Der Vorläufer
Als Maximillian Edwin Hoffmann 1904 in Wien geboren wurde, war er zuerst einmal umgeben von Nähmaschinen und Fahrrädern; seine Vater besass eine Fabrik für dieses und jenes. Doch der Vater von Hoffmann war auch begeistert vom Automobil – und der kleine «Maxie» wurde früh vom Virus angesteckt, fuhr in den 20er Jahren Auto- und Motorradrennen, gründete dann 1934 Hoffmann & Huppert, importierte etwa Volvo nach Österreich. 1938 wurde die Luft dünn für Hoffmann (sein Vater war Jude), er emigrierte zuerst nach Paris, 1941 dann nach New York. Dort fertigte er zuerst billigen Modeschmuck, 1946 änderte er seinen Namen in Hoffman, 1947 begann er mit dem Import europäischer Sportwagen und gründete dafür die Hoffman Motor Company. Das erste Fahrzeug, das er zu verkaufen versuchte, war ein Delahaye mit einer Karosserie von Figoni & Falaschi, 1948 kam dann der Import von Jaguar an die Ostküste dazu, zudem Rolls-Royce, Bentley, Austin und weitere englische Marken, ab 1950 verkaufte Hoffman auch VW Käfer, doch das war ihm bald öd. Über die Jahre erlangte Max Hoffman eine entscheidende Rolle für die euuropäischen Hersteller, auf seine Initiative entstanden die Mercedes 300 SL und 190 SL, der BMW 507, die Giulietta Spider von Alfa Romeo.
Doch hier geht es ja um Porsche. 1950 hatte der Schweizer Journalist Max Trösch, dem unbedingt einmal eine grössere Geschichte gewidmet sein sollte, Hoffman Bilder der ersten Porsche 356 gezeigt. Maxie bestellte zwei Stück. Nachdem er sie zur Probe gefahren hatte, reiste er umgehend nach Paris, traf dort auf dem Autosalon Ferdinand Porsche, bestellte noch einmal 15 Exemplare – und wurde per Handschlag zum inoffiziellen Ansprechpartner der Stuttgarter für Nordamerika erklärt. Um die Fahrzeuge bekannt zu machen, fuhr er selber Rennen damit, ganz ordentlich, auch das Geschäft lief so, ganz ordentlich, 32 Stück konnte er 1951 verkaufen. Doch Hoffman hatte einen Wunsch, ein 356 Cabrio, aber leichter, auch günstiger, maximal 3000 Dollar sollte das Fahrzeug kosten, 1500 weniger als das Cabrio. Eigentlich wollte er einen strassentauglichen Rennwagen.
Ja, später, ab 1955 entstand dann daraus der legendäre 356 Speedster. Aber vorher, 1952 kam der Typ 540, besser bekannt als America Roadster – und ansonsten ziemlich unbekannt. Das liegt auch daran, dass nur gerade 17 Stück gebaut wurden. Aber da müssen wir jetzt zuerst noch einmal einen Ausflug in die frühere Geschichte machen (die ganz frühe Geschichte von Porsche gibt es sehr ausführlich: hier). Als das noch junge Unternehmen 1949 aus dem österreichischen Gmünd nach Stuttgart zog, wurden sofort (wieder) Bande zum Karosseriewerk Reutter geknüpft, das sich auf der anderen Strassenseite befand. In der Folge kleidet Reutter bis 1963 über 60’000 Exemplare des 356er ein, wurde dann von Porsche übernommen. 1951 waren die Bande aber noch zart, die Kapazitäten bei Reutter erst im Aufbau, also vergab Porsche den Auftrag für den America Roadster an Gläser-Karosserie Weiden. Gläser nun, gegründet 1864 in Dresden, hatte schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich, gehörte bis zum Ende des 2. Weltkriegs zu den bedeutendsten Karosseriewerken in Deutschland, wurde von Roten Armee nach 1945 zerschlagen. Doch Erich Heuer, Sohn des langjährigen Gläser-Geschäftsführer Emil Heuer, hatte ein paar Maschinen in den Westen retten können, erhielt ab 1950 Aufträge von Porsche für 356 Cabrio (237 Ex., wahrscheinlich) – und eben auch jenen für den Typ 540 (was erklärt, dass diese America Roadster zwar mit Gläser (für die USA: Glaser) angeschrieben sind, aber gerne als Heuer-Konstruktionen bezeichnet werden).
60 Kilo fanden Gläser/Heuer, knapp über 600 waren es noch, der Aufbau wurde sorgfältig in Alu gedengelt, es gab bloss ein Notverdeck und auch sonst keinerlei Komfort. Als Antrieb diente die damals stärkste Maschine, 70 PS aus 1,5 Liter Hubraum, damit war man anständig unterwegs. Bloss war es kein gutes Geschäft, obwohl der Typ 540 dann mit 4600 Dollar angeschrieben war, weder für Porsche noch für Hoffman und schon gar nicht für Gläser/Heuer, im November 1952 musste das Unternehmen Konkurs anmelden. 16 dieser America Roadster gingen nach, ist ja wohl klar, ein letztes Fahrzeug (mit Stahl-Karosse) blieb in Deutschland; es existiert noch, von den Alu-Modellen soll es noch 10 Stück geben. Selbstverständlich sind diese Fahrzeuge heute extrem wertvoll, das gute Stück (Chassis-Nummer #12353), das wir hier zeigen, wird von RM Sotheby’s im August 2026 in Monterey versteigert, erwartet werden 2 bis 2,5 Millionen Dollar.
Mehr seltene Porsche haben wir im Archiv.

