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Neuheiten 33/2025

Totosche, dieser Esel

Monterey Car Week ist, und weil der Genfer Salon ja nicht mehr ist, wird den Schönen und Reichen nun halt in Kalifornieren alles Gute um die Ohren gehauen. Wir haben wahrscheinlich nicht alles mitbekommen, aber wir geben uns Mühe.

Bugatti Brouillard

Weil wir ja nun beim Bugatti Brouillard kommen wie die «alte Fasnacht» (ein schweizerdeutscher Begriff, der besagen soll, dass am Karneval ja längst schon alles ausgeplaudert worden ist, wir also deutlich hinterherhinken), müssen wir da nun ein paar Informationen bringen, die ganz sicher nicht in der Pressemitteilung von Bugatti standen. Wir haben ein paar Stunden, nun ja, unterdessen Tage verblödet, um das mit der Liebe von Ettore Bugatti zu den Pferden nachzulesen – und kommen zum (vorläufigen) Schluss, dass da noch sehr dichter Nebel – Brouillard auf französisch – über noch so vielen Dingen liegt. Also bleiben wir zuerst bei den harten Fakten: Es existiert aus dem Jahre 1927 eine Liste von Ignace Schall, von 1919 bis zu seinem Tod 1930 (Hufschlag…) Stallmeister bei der Familie Bugatti, auf der die damals 16 Pferde, welche in Molsheim gehalten wurden, sauber aufgeführt sind. Ganz oben steht tatsächlich Brouillard, eine Irisch-Stute, 1,74 gross – aus dem einfachen Grund, weil die Liste alphabetisch geführt ist. Es soll hingegen Quellen geben (wir haben bisher nur davon gehört), dass Ettore Bugatti mehrere seiner Pferde Brouillard genannt habe, was natürlich gut ist für das Auto-Unternehmen, man könnte aus dem jetzigen «Solitaire» (so heisst eine neue Marketing-Dampf-Schleuder für Einzelstücke) doch noch mehrere machen, weil es vielleicht ja mehrere Bugatti-Lieblingspferde des gleichen Namens gab. Ganz sicher ist nur etwas: Es gab da einen Esel namens Totosche, den Ettore vom sizilianschen Grafen Florio geschenkt erhalten hatte, als dieser 1929 zum fünften Mal hintereinander sein eigenes Rennen, die Targa Florio, gewinnen konnte. Totosche hatte es gut in Molsheim, er hatte freien Zugang zum gesamten Werksgelände. Und es wäre ein feiner Zug, wenn der nächste «Solitaire» diesem legendären Esel gewidmet würde, den diesen gab es bestimmt nur einmal.

Es ist dann nun halt so, dass, wenn man sich ein bisschen in ein Thema verbeisst, über Umwege noch ganz andere Geschichten auftauchen. Um ehrlich zu sein, für mich war Ettore Bugatti bislang ein Gespenst aus ferner Vergangenheit, definitiv ein absoluter Ehrenmann, denn er war verantwortlich für einige der wunderbarsten Automobile aller Zeiten, Type 35, Type 57. Nun denn, dem war – wie ja auch bei Enzo Ferrari – nicht so. Während il commendatore zeitlebens nach jedem Rockzipfel griff, der nicht bei 3 auf dem Baum war (er sass noch im hohen Alter im Cavalino, dem Restaurant auf der anderen Strassenseite seiner Fabrik – und zeigte mit zittrigem Zeigefinger auf die Fernseh-Moderatorinnen, die ihm der damalige Direktor des staatlichen Fernsehens RAI gefälligst zuzuführen hatte), pflegte Ettore Bugatti wohl während Jahrzehnten einen Lebensstil, der seine finanziellen Möglichkeiten, hmm, etwas überstieg. Als Mitte der 30er Jahre der Erfolg nicht nur ausblieb, sondern die Arbeiter sogar streikten, weil sie nicht einmal mehr ihre Hungerlöhne regelmässig erhielten, machte Ettore einen auf midlife-crisis, leistete sich ein enormes Schloss in der Nähe von Paris (mit dem passenden Namen Ermenoville) und (mindestens) eine Geliebte, öffentlich bekannt ist Geneviève Delcuze, fast 40 Jahre jünger als der ewige Patron (später seine zweite Ehefrau). Interessant ist, dass seine Biographie auf Wikipedia sowohl sehr kurz wie auch mehr als nur lückenhaft ist – ein Schelm, wer dahinter eine gewisse Absicht vermutet. Aber wir bleiben gerne dran, auf dass sich der Nebel lichtet.

Im Umfeld der Monterey Car Week zeigten die Franzosen auch einen Bugatti Mistral, der farblich bestens zum nebligen Brouillard passt. Klar, Zufall, hat auch sicher nichts mit Michel Perridon zu tun, der das Coupé des Cabriolets bestellt hat. Beide sind Verlängerungen des Lebenszyklus des Chiron, also 1600 PS. Bugatti sieht das anders, Wind, Nebel, Divo und 110 wollen «Few-Off» sein.

Cadillac Elevated Velocity

Es ist nicht die Frage, ob, sondern wie bald schon die beleuchteten 24-Zöller des Cadillac Elevated Velocity in Serie gehen. Ob man das jetzt als Versprechen oder mehr so als Drohung ansehen will, das sei dem Betrachter überlassen. Viel mehr kommt uns jetzt auch nicht in den Sinn zu diesem Fahrzeug, Cadillac sagt selber, man sei gerade auf der Suche nach der zukünftigen Design-Sprache, da besteht als auch noch die Möglichkeit, dass dies Ding in die lange Reihe der nie auch nur annähernd umgesetzten Concept-Cars der Marke gestellt wird. Das wäre nicht so schlimm.

Corvette CX / CX.R

Auch wenn die Corvette C8 noch nicht so lange auf dem Markt ist, müssen die Amerikaner selbstverständlich weiter denken. Und weil das Styling der C8 jetzt nicht nur Begeisterungsstürme auslöst, versucht man es nun mit einem extremeren Ansatz. Selbstverständlich sind das nur erste Fingerübungen, einmal als CX rein elektrisch, dann als CX.R als Hybrid. Und da wird es dann nun spannend: 2-Liter-V8 (ja, richtig gelesen, zwei Liter Hubraum), der bis 15’000/min dreht und mit zwei Turbos auf 900 PS kommt. Dazu noch drei E-Motoren für eine Systemleistung von 2000 PS.

Gordon Murray Automotive Le Mans GTR / S1 LM

Gordon Murray hat seine gesundheitlichen Probleme überwunden; wir wünschen ihm weiterhin alles, alles Gute in diesem schwierigen Kampf. Vielleicht wurde er deshalb auch ein bisschen melancholisch, denn seine beiden Fahrzeuge, die er an der Monterey Car Week vorstellte, sind beides Reminiszenzen an den Sieg des McLaren F1 vor 30 Jahren in Le Mans. Da ist zuerst einmal der Le Mans GTR, eine Abwandlung des T.50, langes Heck, mehr so Racing. 24 Stück wird es geben, die sind natürlich alle schon versprochen. Das uns das Styling jetzt nicht so sehr gefällt, scheint diese Kunden nicht wirklich zu interessieren.

Doch dann ist da auch noch der S1 LM. Den konstruierten Murray und sein Team in enger Zusammenarbeit mit dem Besteller, der eine Hommage an den McLaren F1 haben wollte, aber halt mit GMA-Technik. Für dieses Gerät wurde der Hubraum des Cosworth-V12 aus dem T.50 von 3,9 auf 4,3 Liter angehoben, das ergibt dann etwa 690 PS. Ganz günstig dürfte das alles nicht gewesen sein, deshalb nahm der Kunde dann gleich fünf Stück, alle für sich. Wer hat, dem wird auch noch gegeben.

Gunther Werks Project F-25

Die Kalifornier von Gunther Werks verbleiben auf ihrem Spezialgebiet, dem Umbau von 993er-911er-Porsche. In das Projekt F-25 pumpen sie nun aber mit ihrem selbstentwickelten 4-Liter-Turbo-Turbo-Boxer über 1000 PS – und gleichen das Ding optisch dem 935 an. Oder, wenn man nicht so freundlich sein will: den Flachnasen. 26 Stück soll es geben, 1,57 Millionen Dollar muss man mitbringen zum Mittagessen bei Gunther Werks, denn ohne dieses geht gar nichts.

Lamborghini Fenomeno

Selbstverständlich durfte Lamborghini nicht mit leeren Händen nach Kalifornien fahren, schliesslich hat man da in Pebble Beach vor Jahren eine eigene Infrastruktur aufgebaut, da muss man den Gästen zu Cola light und Erdnüsschen ja schon auch etwas bieten. Dieses Etwas ist eigentlich ein Revuelto, heisst aber Fenomeno, ist mit 1080 Hybrid-PS der stärkste V12 aller Zeiten aus Sant’Agata (steht so in der Presse-Mitteilung – gab es denn sonst etwas Stärkeres?), auf 29 Stück limitiert und etwa drei Millionen Euro teuer. Sie brauchen nun nicht daraufhinsparen, es sind alle schon verkauft. Wir würden Lamborghini allerdings und trotzdem wieder einmal etwas frischen Wind beim Design wünschen.

Lexus LFR

Seit Jahren wird über einen Nachfolger des Lexus LFA spekuliert, anscheinend waren die Japaner auch ganz kurz davor, einen elektrischen Hypercar vorzustellen. Doch jetzt haben sie sich anscheinend wieder anders besonnen – und auch wenn Lexus noch gar nichts erzählt zum Antrieb, so ist doch seit Goodwood klar: V8 ganz weit hinten vorne, Heckantrieb. Was uns ein bisschen erstaunt: Das Ding sieht aus wie der zukünftige GT3-Renner von Toyota, der schon 2022 durch die einschlägigen Medien geistert. Und ja, es wird auch eine Toyota-Version dieses Lexus geben – vielleicht, hoffentlich wirkt die dann ein bisschen weniger adipös.

Meyers Manx X Tuthill Porsche LFG

Das nennen wir mal einen Hybrid. Meyers Manx, wo seit ein paar Jahren wieder die ganz klassischen Dune-Buggy gebaut werden (auch elektrisch, übrigens), hat sich mit den englischen Porsche-Rallye-Racing-Spezialisten von Tuthill zusammengetan – und den Let’s F*ing Go! gebastelt. Technische Daten gibt es noch keine, aber klar, das arbeitet ein sicher anständiger Porsche-Boxer im Heck, Allrad gibt es auch, dazu jede Menge Bodenfreiheit und Carbon. Das dürfte ganz lustig werden, 100 Stück sollen entstehen.

Ringbrothers Aston Martin DBS

Die amerikanischen Ringbrothers sind bekannt für ihre fein gemachten Restomods. Und nein, sie haben nichts mit dem Nürburgring zu tun, sie heissen einfach so, Jim und Mike Ring. Bisher hatten sie sich auf Amerikaner beschränkt, in Monterey zeigen sie nun ihre Interpretation des Aston Martin DBS. Wobei man da schreiben muss, dass dies nicht wirklich ein Restomod ist, da muss keiner dieser Engländer dran glauben, es gibt ein neues Chassis, für anständig Vortrieb sorgt ein 5-Liter-Ford-Coyote mit Supercharger mit 805 PS. Und was mit der Karrosserie passiert ist, das sieht man ja auf dem Bild.

Shelby Super Snake R

Hier haben wir jetzt sogar einmal einen Preis: 224’995 Dollar. Shelby schreibt etwas von limitiert, aber das sehen die Amerikaner einigermassen locker, ab dann, wenn sie nichts mehr verkaufen können, ist dann fertig. Angetrieben wird das Biest von einem 5-Liter-Coyote, der mit Supercharger auf über 850 PS gebracht wird. Dazu kommt dann halt: Widebody, manuelles 6-Gang-Getriebe, Magnesium-Felgen, gut Carbon. Was man sehen muss: Der offizielle Mustang GTD von Ford hat weniger Dampf, dafür kostet er viel mehr.

Mehr Neuheiten haben wir im Archiv.

4 Kommentare

  1. Hömal Hömal

    Geht es nur mir so, dass ich die ganzen Super-Hyper-Überdrüber-Cars immer unspannender finde?

    Bei allen technischen Meisterleistungen wiederholt sich doch nur alles. Auch Designmäßig wird das alles immer unspannender. Beispiel Pagani: Ja, eh super. Und innen? Überladen kitschig. So wie der Bugatti Tourbillion. Alles irgendwie a la von Neureichen für Neureiche. Deren Bankkontohöhe eindeutig nicht mit ihrem Geschmack korrelliert.

    Für mich persönlich war der erste Veyron der Schlusspunkt. 1000PS, 400km/h – das war das letzte große Ausrufezeichen. Auch, weil da wirklich massiv Hirnschmalz reingeflossen ist, um das überhaupt möglich zu machen.

    Alles danach nur mehr: More of the same. Sorry für mein Gejammer, und ich mach’s auch nie wieder. Ich will ja niemanden langweilen. Aber dieses eine Mal musste ich das einfach los werden.

    • Peter Ruch Peter Ruch

      sehr richtig. danke.

    • Christian Christian

      Wieso? Passt doch, Deine und vermutlich auch die Meinung vieler anderer Menschen.

    • 100 % Zustimmung.

      Der McLaren F1 hatte noch etwas, alleine durch sein Gewicht und die mittige Anordnung des Fahrersitzes, er war relativ klein und sehr funktional, der Bugatti Veyron war wirklich eine technische Meisterleistung, fuhr sich in der Stadt und im Stau ähnlich wie ein etwas edlerer Golf und funktionierte wirklich perfekt.

      Danach kamen nur noch intergallaktische Kampfmaschinen mit furchterregendem Design, furchterregender Leistung und grenzenloser Stillosigkeit.
      Für mich völlig uninteressant.

      Und das absurdeste findet sich immer in den Sammlungen hier bei radical:
      Die Dinger werden ja so gut wie nicht benutzt, Kilometerstände wie mein Faltrad, reine Stehzeuge, kein abgenutztes Leder, keine Steinschläge, keine kleinen Macken in den Felgen, keine Autobahnjagden im Morgengrauen, keine Paßstraßen, nicht mal eine Fahrt ins Casino oder zum Abendessen in die Villa Serbelloni, nix, nur High-Tech in entfeuchteteten Garagen und ab und zu der Weiterverkauf in die nächste „Sammlergarage“.

      Eigentlich ist es zum Heulen!

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