Zurück zum Content

Interview: Matthias Walker, Managing Director Mazda (Suisse) SA

«Am Schluss entscheidet immer nur der Kunde»

Matthias Walker arbeitet nicht nur seit 25 Jahren bei und für Mazda – er war auch schon sehr oft in Japan. Nicht nur beruflich, auch privat. Die Frage, wie sehr ihn die japanische Lebensphilosophie beeinflusst, die erübrigt sich eigentlich. Wir stellen sie trotzdem.

Matthias Walker: Wir Schweizer und die Japaner haben viele Gemeinsamkeiten, Pünktlichkeit zum Beispiel, Höflichkeit, auch die Leidenschaft für unseren Job. Wo wir uns noch eine grosse Scheibe abschneiden könnten, das ist bei der Gastfreundschaft, auch beim Respekt. Ich will ein Beispiel nennen: Wenn du in Japan dein Fahrzeug aus dem Service abholst, dann wirst du von allen Mitarbeitern der Garage zu spüren bekommen, dass sie dankbar sind, dass du da bist. Wenn du dann losfährst, dann winkt dich jemand auf die Strasse, verbeugt sich – und bleibt so lange dort stehen, bis er das Auto nicht mehr sehen kann. Oder nehmen wir das Zugfahren: Auch wenn wir aus Tokio vielleicht manchmal andere Bilder sehen, so ist es doch total stressfrei. Es wird nicht gedrängt oder überholt oder geschubst, es wird nicht diskutiert, es wird nicht telefoniert im Zug. Das ist auch eine Frage der Erziehung, des Respekts – der öffentliche Raum gehört allen. Und das ist in Japan ganz tief verwurzelt.

radical: Bei Ihnen muss dann aber auch eine tiefe Verbindung zu Mazda bestehen?

Walker: Für mich ist das eine Symbiose. Ich identifiziere mich mit der Marke, aber auch mit der japanischen Kultur. Es gibt ganz viele Aspekte, die mir passen, gefallen sowohl in Japan wie auch bei Mazda, ob das nun die Leidenschaft ist, die Präzision oder die Hingabe. Dann die Ehrlichkeit: Das ist zwar von aussen nicht immer verständlich, doch es immer ein Miteinander. Gerade, wenn wir Probleme haben, dann suchen wir bei Mazda gemeinsam eine Lösung – und dann gehen wir diesen Weg. Nicht ein bisschen links oder rechts, sondern in einer klaren Richtung. Der Wankel-Motor ist ein gutes Beispiel dafür, aber auch die Elektromobilität. Wir sind nie auf den Zug aufgesprungen, dass es nur eine Technologie geben kann, das wird Mazda auch nie machen. Es geht aber auch um die Arbeitsmentalität: Man arbeitet nicht so ein bisschen für ein Unternehmen, sondern ist da voll mit dabei. Das entspricht mir schon sehr, das hält mich bei der Marke.

radical: Mazda geht nun schon seit vielen Jahren seine eigenen Wege. Das ist nicht immer so einfach für das Geschäft.

Walker: Das gibt es mindestens zwei Aspekte. Der Konsument weiss ja auch, was Mainstream ist, er ist gut informiert. Wenn man nun einen anderen Weg gehen will, dann muss man das auch entsprechend kommunizieren. Am Schluss interessiert den Käufer aber der Benefit – und das wird bei Mazda dann manchmal schon zur Herausforderung in der Kommunikation, denn im Herzen sind die Japaner bei Mazda keine Marketingmenschen, sondern Ingenieure, Designer, Autoliebhaber. Dazu kommt der zweite Teil, das übliche Geschäftsrisiko: Können wir uns mit neuen Technologien am Markt auch wirklich durchsetzen, sind sie so gut, so wichtig, dass die Kunden auch darauf ansprechen. Das wird auch unsere Chance sein beim 6e, das ist wirklich eine schöne Limousine. Ich bin das Fahrzeug jetzt länger gefahren – und ich wurde oft angesprochen, auch an Ladestationen. Das gilt auch für das Interieur, da haben wir wirklich grosse Fortschritte gemacht.

radical: Skyactiv ist so ein Beispiel – haben das die Kunden wirklich verstanden?

Walker: Da muss ich jetzt den Rahmen vielleicht etwas weiterziehen. Skyactiv ist ein Oberbegriff, hat zu Beginn, ab 2011 alles beinhaltet, von den Motoren über die Getriebe, aber auch das Chassis. Für die Japaner ist nun jeder kleine Fortschritt genau das: ein Fortschritt. Und darauf ist man stolz, auch wenn der Kunde das jetzt vielleicht nicht 1:1 im Portemonnaie mitbekommt. Es ging aber noch weiter, Mazda wollte flexibler werden auch in der Entwicklung und Fertigung – und kann deshalb heute sechs verschiedene Modelle auf dem gleichen Band laufen lassen. Bei den Motoren bedeutete Skyactiv auch, dass es eine gemeinsame Basis braucht, dann kann man sie flexibler montieren. Das bringt dem Käufer insofern etwas, als dass Mazda sehr effizient geworden ist. Da gilt übrigens auch für die Zukunft, die Elektro-Fahrzeuge werden auch auf dem gleichen Band hergestellt, es kommen also noch einmal mindestens zwei Baureihen dazu.

radical: Mazda gehört zu den wenigen Herstellern, die noch in den Diesel investieren.

Walker: Genau, aber auch dieser Motor läuft vom gleichen Band. Und ist sehr effizient. Die Kunden schätzen das, beim CX-60 und beim CX-80 liegt der Anteil bei über 50 Prozent. Man muss das innerhalb unserer Multi-Solution-Strategie sehen. Da sind einerseits die Anforderungen, etwa die gesetzlichen, andererseits die Kundenbedürfnisse, weltweit. Deshalb ist Mazda überzeugt, dass wir mehrere Technologien brauchen. Brauchen wir Elektromobilität? Absolut. Ist Elektromobilität sinnvoll? Absolut. Ist Elektromobilität die einzige Lösung? Absolut nicht. Deshalb entwickeln und bauen wir auch Dieselmotoren, investieren weiterhin in Benziner.

radical: Das erste Elektro-Fahrzeug von Mazda, der MX-30, war nicht sonderlich erfolgreich. Beim Mazda6e sind die Erwartungen nun höher?

Walker: Vor allem bauen wir jetzt zuerst einmal unser Portfolio aus. Die Erwartungen sind gross, vor allem weil wir überzeugt sind, die bestehende Mazda-Kundschaft mit einem E-Auto bedienen zu können, was es bisher nicht gab. Der Markt ist da, auch der Markt für Limousinen. Und ich denke, da haben wir ein sehr gutes Angebot, höchste Verarbeitungsqualität, elegantes Design, gutes Packaging.

radical: Was müsste in der Schweiz passieren, damit sich die E-Mobilität besser entfalten könnte?

Walker: E-Mobilität ist die Aufgabe eines ganzen Öko-Systems. Und das muss gefördert werden, nicht bestraft. Es gibt eine Road Map der Elektromobilität, in der ganz viele Player zusammenkommen, nicht nur Importeure, sondern auch die Politik, die Stromerzeuger, etc.. Die einzige Partei, die dabei knallharte Vorgaben hat, das sind die Auto-Hersteller und ihre Importeure. Eine Strommarkt-Liberalisierung, zum Beispiel, die gibt es nicht. Auch das Recht auf einen Zugang zum privaten Laden gibt es nicht, das wird noch dauern. Oder Transparenz bei den Strompreisen – an der Tankstelle ist gross angeschrieben, was ein Liter kostet, an den Schnellladern definitiv nicht. Wenn aber nicht das ganze Ökosystem mitspielt, dann wird das Spiel schwierig. Und es wird noch schwieriger, denn anstatt mit Belohnungen zu arbeiten wie in anderen Ländern, etwa mit Steuererleichterungen, werden jetzt wieder vier Prozent Importabgaben auf E-Fahrzeuge erhoben, über eine Energiesteuer wird auch schon wieder nachgedacht. Die Industrie hat ihren Auftrag erfüllt, es gibt schon über 200 verschiedene E-Fahrzeuge auf dem Markt. Doch es müssen jetzt schnell die richtigen Schrauben gedreht werden, sonst wird es schwierig.

radical: Wie kann Mazda der Kundschaft die E-Mobilität näherbringen?

Walker: Wir müssen die potenziellen Kunden besser informieren. Wer das E-Auto kennt, auch weiss, wo und wie er laden kann, dann ist das alles kein Problem. Aber wenn jemand noch nie mit Strom gefahren ist, noch nie laden musste, dann besteht da schon eine hohe Schwelle: Man kennt das ja nicht, weiss nicht, wie es funktioniert. Wir als Importeur, aber auch die Händler hätten das besser erklären müssen. Eines dürfen wir aber nie vergessen: Am Schluss entscheidet einzig und allein der Kunde. Und da geht es um sein Nutzerprofil, vielleicht auch seine Lebenseinstellung – es muss für ihn stimmen, er gibt sein Geld aus.

radical: Mazda bemüht sich um ein starkes Händlernetz.

Walker: Ja, das ist uns extrem wichtig. Unser Franchise-Modell ist für Investoren in der Schweizer Automobilindustrie attraktiv. Viele Marken haben versucht und versuchen noch immer, ein Agenturmodell zu implementieren: Wir glauben an ein Vertriebsmodell, das aus unabhängigen Unternehmern besteht. Unsere mitarbeiterorientierte Kultur schreibt den Händlern keine Prozesse vor, sondern weckt die Emotionen, die wir auch unseren Kunden vermitteln möchten. Die durchschnittliche Dauer der Partnerschaft zwischen Mazda und unseren derzeitigen Händlern beträgt 30 Jahre, 38 Partner feiern eine 40-jährige oder längere Partnerschaft, 15 davon sind seit über 50 Jahren bei Mazda. Diese Menschen wissen, was sie tun – und sie kennen Mazda.

Mehr Mazda haben wir in unserem Archiv.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert