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Blick nach China (Q3/2025)

2000 Kilometer Reichweite?

Liest man so die deutschsprachige Fachpresse, dann geht es den chinesischen Auto-Herstellern so richtig dreckig. Der Heimmarkt sei ganz schwach, riesige Halden von unverkauften Fahrzeugen – die Chinesen müssten ihre Autos jetzt dringend in Europa absetzen, sonst würden 8/7 der aktuell 119 Marken eher über kurz- als mittelfristig dem Untergang geweiht sein. Nun denn, es stimmt, dass der Gesamtmarkt in China schwächelt. Dies aus dem einfachen Grund, dass die reinen Verbrenner immer mehr in den Hintergrund rücken. Dies trifft die chinesischen Hersteller aber eigentlich nur über ihre Joint-Ventures mit den bekannten europäischen, japanischen und amerikanischen Hersteller. Ja, für Volkswagen, Toyota, Nissan, Mercedes & Co. läuft es im Reich der Mitte gar nicht – im Gegensatz zu den «jungen» chinesischen Marken, die sich auf die so genannten NEV (new energy vehicles, als Stromer, Plugin-Hybrid (ab sofort müssen sie mehr als 100 Kilometer elektrische Reichweite haben) und Fahrzeuge mit Range Extender) konzentrieren. Im September 2025 stiegen die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent, der Marktanteil liegt bei fast 60 Prozent; nach drei Quartalen wurden 10,45 Millionen NEV verkauft, 32 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Die aufgeschlüsselten Zahlen nach BEV, PHEV und EREV folgen dann im Laufe des Monats, sicher ist: In den Top Ten sind nur chinesische Brands. Ganz vorne liegt selbstverständlich BYD mit fast 30 Prozent Marktanteil (auch wenn die Marke im September zum ersten Mal seit Bestehen ein leichtes Minus (im Vergleich zum Vormonat, nicht zum Vorjahr) hinnehmen musste), gefolgt von Geely (wo die neue Untermarke Galaxy extrem erfolgreich ist) und Changan. Mehr Zahlen: BYD hat in den ersten neun Monaten des Jahres 3,2 Millionen Autos verkauft (plus 17,8 Prozent), Geely kam auf 1,2 Millionen (plus 113,9 Prozent…) – und Leapmotor, auch in der Schweiz vertreten, kam auf fast 400’000 Exemplare (plus 128,8 Prozent – Bild oben: B05, Bild unten: B05 Ultra). Noch ein anderer Hinweis, dass es der Branche nicht so schlecht geht: Xpeng, in Europa eher müde belächelt, und Chery gehen in Hongkong an die Börse – das macht man als Unternehmen nicht, wenn man nicht zumindest stabile Zahlen und gute Aussichten vorlegen kann. Gleichzeitig hat CATL, der grösste Akkuhersteller mit über 40 Prozent Marktanteil, dementiert, schon 2026 eine Feststoff-Batterie mit einer Reichweite von 2000 Kilometern auf den Markt zu bringen. Aber lange werde es nicht mehr dauern.

Die erstaunlichste Geschichte ist aber jene von Galaxy, einer im März 2025 gegründeten Tochter von Geely. Zwar werden die Galaxy schon seit 2023 angeboten, 2024 schaffte man schon fast 500’000 Exemplare, doch jetzt gehen diese Produkte durch die Decke, allein im September wurden 120’686 Stück verkauft, über 300 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Galaxy ist zwischen der Eigenmarke Geely und der Premium-Brand Zeekr positioniert, bietet für vernünftiges Geld hochwertige Technik. Und erstaunlich gutes Design, unten sieht man den Starshine 8. Und ganz oben, das Titelbild, zeigt den Zixin von GWM, ein Supercar mit selbst entwickeltem 4-Liter-V8-Doppelturbo-Plug-in-Hybrid, der schon im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll.

Mehr Neuheiten haben wir im Archiv.

1 kommentar

  1. Christian Christian

    China ist eine kommunistische Diktatur mit dem freundlichen Lächeln, das einen Staat suggerieren soll, der mit den westlichen Demokratien auf einer Stufe steht.
    Europa ist ein verfilzter, überbürokratisierter Laden, mit 27 egomanischen Ländern, die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse leben und Geopolitsch nichts mehr zu melden haben (Gott sei Dank, dann könnten sie sich um die eigenen Probleme kümmern!).
    Der europäische Markt ist gesättigt, die Infrastruktur dank jahrelanger Misswirtschaft kaputt. Dank hoher Lebenshaltungskosten, Steuern und Abgaben bleibt dem normalen Menschen zu wenig Geld übrig um damit in irgendeiner Weise sinnvoll zu investieren(Haus, Eigentumswohnung, Auto, allg. Konsumgüter).
    China ist ein Riesenmarkt (Einwohnerzahl!), das Potential um ein Vielfaches höher als in irgeneinem anderen Land. Waren bei uns die 1950er/60er Jahre die größten Wachstumsjahre für die Autoindustrie so ist die heutige Zeit das in China – nur eben viel, ganz viel größer.
    Leider haben die Herrschaften der Plüschetage vieles bis heute nicht begriffen. Sie dachten, als es vor Jahren super in China lief (mangels echter Konkurenz) das Sie sich zurücklehnen können und jedes Jahr kommt schon von alleine genung Geld herein. Irrtum, die Chings lernten schnell und gut! Man hat sich also auf die „Verkauft sich wie warme Semmeln“ eingerichtet und um den Markt noch besser ausbeuten zu können, hat man die Preise immer mehr angehoben, die Qualität abschmieren lassen und mit einer unsäglichen Gleichmacherei versucht, überall den gleichen Schrott zu verkaufen.
    In Europa wurden die Straßen schmal, die Parkhäuser über nacht zu klein und für China konnten die Karren gar nicht groß genug sein. Der häßlichen Geschmack sollte auch über die ganze Welt verteilt werden – nebenbei, denn der Gewinn muss ja stimmen. Die Fahrzeuge wurden öd, die Farben öder und die ganze Branche begab sich in die Ödnis – auch geistige Ödnis. Keine Phantasie, keine Ideen, Nix.

    China hat aber aus vielen Bereichen und Beobachtungen die richtigen Schlüsse gezogen und handelt danach. Europa macht was? Ja, Verbote, Vorschriften, Verzögern, Moralisieren, kurz, alles was keine Wertschöpfung und Weiterentwicklung bedeutet.
    China baut die neue Seidenstraße (Eisenbahn), wir verlagern weiter die Güter auf die Straße und Zug kommt bei uns bald keiner mehr. Wenn also in Hamburg dann keine Schiffe mit Maschinenantrieb anlegen dürfen, dann werden die Frachtsegler von Hand entladen wie vor 100 Jahren? China lacht über uns, und zwar immer lauter und mit Recht.

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