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Veränderungen bei Dacia

Baustellen, Regeln und ältere Herren

Es ist gerade etwas unruhig im Hause Renault. Der plötzliche Abgang von Luca de Meo ist in der Nachbetrachtung vielleicht gar nicht mehr so überraschend, wie er im Sommer noch auf den ersten Blick wirkte. Seit Ende Juli ist sein Nachfolger François Provost im Amt – und es macht den Eindruck, als ob es viel aufzuräumen gibt, als ob «Doer + Dreamer» de Meo (Eigendarstellung auf LinkedIn) doch so manche Baustelle hinterlassen habe. Provost stellt so ziemlich alles auf den Prüfstand, für Alpine und auch die Formel 1 soll es nicht so gut aussehen – und bei Dacia rollten schon erste Köpfe. Denis Le Vot hat das Unternehmen auf den 1. September verlassen (müssen?), gleichzeitig wurde Katrin Adt (Bild oben) auf den Thron gehoben. Diese Personalie kommt doch einigermassen überraschend, die deutsche Juristen hatte sich in der Vergangenheit nicht nur Freunde gemacht, war sie doch unter anderem verantwortlich für den Verkauf von zwei Dutzend Daimler-Niederlassungen; auch als Smart-Chefin hatte sie sich nicht nur mit Ruhm bekleckert, auch da war sie mehr die Abwicklerin als die Hoffnung auf eine strahlende Zukunft. Sie berichtet in ihrer neuen Funktion an Fabrice Cambolive, dem nun noch stärkeren Mann unter (oder neben) Provost.

Kürzlich, auf dem Dacia Product Day, auf dem die Renault-Tochter ein ganzes Füllhorn an Facelifts vorstellte, wirkte Adt noch nicht richtig sattelfest. Das hat sicher an ihrer kurzen Eingewöhnungszeit gelegen, aber ob sie je die Ausstrahlung ihres Vorgängers erreichen wird, der Dacia atmete, mit jeder Faser verkörperte, das muss sich noch weisen. Doch die Frage ist halt schon, in welche Richtung sich die rumänische Marke in Zukunft entwickeln soll – man wird aber davon ausgehen können, dass die Margen besser werden müssen. Was für die Konsumentinnen keine guten Nachrichten sind. Man kann nur hoffen, dass Dacia nicht in die Skoda-Falle fährt.

Prunkstück der Show war sicher der Hipster (Bild auch oben). Ein durchaus witziges Konzept eines E-Automobils, das für weniger als 10‘000 Euro auf den Markt gebracht werden soll. Das kantige Teil, das auf jeden Fall noch unter de Meo und Le Vot angeschoben worden war (und unter Aufsicht von Gilles Vidal, der das Unternehmen auch schon wieder verlassen hat, entworfen wurde), hat einen kleinen Nachteil: In seiner derzeitigen Konfiguration würde er in die Fahrzeugklasse L7e fallen. Damit würde man, zum Beispiel in der Schweiz und in Deutschland, einen „richtigen“ Führerschein (also ab 18) benötigen, um es fahren zu dürfen – im Gegensatz etwa zum Citroën Ami oder dem Fiat Topolino, die in die Klasse L6e gehören und schon ab 15 bewegt werden dürfen (zumindest in Deutschland). Zwar laufen Bemühungen, auch diese L7e-Fahrzeuge von der Führerscheinpflicht zu befreien, aber die Brüsseler Mühlen mahlen bekanntlich nicht immer nach den Vorstellungen der Auto-Hersteller. Ob die Regeln in einem sinnvollen Zeitrahmen so geändert werden, dass aus dem Hipster noch ein business-case entsteht, darf zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden.

Bei einem anderen Preview, nur wenige Tage vorher, dafür im engeren Kreis, zeigte Dacia noch ein weiteres Modell, bezeichnen wir es als C-Neo. Das wird dann ein SUV-Coupé, wahrscheinlich einfach ein abgeflachter Bigster. Und da sind wir schon irgendwie mitten im Problem von Dacia: up-scale, mehr Lifestyle. Folglich: Teurer. Denn das braucht eine neue Positionierung, das wiederum braucht mehr Marketing – und für diese warme Luft zahlt am Schluss die Kundin. Mehrwert für mehr Geld: null (denn eben, SUV-Coupé). Aber das ist ja auch beim Dacia-Sport-Programm der Fall, Herr Loeb wird den Sandrider wohl nicht nur aus purem Spass an der Freud durch die Wüsten dieser Welt prügeln. Aber mit nicht bloss uneigennützig handelnden älteren Herren hat der Renault-Konzern ja Erfahrung, das Gehalt von Flavio Briatore soll sehr anständig sein, mehr so im Bereich eines berühmten, noch aktiven Fussballers. Bei Dacia fragt man sich dann allerdings noch mehr, wo denn ein Technologietransfer vom Dakar-Buggy zu diesem allfälligen SUV-Coupé stattfinden könnte.

Ansonsten machen die Rumänen ihre Hausaufgaben ja fleissig und auch gut. Der rein elektrische (und rein chinesische) Spring wird immer erwachsener, man muss sich künftig überland nicht mehr vor drängelnden Sattelschleppern fürchten. Vor allem wurde aber das LPG-Programm deutlich ausgebaut, was den Schweizern zwar gar nichts bringt, aber für andere Märkte ganz toll sein soll; da wird es dann auch einen Sandero mit 155 PS geben, schon fast ein Hot Hatch. Was in der Schweiz weiterhin fehlt, sind die Plug-in-Hybrid-4×4 mit Multimode- oder Dualclutch-Getriebe für Bigster und Duster, damit würden die Zahlen durch die Decke gehen. Aber das kann ja noch werden: Marge würden sie bringen.

Mehr Dacia haben wir im Archiv.

1 kommentar

  1. erki erki

    Der Hipster .. 599 kilo 2 x 20 kw
    dann.. aber das kapieren die net.

    wird so nie kommen.. 🙂

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