Zuverlässig
Schon im Oktober 1975 begann BMW mit der Produktion seiner ersten 6er-Reihe, intern als E24 bezeichnet, doch erst auf dem Genfer Salon 1976 wurden der 630 CS und der 633 CSi öffentlich vorgestellt. Der Nachfolger des E9 war deutlich grösser und schwerer (4,76 Meter, ab 1400 Kilo) – und sollte mit einer Bauzeit von über 13 Jahren (das letzte Exemplar rollte 14. April 1989 vom Band) das am längsten gebaute BMW-Modell überhaupt werden. Insgesamt wurden 86’219 (oder doch nur 86’216?) Stück gebaut, der ganz grosse Erfolg war das jetzt nicht. Und bis vor kurzem waren diese 6er relativ günstig zu haben (abgesehen vom M635CSi und dem Alpina B7 Turbo), unterdessen ziehen die Preise leicht an, ohne aber in absurde Sphären abzudriften. Und ja, so ein 635 CSi (ab 1978, 3,5 Liter Hubraum, 218 PS, Saugrohreinspritzung), das ist dann schon ein feiner Gran Turismo. Und war dann ab 1981 auch ein gutes Renn-Fahrzeug.
Ab 1982 galt bei den Tourenwagen das Gruppe-A-Reglement. BMW tat da als Werk nicht offiziell mit, es war eine komplizierte Konstruktion: Die Karosse wurde bei Karmann speziell verschweisst, BMW lieferte Fahrwerk, Bremsen, Sicherheitstank und diverse Anbauteile – und Alpina den Motor. Ein Gruppe-A-635er kostete rund 120’000 Mark, für den Antrieb mussten von den Kundenteams noch einmal 35’000 Mark abgedrückt werden, etwa 70 dieser Kunden-Wagen konnten verkauft werden. Und dann gab es wohl noch 10 Stück, da war die Unterstützung des Werks über Schnitzer Motorsport etwas intensiver. Trotzdem: Eigentlich hätte der BMW chancenlos sein müssen, die Turbo-Volvo kamen auf etwa 350 PS, die Jaguar XJ-S auf weit über 400 PS – und der 635 CSi musste mit 300 PS auskommen. Dafür war der Bayer sehr einfach zu fahren, ziemlich sparsam – und vor allem sehr zuverlässig. Drei Mal wurde er Tourenwagen-Europameister, 1981 (Helmut Kelleners), 1983 (Dieter Quester) und 1986 (Roberto Ravaglia), drei Mal gewann er die 24 Stunden von Spa-Francorchamps.
Und damit wären wir auch schon beim Fahrzeug, das wir hier zeigen, Chassis-Nummer E24 RA2-79, das Siegerfahrzeug von Spa im Jahr 1986, am Steuer Quester/Tassin/Heger. 10 Rennen bestritt der wagen in der Saison 1986, nur zwei Mal fiel er aus, neben dem Sieg in Spa waren zwei zweite Plätze in Donington und auf dem Hockenheimring seine beste Platzierungen. Am Lenkrad Platz nahmen unter anderen Gerhard Berger, Roberto Ravaglia und Emanuele Pirro. 1987 wurde der BMW an einen Privatfahrer verkauft, 2017 an den jetzigen Besitzer, der das Fahrzeug zwischen 2017 und 2024 von der Graber Sportgarage im schweizerischen Toffen restaurieren, warten und für Renneinsätze vorbereiten liess. Wieder im klassischen «Genuine BMW Parts»-Look lackiert, wird der Wagen von RM Sotheby’s in München 2026 versteigert, erwartet werden 500’000 bis 700’000 Euro. Ja, kauft Rennwagen!, gerade solche Exemplare mit guter Geschichte werden im Preis nur noch steigen.
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