Senna!
(So ganz langsam wollen wir uns nun auch noch der Formel 1 widmen, da gibt es ja ganz viele schöne Geschichten zu erzählen. Das geschieht unregelmässig, also vor allem dann, wenn wir gute Bilder haben.)



Es war wohl eine der spannendsten Formel-1-Saisons überhaupt, 1986. 10 Mal wechselte die Führung in der Fahrer-Weltmeisterschaft, erst im letzten Rennen setzte sich Alain Prost auf McLaren durch. Es war dies die letzte Saison, in der die Turbos noch ohne jegliche Einschränkung genutzt werden durften – mit bis zu 11 bar wurde im Training mit speziellen Motoren gefahren, damit schafften die 1,5-Liter-Maschinen wohl bis zu 1200 PS. Beim Grossen Preis von Spanien gewann Ayrton Senna mit nur gerade 0,014 Sekunden Vorsprung auf Nigel Mansell, es war dies eine der knappsten Rennentscheidungen überhaupt (offiziell am knappsten: Peter Gethin 0,01 Sekunden von Ronnie Peterson, GP von Italien 1971). Es war auch das letzte Jahr, in dem die Zigarettenmarke John Player Special mit ihrem ikonischen Schwarz/Gold als Sponsor antrat. Und damit wären wir auch schon bei Fahrzeug, das wir hier vorstellen wollen, dem Lotus 98T.



Ayrton Senna (21. März 1960 – 1. Mai 1994) war 1984 mit Toleman in die Formel 1 gekommen, hätte wohl beim verregneten Grossen Preis von Monaco sein erstes Rennen gewonnen, hätte nicht Rennleiter Jacky Ickx Alain Prost durch vorzeitiges Abwinken den Sieg geschenkt; es war dies der Zeitpunkt, als die ewige Feindschaft zwischen Prost und Senna begann. Schon ab 1985 startete Senna aber für Lotus, holte sich im zweiten Rennen, dem Grossen Preis von Portugal, bereits den ersten Sieg, kam am Ende der Saison auf den guten, nicht erwarteten 4. Rang. 1986 rechneten sich die Engländer unter Teamchef Peter Warr weitaus bessere Chancen aus, Gérard Ducarouge hatte ein komplett neues Chassis entwickelt, Renault schickte aus seiner Entwicklungsabteilung den EF15bis ins Rennen, der bis 12’500/min drehte und im Renntrimm auf 900 PS kam; dass mehr möglich war, hatten wir oben schon angetönt. Und Senna nutzte diese, setzte beim ersten Rennen, dem Grossen Preis von Brasilien, gleich mal die Pole (und wurde im Rennen Zweiter hinter Nelson Piquet), knallte beim Grossen vom Spanien eine Fabelzeit auf den Asphalt, gewann auch das Rennen, denkbar knapp, wie man unterdessen schon weiss.


















Im Verlauf der Saison gewann Ayrton Senna dann auch noch den Grossen Preis der USA (wo er auch die Pole gesetzt hatte), doch gegen Ende des Jahres verlor Lotus etwas den Schwung. Im letzten Rennen gewann Alain Prost noch den Weltmeistertitel (weil der vorher führende Nigel Mansell einen Reifenschaden hatte), Senna schied aus, wurde wieder Vierter in der Weltmeisterschaft. 1987 gewann er auf dem 99T (erstmals mit aktiver Aufhängung) wieder zwei Rennen, es sollten die letzten Siege von Lotus sein; 1988 wurde der Brasilianer dann zum ersten Mal Weltmeister, dies aber auf McLaren-Honda. Der hier gezeigte Lotus 98T, Chassis-Nummer 03, ist das Siegerauto von Senna in Spanien und den USA, er fuhr damit fünf Pole Positions. 98T-03 wird von RM Sotheby’s Anfang März 2026 in einer «sealed»-Auktion angeboten, erwartet werden 9,5 bis 12 Millionen Dollar.

Andere spannende Fahrzeuge haben wir im Archiv.


Senna verstarb 1994, nicht 1990. Einer der leider unvergesslichen Tage…
Alain Prost war 1986 auf McLaren und nicht auf Williams-Honda Weltmeister
Lotus in JPS-Lackierung = ein echter Hingucker und die 80er waren in der Formel 1 wirklich eine „geile Zeit“.
Turomotoren, Groundeffect, Telemetriedaten und charismatische Fahrer. Da lies man es noch einemal so richtig krachen.
Der BMW 4 Zylinder Turbo schafte in der Qualifikationsrunde bei 1,5 Liter Hubraum kurzfristig 1400 PS!
Lägendar auch die Aussage eines BMW-Ingenieurs zu Paul Rosche: „Herr Rosche, wenn der Piquet bei ena vorm Büro auf`s Gas steigt, hot er erst vorm WC an Ladedruck“.
Gemeint war der Ausdruck der Telemetriedaten auf Papier, der im Flur des Entwicklungsbüros ausgelegt wurde. Und dann die Ausfälle, wenn mal wieder so ein Turbo in Rauch aufging. Oder das Benzin nicht mehr reichte. Dann gewann sogar mal wieder eine Sauger-Auto.
Alain Prost wurde der Sieg geschenkt. Das stimmt. Ironischerweise fehlte ihm zum Schluss 0.5 Punkte auf den WM Titel. Hätte er Monaco auf dem zweiten Platz abgeschlossen, wären das 6 Punkte gewesen, nicht 4.5 für den ‚halben‘ Sieg und er wäre Weltmeister geworden. Ich strahlte damals vor Schadenfreude.
Wahrscheinlich wären es aber nur 4 Punkte geworden, denn Belloff hätte Prost (und vielleicht auch Senna) auch noch geknackt.
Ein unheimlich schönes Rennauto.
Nur die Ferrari waren ebenso hübsch, die anderen sahen live eher wie Plastikkisten aus. Damals bin ich sogar rauchend auf JPS umgestiegen, weil die glänzend schwarze, flache und breite Verpackung so schick auf dem Tisch lag.