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Fahrbericht Aston Martin Vantage Roadster

Und gut wäre

Der Typ steht vor Dir. Du weißt, er würde Dich ein kleines Vermögen kosten. In Schale geschmissen hat er sich extra für Dich. Dich in ein sündhaft teures Luxushotel in Austria eingeladen. Du hast Deine Beine getrimmt, die Gärten der Edellocation sind es auch, aus jedem Türmchen und jeder Verschnörkelung schreit es «Sisi!». Du bist nicht bereit, Dich blenden zu lassen, Du willst erst wissen, wie er sich anfühlt. Ob er auch willig auf Touren kommt. Hält was er verspricht.

Spoiler: Jein. Der New Vantage Roadster von Aston Martin ist so ziemlich der Gegenentwurf dessen, was momentan politisch korrekt auf den Markt kommt: Ein AMG-Herz mit 4.0-Liter V8 Twin-Turbo-Motor, 665 PS, optional Karbon Keramik Bremsen für bessere Performance, 325 km/h Topspeed. Verbrauch: egal. Er ist ein Geburtstagsgeschenk, eine offene Variante des Vantage Coupé mit den aktuellen state-of-the-art Technologien und 20 Prozent mehr Power zum 25. Geburtstag des V8 Vantage. Er sieht heavy aus, hat aber eine Aluminiumstruktur und Karosserieteile aus Komposit, weswegen er nackt nur 1665 Kilo wiegt. Sein Top zieht er in 6.8 Sekunden ein, keine Ahnung, warum das so ein wichtiger Wert ist. Ich würde nie einen Typen danach definieren, wie schnell er oben ohne ist.

Viel wichtiger ist das Gefühl. Der Body sieht unaufgeregt kompakt aus, wirkt einladend, das unsympathische Fischmaul, das er braucht, um die Kühlungskapazität zu erhöhen, muss man sich wegdenken. Ist man mal an der – angeblich – flachsten Windschutzscheibe in der aktuellen Modellpalette – und angeblich auch überhaupt unter seinesgleichen  – vorbei in den Fahrersitz hineingeflutscht, breitet sich ein Wohlgefühl aus. Die Sitze sind extrem willkommend. Und schmiegen sich noch näher an die Seiten von Po und Oberschenkel, wenn man in den Sportmodus schaltet, ein Gefühl der Sicherheit umfängt einen. Das versiegt auch nicht, wenn man der kurvigen Romantischen Alpenstrasse folgt, die im Roadbook steht. Die 8-Gang-Automatikschaltung verschluckt sich nie, natürlich gibt es für das Fingerspiel mit den Gängen die Paddel am Lenkrad. Satt ist das einzige treffende Wort, was die Er-Fahrung in Gänze wiedergibt. Die Testerin ist keine geübte Rennstreckenbezwingerin, es wird aber mit jedem kurvigen Kilometer klar, dass das Auto seine Stärken vor allem auf einem Rund ausspielen kann (ist da vielleicht Lance Stroll schuld daran? Angeblich hat der F1-Pilot Inputs gegeben zur Performance dieses Autos).

Dafür aber ist per se ein Cabriolet von heute nicht gedacht oder nicht mehr in dieser Form, früher waren ja die schnellsten auf der Piste immer nach oben offen. Der Aston Martin Vintage Roadster ist ein Luxusspielzeug, brachial wenn man will, sanft kann er auch, der interessant klingende Fahrmodus «Wet» kam bei diesem Test unter azurblauem Himmel nicht zum Einsatz. Bei vorgängigen Modellvarianten scheinen sich die Petrolheads darüber beschwert zu haben, dass man all diese Assistenzsysteme und den Fahrer unmündig machenden Aufpasserlis nicht deaktivieren kann, zumindest nicht unmittelbar. Jetzt kann man mit drei Klicks alle Systeme ausschalten. Tut man das, muss man das Auto auch wirklich fahren. Lässt man die Polizisten drin, wird man gefahren. Auch wenn eine Stärke dieser high end digitalen Technologien angeblich sei, dass das Fahrzeug nicht interveniert, wenn es versteht, wie der Fahrer tickt. Es soll also lernfähig sein und sich individuell anpassen, die Latte sozusagen höher legen an die Sicherheitsansprüche respektive tiefer, es piept und warnt später, wenn man zwar riskant fährt, aber nicht über die Stränge schlägt.

Ach ja, personalisieren kann man sich das Auto in unzähligen Varianten, eigentlich gefällt er aber genauso, wie er da stand. Ein bisschen dunkelblaugrün je nach Sonneneinfall, ein bisschen samtig, dunkles Leder drinnen, sehr fein verarbeitet Stich für Stich. Das Auto kostet ohne Extras inkl. MwSt 216 340 Franken.

PS: Am gleichen Tag, an dem diese Ausfahrt für Journalisten stattfand, verkündete Aston Martin, sie bringen den Vantage als S heraus. Man möchte Verständnis heucheln für das ewige schneller-höher-weiter der Konstrukteure, Aston Martin will seine Qualitäten übertreffen, etc. etc. In der dazugehörenden Mitteilung stehen Dinge wie «noch mehr Leistung», «unverkennbare Verbesserungen» oder «noch einnehmendere Fahrweise». Mir hat der Roadster gereicht, mehr braucht kein Spassfahrer, der Typ hatte mich im Sack. Und jetzt knallt man ihm «noch mehr» vors Fischmaul. Dach überziehen und abschleichen? Es wäre schön, würde man einem gut gelungenen Wurf mehr Zeit geben, ihn in der Wahrnehmung sacken zu lassen. Dann schafft man auch Klassiker.

Wir bedanken uns für diesen Text oben bei Dörte Welti. Ältere sowie ganz viele längst ausverkaufte Aston Martin haben wir im Archiv. Dazu gerade noch dies: Bei Tom Hartley Jr. steht gerade ein Aston Martin Valour zum Verkauf, einer von nur 110 von 2024. Er hat noch keine 3000 Meilen auf dem Tacho, Sonderfarbe Valhalla Andromeda Red, noch so dies und das, der Neupreis lag im vergangenen Jahr bei bei fast 1,7 Millionen Pfund. Und jetzt kostet das Ding – nach einem weiteren heftigen Rabatt – noch 1,15 Millionen Pfund. Das sind keine guten Anzeichen.

5 Kommentare

  1. Max Max

    Werter Herr Ruch, erst las ich heraus ich er bräuchte 6,8 Sekunden bis zur Höchstgeschwindigkeit. Das würde wohl aber auch den hartgesottensten Tester überfordern.

    6,8 Sekunden sind entscheidend beim schliessen ob plötzlich einsetzendem Platzregen. Nackig machen kann ruhig länger dauern.

    • Rolf Rolf

      „6,8 Sekunden sind entscheidend beim schliessen ob plötzlich einsetzendem Platzregen. “

      Oder Gas geben, dann kommt nichts rein, nächste Brücke oder Tankstelle ansteuern.
      Täglich ein bis dreimal zur Regenzeit in Florida geübt mit einem Mustang Cabrio.

  2. Rolf Rolf

    DB4 bis DB V8 und dann der DB9, so stelle ich mir Aston Martin vor. Elegant.
    Alles andere ist …..

    Anfang der 1980er an einem Strand in St. Tropez gab es ein Restaurant, welches hinter dem Haus einen Parkplatz hatte und vom Meer her von den Herrschaften mit kraftstrotzenden Daycruisern (oder als solchen genutzten Off-shore Rennbooten) angefahren wurde).

    Kam der satte V8 Sound vom Meer, klar.
    Kam er vom Parkplatz war es ein Aston DB V8, oft als Volante. Herrlicher Klang.

    • Einspruch, Euer Ehren!

      Die Vorläufer der DB4/5/6, der DB2, DB2/4 und DB Mk.III waren ebenfalls wundervolle Fahrzeuge!
      Mit dem traumhaften Motor von W.O.Bentley, mit wahnsinnig schlichten und dennoch hoch eleganten Karosserien und feinem Interieur. In ihrer Schlichtheit kamen sie den großartigen Lancia Aurelia GT’s sehr nahe.

      Und, Besserwissermodus ein, den DBS V8 gab es nicht als Volante, nach dem Verkauf des Unternehmens durch Sir David Brown an ein Konsortium namens Company Developments wurde die Front des DBS überarbeitet und der Wagen in Aston Martin V8 umbenannt.
      Erst 1978 wurde das Cabriolet „V8 Volante“ vorgestellt und ab 1979, zunächst vorwiegend nach Amerika, ausgeliefert. Besserwissermodus aus.

      Und noch eine Anmerkung:
      Ja, der DB7 war eigentlich nur ein teurerer Jaguar XK, ja, der DB7 hatte viele Gleichteile mit Ford Sierra und Scorpio im Innern, ja, er war kein „reinrassiger“ Aston Martin.
      Aber er war extrem elegant, rettete das Unternehmen vor dem Bankrott und fährt sich, besonders mit dem Sechszylinder-Kompressormotor, ganz formidabel!
      Und ein Aston Martin mit einem überarbeiteten Jaguar-Motor ist so viel mehr ein Aston Martin als einer mit einem AMG-Brülltriebwerk!

      Aber ansonsten gebe ich Ihnen vollumfänglich Recht und seit 1979 ist Aston Martin V8 Volante mein All-Time-Favorite…
      Und, ja, richtig, ich bin ein absoluter Aston Martin-Nerd, obwohl ich noch nie einen besessen habe. Vielleicht klappt’s ja noch irgendwann…

      • Rolf Rolf

        Ja, stimmt. Weiss ich, dass sie den David Brown mal aus dem Namen genommen haben. und auch, dass Lord Brett Sinclair noch im 6 Zylinder fuhr. Ich wollte mehr auf das Modell verweisen, mir fehlt das DB im Namen.
        Es waren auf jeden Fall die V8 mit dem Sound, damals die aktuellen Modelle. Können die Jungs an der Cote sich ja leisten, immer das neueste Modell.

        Ja, die vor dem DB4 waren auch schön, mich berühren sie aber nicht so.
        Wie geschrieben, gern gucke ich ja Inspector Barnaby, weil da schöne Autos vor schönen Häusern stehen. Zweimal ist eine DB6 Volante vorgekommen, sehr schön.

        Einmal übrigens, passt zu den aktuellen Berichten hier, ein roter Modena Spider mit Innenausstattung in Crema und Handschaltung. Sah vor dem alten Herrenhaus ein wenig „strange“ aus zwischen den dezenten Engländern.

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