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Chevrolet Corvette Grand Sport

Frustrierend

Frederic Donner tobte (kein Wunder bei dem Namen). Eigentlich hätte der Boss von General Motors Ende 1962 ja glücklich sein müssen, vor ihm lagen ein paar Artikel über eine neue Wunder-Corvette, die gerade in Sebring getestet worden war, beste Werbung also für die Corvette C2, die erst im Sommer vorgestellt worden war. Doch GM betrieb offiziell keinen Rennsport (wie Ford und Chrysler seit 1957 auch nicht), ausserdem hatte Donner nichts gewusst vom lustigen Treiben der Truppe um Corvette-Chefingenieur Zora Arkus-Duntov, also musste er toben. Und Donner verbot per sofort und für immer, dass das Projekt einer Renn-Vette fortgesetzt wurde.

Es war ein Fehler. Denn was Arkus-Duntov da auf die Räder gestellt hatte, das hätte das Zeug zum grossen Erfolg gehabt. In der Silhouette sah der Grand Sport zwar aus wie eine C2-Corvette, doch unter der aerodynamisch optimierten Fiberglass-Karosse war das ein für die damalige Zeit sehr fortschrittlicher Rennwagen, Rohrrahmen aus ganz dünnen Blechen, überall Alu, wo Alu halt ging, sogar Magnesium-Teile, Girling-Scheibenbremsen rundum, Plexiglas-Scheiben seitlich und hinten. Das neue Gerät wog noch 860 Kilo, ein Sting Ray lag damals bei etwa 1450 Kilo. Fünf Chassis wurden gebaut, zwei Roadster, drei Coupé – und weil der Grand Sport ja nicht unter GM-Farben rennen durfte, verteilte Arkus-Duntov die Rennwagen unter geneigten Teams. So kam Chassis-Nummer #003, die wir hier auch zeigen, zu Dick Doane, der sich selber als «weltberühmtester Corvette-Händler» bezeichnete, der zwischen Juli und November 1963 bei acht SCCA-Rennen zwei Klassensiege schaffte. Und dies mit einem ganz profanen 327ci-Small-Block, Gusseisen.

Ende 1963 war sich Arkus-Duntov sicher, genug Daten gesammelt zu haben für den nächsten Schritt. Denn mit der Unterstützung von Chevrolet-Chef Bunkie Knudsen hatte er den Grand Sport in aller Heimlichkeit weiter entwickelt, mit einem grossen Ziel: Die Corvette musste schneller sein als die Cobra von Carroll Shelby. Ein gutes Gelände, das zu beweisen, war die Bahamas Speed Week, für die Arkus-Duntov die drei Grand-Sport-Coupé dem Team von John Mecom Jr. anvertraute. Optisch hatten die Corvette sich schon deutlich verändert, waren breiter geworden, doch die wichtigste Verbesserung befand sich unter der Haube: ein eigens konstruierter 377-ci-Alu-Motor, also 6,2 Liter Hubraum, vier Weber-58-DCOE-Vergaser. Es gab bei verschiedenen Rennen Klassensiege, vor allem aber: Der Grand Sport war immer schneller (und zuverlässiger) als alle Cobra. Und es drehten ein paar amerikanische Legenden am Lenkrad, Jim Hall, Augie Pabst, A.J. Foyt, Dick Thompson. Bloss: Donner donnerte wieder, auch Knudsen musste seine Unterstützung einstellen. Es gab noch einen grossen Auftritt, die 12 Stunden von Sebring, dies dann mit einer 377-ci-Gusseisen-Maschine, doch selbst Arkus-Duntov waren jetzt die Hände derart gebunden, dass an eine weitere Entwicklung nicht mehr zu denken war.

Das Fahrzeug, das wir hier zeigen, also Chassis-Nummer #003, wird von RM Sotheby’s in Monterey 2026 versteigert, erwartet werden 11 bis 13 Millionen Dollar. Der Grand Sport wurde mit gewaltigem Aufwand restauriert, sogar ein 6,2-Liter-Alu-Motor neu aufgebaut – und er ist kein Ausstellungsstück, sondern kann jederzeit auch bei historischen Rennen bewegt werden.

Mehr seltene Corvette haben wir: hier. Und andere spannende Automobile im Archiv.

1 kommentar

  1. B.P. B.P.

    Also war es damals so wie heute: sture, überbezahlte inkompetente Idioten am Steuer von Autokonzernen….. Wer hätt sich das gedacht. 😉

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