German Car of the Year
Er macht das so ein bisschen heimlich, der Skoda Elroq. Still und leise hat er (in der Schweiz) seinen grösseren Bruder, den Enyaq, als meistverkauften E-Skoda überholt, sich so in die Top 15 der Verkaufsrangliste geschlichen, liegt dort bei den reinen Stromern hinter einem amerikanischen Produkt auf Platz 2. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich kaum je so einen Elroq auf der Strasse sehe. Was dann wiederum daran liegt, dass es wohl kaum ein unauffälligeres Fahrzeug gibt als diesen Tschechen; in Mamba-Grün, der Lackierung unseres Testwagens, bestellt ihn kaum jemand, als RS ist er eh noch nicht lange auf dem Markt.



Er kam ja überraschend spät, dieser Elroq, die Markteinführung erfolgte im Januar 2025, fast sechs Jahre nach dem ersten MEB-Produkt, dem VW ID.3. Warum es so lange dauerte, das ist ein Rätsel, aber anscheinend wollten die Tschechen warten, bis es ihnen möglich war, auch mit einem einigermassen kompakten, relativ preisgünstigen E-SUV Geld zu verdienen. Das schwächste Modell, den 170 PS starken Elroq 50, bietet Skoda in der Schweiz nicht an, es geht los mit dem 204 PS starken 60 für ab 36’960 Franken. Womit sich das relativ preisgünstig dann auch gleich wieder relativiert hat; der vergleichbare ID.3 (also Pro, auch mit 204 PS) kostet ab 38’400 Franken (und der Pure mit 170 PS ab 34’800 Franken). Für den RS sind dann schon mindestens satte 51’710 Franken fällig.



Das ist viel Geld für einen Skoda. Klar, Allradantrieb, 340 PS und 679 Nm maximales Drehmoment, einen 79-kWh-Akku, eine Reichweite nach WLTP von bis 548 Kilometern, eine maximale Ladeleistung von 185 kW – da ist der Elroq etwa einem Mokka GSE, den wir erst vor kurzem vorgestellt haben, auf dem Papier schon in mancher Hinsicht deutlich überlegen. Abgesehen von der Mamba-Lackierung und den feisten 21-Zöllern bleibt aber auch der RS-Auftritt einigermassen dezent. Innen wird beim RS reichlich Alcantara (also: Polyester) aufgetragen, ob der doch sportlichen Ambitionen des Modells hat uns dann das weiche Gestühl doch überrascht. Natürlich wird auch im Elroq viel über den Touchscreen, der ziemlich erratisch über der Mittelkonsole steht, geregelt, doch es gibt auch noch reichlich physische Tasten. Und für jedes Fenster einen eigenen Fensterheberschalter, das lästige Umschalten wie im ID.3 entfällt. Vorbildlich für diese Klasse: das Head-up-Display.








Auch wenn man nun erwarten könnte, dass 340 PS das 4,5 Meter lange und 1,61 Meter hohe SUV so richtig wild über die Gasse katapultieren, so sieht man sich schnell getäuscht. Zwar geht es im Sport-Modus schon sehr ordentlich voran, aber auf den Beschleunigungsknall anderer Stromer verzichten die Tschechen – man ist bestens motorisiert, doch das Fahrzeug nicht überfordert von der Leistung. Wobei, ein bisschen schon: Er kommt schon relativ bald ins Untersteuern, das ESP greift auch sehr früh und dann ziemlich grob ein. Das kann der Mokka GSE viel, viel besser – aber der ist auch stolze 600 Kilo leichter. Ja, da darf man sich schon ein bisschen fragen, woher die über 2,2 Tonnen Gewicht bei diesem Wagen kommen. Und wieso die Bremse so indifferent ausgestaltet sein muss, kein klarer Druckpunkt, dafür viel Kraftaufwand; sorry, aber das geht besser. Und noch eine Frage: Da diese härteste, auf Knopfdruck wählbare Fahrwerk-Abstimmung, für was soll die gut sein? Der Wagen hoppelt dann über die Gasse, dass man Angst haben muss um seine Plomben. Man muss nicht alles machen, nur weil es technisch möglich ist.




Er wurde nun von einer Fach-Jury zum «German Car of the Year» gewählt. Ganz knapp war es, aber Titel ist Titel, nach der Wahl fragt da niemand mehr. Auch da wieder: Still und leise hat er sich nach vorne geschafft, typisch Skoda. Wir mögen das den Tschechen gönnen, die machen im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen guten Job. Ob wir uns allerdings in ein paar Jahren noch an diese Ausfahrt mit dem Elroq, die uns im Rahmen der Wahl von GCOTY ermöglicht wurde, erinnern können, das wagen wir zu bezweifeln. Aber da steht der Skoda ja nicht allein.



Ja eh, Skoda hat einen guten Job gemacht!
Aber die anderen deutschen Hersteller haben nix Besseres geschafft?
Good night, der letzte soll bitte das Licht ausmachen …