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radical zero: Test Renault 4 electric

Kleine Fluchten

Es gibt diesen wunderschönen Film des Schweizers Yves Versin aus dem Jahr 1978, «Les petites fugues», kleine Fluchten. Der alte Knecht Pipe kauft sich ein Mofa – und erkundet damit zum ersten Mal in seinem Leben seine Umwelt. Klar, da geht es noch um mehr, aber der Anfang des Films ist herrlich, wie der alte Mann auf seinem Sackgeldverdampfer durch die Gegend knattert, lernt zu fahren – und die Augen zu öffnen für noch so viele Kleinigkeiten, die das Leben doch lebenswert machen. Mich hat der Renault 4 electric so ein bisschen an diesen Film erinnert – er ist sehr tauglich für solche «kleine Fluchten», mit der ganzen Familie. Der rein elektrische Franzose ist irgendwie so friedlich, so freundlich, als Stromer selbstverständlich auch sehr ruhig – sympathisch.

Der grösste Konkurrent des Renault 4 electric ist der Renault 5 electric. Selbstverständlich teilen sie sich brüderlich die Plattform, 68 Prozent der Bauteile sind gleich. Der R4 misst 4,14 Meter (R5: 3,92 Meter), ist 1,8 Meter breit (mit Spiegeln sind es 2,02 Meter, wie beim R5) und 1,57 Meter hoch (R5: 1,50 Meter). Das Plus an Länge kommt dem R4 beim Kofferraum zugute (420 vs 326 Liter), das Mehr an Höhe dem Raumgefühl. Beide Fahrzeuge wiegen etwas mehr als 1,5 Tonnen, wir hatten es bei unserem R4-Probanden mit der stärksten Version zu tun, Akku mit 52 kWh Kapazität, 150 PS, 245 Nm maximales Drehmoment, genau wie in unserem R5-Dauertest-Fahrzeug. Beide Fahrzeuge haben nach Werksangaben eine Reichweite von über 400 Kilometer, der (leichtere) R5 soll nach WLTP etwas mehr verbrauchen als der R4, 15,2 vs 15,1 kWh/100 km. Dafür geht der Fünfer deutlich flotter von 0 auf 100 km/h, 7,9 Sekunden, beim Vierer werden 8,6 Sekunden angegeben; beide Fahrzeuge sind bei 150 km/h elektronisch abgeriegelt. Ausser für Deutschland reicht das überall auf der Welt bei weitem.

Während nun der R5 electric schon sehr, sehr cool, schick ist, auch dynamisch richtig viel Spass macht auf der Gasse, wirkt der R4 schon von aussen irgendwie gemütlicher. Trotz hohem Aufbau und ganz vielen abenteuerlichen Accessoires will er aber kein SUV sein, mehr so die Familienkutsche, die Platzverhältnisse sind dann auch ansprechend, für ein 4,14 Meter langes Ding sowieso. Innen ist überhaupt gut, natürlich erinnert rein gar nichts mehr an den doch sehr kargen Vorgänger von einst – man hat ja aber in all diesen modernen Autos das Gefühl, man könnte vom Cockpit aus auch locker einen Flugzeugträger kommandieren. Dabei bleibt die Bedienung aber kinderleicht, Renault kann das, es gibt ganz viele Möglichkeiten für Abkürzungen (Ausschalten des Spurhalte-Assis oder des Tempolimitgebimmels), das macht man einmal, dann ist es und bleibt gut. Auch die Reise- und Ladeplanung funktioniert ganz simpel – so muss das sein (da sollten gerade die chinesischen Hersteller vielleicht einmal etwas genauer hinschauen). Man sitzt gut, auch auf längeren Strecken, die verarbeiteten Materialien erwecken einen hochwertigen Eindruck (trotz oder dank viel Recycling-Material), die Verarbeitung passt auch.

Während der R5 electric nun aber schon zu einer etwas forscheren Gangart motiviert, gleitet man im R4 electric lieber zufrieden einher. Es ist schwierig zu erklären, technisch, auch beim Fahrwerk, sind die beiden Fahrzeuge ja genau gleich, aber der Vierer fühlt sich irgendwie luftiger an, gemütlicher. Er könnte, er ist handlich, sehr agil, gute, direkte Lenkung – aber man muss ja nicht immer. Und so treibt man ihn denn auch nicht gar grob – was sich wiederum positiv auf den Verbrauch auswirkt. Und da zeigen die Franzosen der Konkurrenz im Moment schon, wo der Hammer hängt: Wir kamen nie über die 15 kWh/100 km, trotz winterlicher Bedingungen. Bewegt man den R4 mehr so in der Stadt und Agglomeration, dann gehen sich auch Werte unter 12 kWh/100 km aus – und das ist dann wirklich vorbildlich. Das gilt für die maximale Ladegeschwindigkeit von 100 kW nur bedingt, doch weil die Batterie auch nicht so gross ist, hält sich die Standzeit dann wieder in Grenzen. Man darf jederzeit mit einer Reichweite von 250+ Kilometern rechnen, wenn man das Fahrzeug im vernünftigen SOC zwischen 10 und 80 Prozent bewegt. Das reicht auf jeden Fall für eine kleine Flucht am Wochenende.

Unser Testwagen in der Ausführung techno kostet ab 34’700 Franken. Das ist gleich viel wie für einen ähnlich ausgestatteten VW Polo mit einem 1-Liter-Motörchen und 95 PS. Nein, ein Schnäppchen ist auch der Renault nicht, doch wir empfinden den Preis als ausgesprochen fair. Der R4 electric ist ein moderner, sehr sauber gemachter Stromer mit reichlich Platz, ausreichend Power, einem sehr guten Verbrauch. Vor allem ist er ein Sympathieträger. Kinder lächeln, wenn sie den eckigen Franzosen mit den angeschnittenen Kulleraugen sehen – und die Mütter dann ebenfalls.

Mehr Strom? zero. Alles andere: Archiv.

7 Kommentare

  1. Max Max

    Frage an Radio Eriwan: Warum müssen Kleinwagen 1 Meter achtzig breit?

    A: damit eine hässliche Konsole reinpasst.

  2. Geka Geka

    Bin den R4 beim Händler probegesessen.
    Passt tadellos.
    Also was Renault optisch raushaut (R5, R4, Clio neu) in letzter Zeit, ist das weit schönste für mich von Masseherstellern.

  3. Michelangelo Michelangelo

    Ist alles gut und überzeugend. Renault scheint seine Aufgaben wirklich gemacht zu haben. Und Elektro wird über kurz oder lang zweifellos die Zukunft zu sein (trotz erratischem Verbrenner-Aus, Nicht-Aus oder doch Ziemlich-Aus).

    Aber als Mieter in einer Überbauung mit Einstellhalle ohne Lademöglichkeit ist mit real gut 250 km Reichweite einfach nichts zu machen. No way. Ich gebe nicht Geld aus für einen Neuwagen, der meine Fahrdistanz drittelt.

    Also hege und pflege ich meinen 13-jährigen 3er Touring und hoffe, dass er es noch ein paar Jahre macht. Bis sich die Entwicklungskurve bei den Elektrofahrzeugen abflacht und die Ladeinfrastruktur (vor allem im Ausland) dichter ist.

  4. Christian Christian

    Zum Vergleich Daten des R4 Baujahr 1984:
    Länge 3,67m, Breite 1,48m, Höhe 1,55m, Leergewicht 710 Kg
    Leistung 34 PS bei 1,1 Liter Hubraum, 4 Zylinder Benzinmotor
    Verbrauch 5,9l/100km bei 34 Liter Tankinhalt entsprich etwa 500km Reichweite bei einer Reserve von ca. 50km – der Motor alledings mittels eines Vergasers versorgt.
    Höchstgeschwindigkeit 122 km/h Beschleunigung sicher nicht so berauschend.

    Was „fehlt“ diesem Auto?
    – Sicherheitsgedöns wie ABS, ESP, Traktionskontrolle, Fahrerüberwachungsysteme
    – Komfortgedöns wie Arschgrill, Klimaanlage, elektrische Helferlein wie Fensterheber
    – eine Verbrauchsoptimierte Einspritz- und Zündanlage, Katalysator

    Mit heute aktueller Motorentechnik und optmiertem Leichtbau käme so ein Auto sicher unter 3Liter auf 100km, wäre vemutlich auch 150km/h schnell und wäre auch wesentlich billiger und letztlich umweltfreundlicher. Für die täglichen Fahrten „um den Kirchturm“ vollkommen ausreichend.

    Bei einem Strompreis in einem Privathaushalt in Deutschland von aktuell 0,37€/KWh ergäbe das bei 15 KW/100Km einen Preis von 5,55 €/100km. Rechnen wir Spasseshalber mit 3,0l/100km eim optimierten Benziner zu 1,67€/l dann kommen wir auf 5,01€/100km. Das BEV kostet sicher 10 000€ mehr als der optimierte Benziner.
    Reichweite 300km zu 500km?
    Stromkosten und Strommix in Deutschland???
    Akku nach 8- 10 Jahren verbraucht = wirtschaftlicher Totalschaden des Elektrikers.
    Lademöglichkeiten und Ladeprozedur in Deutschland?
    Ist das BEV wirklich Nachhaltig oder ein „Leasingdauer-danach-Wegwerfauto“?

    Renault hat den R4 und R5 sicher gut gemacht und die Autos erfüllen sicher viele Ansprüche. Bei aller Euphorie bin ich aber der Meinung, dass diese Autos noch nicht der „Stein des Weisen“ sind.

    Friedliche und fröhliche Weihnachten!

  5. Rolf Rolf

    Der R5 ist wirklich gelungen, beim R4 kommt bei mir nicht wirklich was rüber.
    Er hat so wenig mit dem damals genialen ur-R4 zu tun und auch die Proportionen, im Verhältnis zum Vorgänger, sind nicht so gut getroffen wie beim R5.
    Und beide sind immer noch 10.000 Euro zu teuer.

  6. Heinz Karvin Heinz Karvin

    Danke für den Test!

    Und gutes, gesundes 2026…
    Zuerst einmal, nichts ist perfect.
    Und Renault sticht mit seinen beiden Autos R5 ( WILLHABEN FAKTOR)
    R4 ( muss nicht sein, macht einige Fehler, wird noch besser
    dazu later..) aus der trögen
    Masse an grauslichen Autos, 100% aller chinesichen Derivate, die an
    peinlicher Hässlichkeit und gefrodertem Kaufpreis, gehts noch? für diese
    Kackeimer gebe ich null bis nix aus.. und eine Diktatur, die Russland unterstützt.
    Nö. Die sollen in ihrer eigene Scheisse in China ersticken. gut. und aus dem Neo
    Königreich Usa gibt es auch nichts. Die sollen ebenfalls an ihrem Dünschiss ver
    enden-basta)

    wie sagt man: EUROPA ZUERST UND NUR EUROPA UND IMMER EUROPA..
    so schaut es aus.
    langsam, werden wir alle wach. da geht was.
    zb eine PAX ROMANA, weltweit.. die brauchen das wenn wir anfangen bösartig
    kreativ zu werden.
    Die Amis haben nur geld, aber kein Hirn.
    Die Chinesen pausen nur ab.
    Und Russen hatten noch nie ein.. H.. die sind Leibeigenschaft gewohnt und
    spurnen. oft für weniger als 2000 Euro.. ( Trotteln)

    Europa. Die Wiege des Autobaus.
    Was man machen sollte is, die leblosen Manager elliminiren und aus den Firmen
    werfen.
    Durch Menschen ersetzen, die Auto in der Dna haben.
    JUnge Leute mit Ideen und Skill.
    Hauts die alten Stinkesäcke raus..
    Dann mal überlegen, was so etwas heut zu Tage kosten darf.
    UND DAS ES DANN 12-15 JAHRE IM EINSATZ BLEIBT.
    WENIG GEWICHT
    NORMALE DIMENSIONEN ( sind die Strassen bei Ihnen in der Schweiz
    gewachsen? nÖ.. bei uns in Fulda auch net.. irre oder?)

    Wenn man mir die Karre schenkt, gerne jedes Jahr eine neue.
    WENN ICH DAS ZAHLEN MUSS… nope.
    14.900,- ist die bare, wahre Grenze. ( der Alte noch 6-7 tausen) ( der Händler
    kann gerne aus dem Fenster springen oder er ertränkt sich.. mir egal)
    KEIN BIS KAUM WARTUNG. geht 350.000 km ohne nix.

    zum R4 : Das ONE PEDAL DRIVE war nach dem Test der Grund, das der R4
    weg war. ( den Wagen wollte meine Frau.. zum vergessen, Nissan hat das auch..
    bitte nicht!)

    1-BREMSPEDAL– MACHT NICHTS AUSSER BREMSEN
    KEIN KONTAKT ZUM bescheurten Computer sys wie es derzeit in Autos verbaut
    ist. Wer das nicht kapiert, ist eh eine geistiger Pflegefall.
    Bremse- Abs- sensoren–ein GESCHLOSSENES SYS-das immer funktioniert.
    Und bitte wieder eine NORMALE HANDBREMSE.

    2-GASPEDAL..

    Ich hab 2 FÜSSE.

    kapiert das diese INDUSTRIE?
    Und bei einem Fehler diese Herschaften.. 100 Jahre Knast oder Strick!

    Der R5 ist seit 78.000 km untterwegs.
    Ein zweiter kommt dazu.
    Die Pv am Tach ist mit 12 kw klein, reicht aber von März-Oktober für
    täglich 45-50 KM.
    Wenn man hier optimiert, wird das wh bald 70 km sein.
    Oder fahren se jeden Tag 1000 km?
    -Pendeln = aufrichtiges Beileid
    – Urlaub.. dafür gibts eh den alten Diesel Kombi.
    Der wurde genau dafür nicht out gesoured..
    Oder, gar nicht.. Okay?
    —————————————————————————-

    radicalmag ist toll ich lese es hin und wieder
    Die alten und Schönen sind hinreisend, alle.
    Bei den neuen, fast nichts, was ich haben wollte.
    Und ferngelenkete Datengreifer, die lahmarschig und fehlernafällig sind.
    GANZ SICHER NICHT.
    ICH WILL KEIM KOMA auf RÄDERN. KEINE KI, nix.
    Ich will keine veraltete digital Technik die n ix kann ausser bla bla und so.
    Ich will nicht. reciht ja schon ggogel und co mit ihrem Mist.
    ( Mullvad browser 3 fach vpn und dazu Neusprech mal Vorrats daten Speicherung
    made in Germany.. dort rennt der Wahnsinn,, Im Auto nicht.)

    Heinz Karvin

    • Muha Muha

      Bitte achten Sie auf Ihren Blutdruck!

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