nicht-) Qualitäten, soooo schlimm sieht er nicht aus und er ist sofort als „Golf“ erkennbar, das muss man ihm lassen. Und er ist nicht so riesig wie viele seiner östlichen Mitbewerber.

      • Lieber Rolf, genau, ohne rote Kühlergrillumrandung, ohne GTI-Schildchen, ganz schlicht, zwar war der Golf I schöner, aber besser war sicher der Golf II.
        Bei Golf III, IV und V teile ich Ihre Meinung absolut, die neueren Modelle auseinander zu halten, fällt mir schwer…

        Mein Golf I Cabriolet mit 90 PS im Hanseatischen Dunkelblau mit gleichfarbigem Verdeck und Interieur hätte ich nie verkaufen sollen, ein wunderbares Auto mit großartiger Verarbeitung, zu gerne hätte ich ihn zurück!

        Beim ID3 kommen wir nicht zusammen, ich finde ihn adipös, spuckehäßlich und furchtbar billig verarbeitet, das VW-Design hat damit aus meiner Sicht den Tiefpunkt erreicht, über seine technischen Qualitäten kann ich nichts sagen, aber was mir fehlt:
        Das Selbstbewußtsein, ein solch häßliches Auto zu fahren, ich trage ja auch keine „Camp David“-T-Shirts und keine Bär-Bequemschuhe…

        • Rolf Rolf

          Also mein beinahe-Nachbar südlich von HH trägt immer Camp David.
          Und zu seiner Scheidung von Verona ist er im F40 gefahren.
          ….. der Dieter

          • Oh je, der Pop-Titan – ich erinnere mich noch gut, wie er mit seinem Ferrari 328 vor der angesagtesten Eisdiele Hamburgs, dem Philippi an der Streekbrücke in Winterhude, vorfuhr und sich im Ballonseiden-Jogginganzug ein Eis kaufte.
            Der junge Alster- und Elbwasseradel strafte ihn mit Mißachtung.

            Obacht bei der Wahl des Wohnorts, sage ich immer!
            Oder, im Mäklersprech: Lage, Lage, Lage!

  5. Thomas F. Thomas F.

    „Nix Clubsport“. Laut der Fotos doch Clubsport mit 300 Pferd 🙂

    • Peter Ruch Peter Ruch

      Ich habe nun noch das unten hingeschrieben. PS: Es ist dies anscheinend doch ein Clubsport, 300 PS, 400 Nm, also ab 49’280 Euro (oder 53’800 Franken). Es wurde mir gesagt, vor Fahrantritt, es handle sich um einen normalen GTI. Ich muss zugeben, dass ich mich in der Folge nicht darauf geachtet habe. Und ich muss auch zugeben, dass ich mich mit den Gölfern viel zu wenig auskenne, es ist Jahre her, dass ich zuletzt einen gefahren bin. Auch deswegen ist dies ja auch kein richtiger Fahrbericht, mehr so ein positiver Eindruck.

  6. Bernd Bernd

    Golf 7 GTi Performance mit manuellem Vorderachen Sperrdifferential nichts anderes. 245 PS reichen vollkommen aus um schön cruisen zu können, aber auch um viele zu ärgern .

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