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Fahrbericht Ducati Multistrada V4 Rally

Fast schon zu perfekt für grosse Gefühle

Mit der Multistrada hat Ducati 2003 ein Motorradkonzept auf die Strasse gestellt, das eine bis dahin kaum besetzte Nische perfekt getroffen hat: sportliche Performance, aufrechte Ergonomie und echte Reisetauglichkeit in einem Paket. Die Formel war damals so einfach wie überzeugend – und sie funktioniert bis heute. Gerade für die Ducatisti, deren Alltag meist nicht auf der Rennstrecke spielt, bietet die Multistrada das passende Gegenstück zu den Supersport-Exzessen: mehr Übersicht im Stadtverkehr, mehr Komfort auf der Langstrecke und genug Federweg, um auch dorthin zu fahren, wo der Asphalt einmal in einen Feldweg mündet. Dass dieses Konzept auch wirtschaftlich funktioniert, zeigen die Zahlen eindrücklich: Mit weltweit 13’873 ausgelieferten Motorrädern im Jahr 2025 blieb die Multistrada Ducatis erfolgreichste Modellfamilie und eine der wichtigsten Baureihen der Marke überhaupt.

Der anhaltende Erfolg beruht längst nicht mehr nur auf dem ursprünglichen Grundkonzept, sondern auch auf Ducatis Fähigkeit, die Baureihe regelmässig mit frischer Technik aus dem eigenen Hightech-Fundus aufzuwerten. Der Wechsel vom traditionellen V2 auf den V4 im Jahr 2021 war dabei ein eigentlicher Wendepunkt: Statt des desmodromischen L-Twins arbeitet seither der 1158 cm³ grosse V4 Granturismo mit gegenläufiger Kurbelwelle im Dienst der Reiselust. In den Foren sorgte das damals für reichlich Stirnrunzeln, im echten Leben aber vor allem für ausgezeichnete Laufkultur, linearen Druck und erstaunliche Gelassenheit.

Genau das macht auch die aktuelle Rally so stark. Der Motor schiebt die mit gefülltem Tank gut 260 Kilogramm schwere Reiseenduro bereits aus tiefen Drehzahlen souverän an und dreht bei Bedarf in einen sehr sportlichen Bereich, ohne je angestrengt zu wirken. Dazu kommt das fein abgestimmte Zusammenspiel aus fünf Fahrmodi – Sport, Touring, Urban, Enduro und Wet –, Ride-by-Wire, Quickshifter und semiaktivem Skyhook-Fahrwerk, das die Multistrada je nach Einsatz von entspannt bis engagiert umpolen lässt. Im Touring-Modus fährt sie sich angenehm geschmeidig, im Sport-Modus spürbar direkter. Im Urban-Modus wird die Leistung auf rund 115 PS reduziert, was die Gasannahme noch gutmütiger und kontrollierbarer macht, während der Wet-Modus für nasse und rutschige Fahrbahnen ausgelegt ist.

Die Multistrada V4 Rally positioniert sich innerhalb der Familie als konsequenteste Reiseenduro-Version: 30-Liter-Tank, jeweils 200 Millimeter Federweg vorn und hinten sowie serienmässige schlauchlose Speichenräder setzen klar auf Langstrecke und gröberen Untergrund. Für das Modelljahr 2026 hat Ducati die Rally an entscheidenden Stellen weiter verfeinert, ohne ihren Charakter grundlegend umzubauen.

Das eigentliche Herzstück des Updates ist allerdings kein neues Bauteil, sondern ein neuer elektronischer Algorithmus: der Ducati Vehicle Observer, kurz DVO. Das aus der Panigale V4 abgeleitete und von Ducati Corse in der MotoGP entwickelte System simuliert in Echtzeit die Eingangssignale von 70 Sensoren und ergänzt damit die Daten der bestehenden Inertialplattform. Daraus berechnet es unter anderem die räumliche Lage und die Gesamtmasse des Motorrads – inklusive Gepäck und Sozius. Diese Informationen fliessen in die Regelstrategien der elektronischen Fahrhilfen ein, insbesondere in jene von Kurven-ABS und Ducati Wheelie Control. Sie sollen dadurch noch präziser arbeiten, ohne dass der Fahrer davon im Idealfall überhaupt etwas bemerkt.

Neben all dieser Elektronik gibt es auch noch ein paar handfeste Neuerungen: Die hintere Bremsscheibe ist von 265 auf 280 Millimeter angewachsen, was der Rally beim kräftigen Verzögern zusätzliche Reserven verschafft. Der neue Quickshifter DQS 2.0 kommt ohne Mikroschalter im Schaltgestänge aus und arbeitet stattdessen mit dem Positionssensor der Schaltwalze. Ducati verspricht dadurch ein direkteres Schaltgefühl mit kürzeren Schaltwegen – und das ist tatsächlich spürbar. Die Windschutzscheibe ist 40 Millimeter höher und 20 Millimeter breiter geworden, was auf der Autobahn ein angenehmes Plus verschafft. Optisch bleibt die Rally ihrem vertrauten Auftritt treu, doch die neue Lackierung Jade Green/Brushed Aluminium mit goldenen Speichenrädern sorgt für einen frischen, eher zurückhaltenden Auftritt. In der Schweiz kostet sie 600 Franken mehr als die klassische Ducati-Red-Ausführung.

Fast schon zu perfekt, um wahr zu sein: Das war mein erster Gedanke, als ich die Multistrada V4 Rally aus dem Stand die ersten Kilometer bewegte. Sie erinnerte mich an meine ersten Fahrerlebnisse in einem Porsche 911 vor rund 30 Jahren. Auch damals fühlten sich Haptik und Fahrverhalten so solide, durchdacht und hochwertig an, dass das Ganze beinahe etwas steril wirkte – zu perfekt, um auf Anhieb grosse Emotionen zu wecken. Bei der neuen Multistrada ist das ganz ähnlich. Einzig die Blinkerschalter wirken für ein Motorrad dieser Preisklasse etwas gar klein und haptisch wenig eindeutig. Geschaltet wird dagegen hoch wie runter butterweich, mit dem Quickshifter sowieso: Klick, klick – schnell und präzise. Der Antritt ist ohnehin überwältigend, und ab etwa 5000 Umdrehungen entwickelt der V4 eine fast schon rennmotorartige Intensität. Die Bremsen lassen sich äusserst fein dosieren, die Federung findet eine überzeugende Balance zwischen Komfort und Präzision.

Eigentlich bin ich kein Fan allzu zahlreicher elektronischer Helfer, aber bei der Multistrada bin ich auf den Geschmack gekommen. Man ist auf diesem Motorrad tendenziell ohnehin immer zu schnell unterwegs: Gut geschützt hinter der grossen Scheibe werden aus subjektiv gefühlten 80 km/h im Radar-Sucher rasch einmal 100 und mehr. Genau da ist der adaptive Tempomat mit Abstandsregelung ein willkommener Schutzmechanismus. Und weshalb sollte man sich nicht auch innerorts bei eingestellten 54 km/h mit reichlich Abstand an das vorausfahrende Auto hängen?

Die grössten Stärken der Rally zeigten sich jedoch dort, wo man sie erwartet: am Pass. Auf einer zweitägigen Ausfahrt über Ricken, Stoss, Lukmanier, Nufenen, Grimsel, Susten und Klausen war die Rally eine nahezu perfekte Begleiterin – souverän in schnellen Bögen, handlich in engen Kehren und komfortabel auf den Verbindungsetappen. Etwas ärgerlich war einzig, dass die zum Ausstattungspaket meines Testmotorrads gehörenden Aluminiumkoffer beim Transport von Genf nach Zürich irgendwo hängen geblieben waren. Ein wasserdichter Reisesack erfüllte seinen Zweck allerdings ebenfalls ganz gut.

Die Multistrada V4 Rally bleibt eine der konsequentesten und am gründlichsten durchdachten grossen Reiseenduros auf dem Markt: schnell, komfortabel, technisch komplex, im Alltag aber erstaunlich leicht zugänglich. Das Update für 2026 macht sie nicht radikal anders, verbessert sie jedoch in jenen Punkten, die auf grossen Reisen zählen – bei Komfort, Sicherheit und Fahrbarkeit. Das macht trotz aller Perfektion schon sehr viel Spass.

 Technische Daten Ducati Multistrada V4 Rally

Antrieb: Flüssigkeitsgekühlter 90-Grad-V4 mit gegenläufiger Kurbelwelle, vier Ventilen pro Zylinder und Ride-by-Wire

Hubraum: 1’158 cm³

Leistung: 170 PS (125 kW) bei 10 750 U/min

Drehmoment: 123,8 Nm bei 9 000 U/min

Sitzhöhe: 870–890 mm; automatische Absenkfunktion des Fahrwerks

Gewicht: 240 kg fahrfertig ohne Kraftstoff; mit gefülltem Tank gut 260 kg

Preis: ab 29’290 Franken in Ducati Red; ab 29’890 Franken in Jade Green/Brushed Aluminium

 Umfangreiche Serienausstattung

Radarsystem mit adaptiver Geschwindigkeitsregelung, Blind Spot Detection und Forward Collision Warning

Ducati Vehicle Observer (DVO) für die präzisere Steuerung elektronischer Fahrhilfen

Ducati Skyhook Suspension EVO

Automatic Lowering Device

Hauptständer

Heizgriffe

Reifendruckkontrollsystem

Schlauchlose Speichenräder

Ducati Quick Shift Up/Down 2.0

6,5-Zoll-TFT-Farbdisplay mit Karten-Navigation

Voll-LED-Lichtanlage

Das Paket Adventure Travel & Radar umfasst unter anderem Aluminium-Seitenkoffer mit insgesamt 76 Litern Stauraum sowie beheizte Fahrer- und Soziussitze. Die Full-Adventure-Ausstattung ergänzt das Motorrad unter anderem um einen Akrapovič-Endschalldämpfer und einen Carbon-Kotflügel.

Fotos und Text: Daniel Huber, dafür wollen wir uns herzlich bedanken. Mehr Mofas hat es im Archiv.

20 Kommentare

  1. Eugen Eugen

    es is ein Elend. Grad wir Moppedentreiber hätten die Möglichkeit gehabt, über die Jahre jedem und jeder zu zeigen, dass weniger (Gewicht, PS) tatsächlich viel mehr Spass macht. Aber so?, 260 kg?, ein Haufen Elektronik?, Ressourcenverbrauch (mehr Metall, Plastik, Reifen, Benzin, Öl, usw. usf., einfach mehr von allem) Ende nie und dann stehen diese Dinger in der Gegend rum (und mir am Pass im Weg) und wir kriegen sie nie mehr los. Es is zum heulen. Nur dass es klar ist: sowas wie dieser Krapfen is natürlich vollkommen übermotorisiert, viel zu schwer, kann nur durch die Elektronik eingefangen werden und ist somit einfach nur lächerlich. (und, ok, das is subjektiv, potthässlich)

  2. Rolf Rolf

    Diese goldenen Felgen hatten Honda Transalp und Africa Twin Ende der 80er/Anfang der 90er. Ich fand sie damals schon störend.

    Den Rest hat Eugen schon gesagt, ausser dass eine Reiseenduro wenigstens Kardan haben sollte. Kettenfahrzeuge sind was fürs Militär und die Baustelle.

  3. Hömal Hömal

    Lieber Eugen,

    wie wär’s mit ein wenig leben und leben lassen?

    Merke: Passstraßen sind für alle da (ja, sogar für Holländer!) und nicht nur für sie alleine. Buchen sie einen Trackday, wenn sie ohne Einschränkungen fahren wollen. Ist erheblich sicherer als am Pass anzudrücken.

    Ich erlaube mir an dieser Stelle, ihre Haltung 1:1 zu spiegeln:

    Kennen sie den Unterschied zwischen einem Motorradfahrer und einem Rennradfahrer? Ich erkläre es ihnen gerne:

    Rennradfahrer sind die, die es ausschließlich mit Muskelkraft auf die Passhöhe rauf schaffen. Die brauchen dazu keine 100PS untem Hintern. Und anders als Motorradfahrer produzieren sie dabei null Lärm und Abgase. Haben sie es jemals erlebt, wie lang man die Abgasfahne eines Verbrenners riecht, wenn man mit dem Renner zeitig in der Früh einen Pass rauffährt, wo noch wenig los ist?

    Übrigens, weil sie das erwähnten: Zur Herstellung eines Rennrads ist nicht einmal ein Promille der Ressourcen nötig, die ihr schlankes Motorrad verschlungen hat. Wenn sie also einen auf „umweltmoralisch“ machen wollen, dann legen sie sich *nie* mit einem Radfahrer an, denn die haben die Fakten auf ihrer Seite … 😉

    So.

    Und jetzt überlegen sie einmal: Wie viel weiter kommen wir, wenn wir uns auf die Art gegenseitig beflegeln? Keinen Millimeter. Also lassen sie den Reiseenduro-Fahrern ihre Reiseenduros und genießen sie lieber die Landschaft, wenn sie ihre Pässetouren machen.

    • Rolf Rolf

      Das ist doch nur unser typisches Motorradfahrer-Gemaule von Eugen, nicht zu ernst nehmen.
      Immerhin ist eine BMW GS am Berg nur sehr sehr schwer zu schlagen.
      Landschaft gucken Motorradfahrer erst nach dem Anhalten, was gut ist.

      Leben und leben lassen. Richtig.
      Leider sind Fahrradfahrer, egal ob am Berg, in der Stadt oder auf der Landstraße, diejenigen, die das ganz schnell vergessen und immer recht haben.
      Egal, ob sie Auto, Fußgänger oder gar Fußgänger mit Hunden treffen. Ganz übel.

      Nun mögen Sie ein engagierter Rennradler sein, schönes Hobby.
      Die Masse kauft E-Bikes, sind unsportlich, fahren im Urlaub höchstens 50 km damit und transportieren diese unter spürbarem Mehrverbrauch ins Domizil.

      • Eugen Eugen

        Wohl wahr, zwecks der Landschaft (die natürlich wunderschön ist) wäre ich jetzt nicht mit Motorrad nach Südtirol gefahren. Und BMW GS-Treiber_innen? DAS stimmt, die treiben diese Geräte (trotz oft Stoppelreifen) gnadenlos aufn Berg, auch ab und zu zu zweit, echt arg, da sind richtige Könner_innen unterwegs. Und dann bergab: (ich mitn AGV-Vollvisier, von oben bis unten im besten Leder und der Airbag-Jacke von Dainese) werden wir fast paniert von den Radler_innen mitn Radlhelm, T-Shirt, kurze Hose und die Radlhandschuhe. UNPACKBAR, was für wilde Hund_innen da dabei sind, RESPEKT!

        • Rolf Rolf

          Das müssen, ehrlich gesagt, gar keine so großen Könner sein. Nur auf die Maschine vertrauen, genügt völlig.
          Als bekennender Kurzbeiner, hatte ich vier BMW Roadster, also tiefergelegte GS.
          Tiefer Schwerpunkt, Telelever und geradezu grober, aber wohl dosierter Antritt im 2. Gang bei Schritttempo sind die „Geheimnisse“.
          Gerade in Südtirol gibt es oft Wellen im Asphalt vor den Kehren.
          Mit so einer BMW kann man da einfach drüber fahren und wenn man sich verschätzt hat, sogar voll auf der Bremse und ebenfalls auf der Bremse abwinkeln.
          Fahrfehler ….. egal.
          Das habe ich dann mal auf einer Bandit 1200 versucht und bin fast geradeaus in die Wand gefahren …..

          • Rolf Rolf

            PS: Ja, bergab sollte man sich vor der Kehre nicht mit Rennrädern anlegen, die haben einfach den viel kürzeren Bremsweg.

          • Eugen Eugen

            hier: ich damals vor vielen Jahren Honda NTV 650 Revere ((Einarmschwinge (!), Kardan (!), elektrische Blinker (!), der saugute legendäre BT45, hohe Fussrasten, dadurch ziemliche Bodenfreiheit, hat mir für 40.000 km getaugt)), glüh irgendeinen dieser unpackbaren Pässe in Südtirol rauf und runter, (diese Künstler_innen haben da Strassen in die Landschaft und Berge hineinkomponiert, echt sagenhaft!,KEINE Kurve macht gemein zu), so richtig im Flow (-10%, wegen der Sicherheit), seh ich im Rückspiegel drei Lichter und kommt ein ECHTES italienisches Kampfgeschwader herangeflogen, drei völlig irre GS-Treiber, offensichtlich bestens gelaunt und absolut am Limit, das war so dermassen sehenswert. ich hab dann versucht, mich ein wenig anzuhängen, das war aber eher naiv. Ein paar Kehren gings grad noch, aber die waren einfach viel zu schnell. War echt cool.

        • Hömal Hömal

          Tja, so ist das am Rennrad bergab am Pass. Damit
          kann man damit so ziemlich alles nass machen indem man den Gewichtsvorteil gnadenlos ausspielt. Überhaupt jetzt, wo man nicht mehr mit 23mm Dackelschneidern unterwegs ist.

      • Hömal Hömal

        Lieber Rolf,

        sie haben recht und unrecht. Nach über 30 Jahren Radsport (davon 20 am Rennrad) und über 40 Jahren als Alltagsradler kenne ich meine Pappenheimer. Ja, es ist richtig, das Verhalten von Radlern ist zu oft ein Problem. Meine Rennrad-Kollegen (die -innen haben das nur selten nötig) können leider ziemlich *PIEP*-Löcher sein (sich in der Gruppe breit machen, Autos mit Absicht blockieren…)

        Es gibt aber auch eine andere Seite: Als Radler bin ich regelmäßig mit aggressivem Verhalten und gerne auch Beschimpfungen konfrontiert, obwohl ich nichts falsch gemacht habe sodern einfach nur da bin. Und trotzdem heißt es dann immer: „*PIEP* Radfahrer!!!!einseins11!!“ Ich habe aufgehört mitzuzählen, wie oft ich viel zu knapp überholt werde. Wenn ich beim überholenden Auto an die Scheibe klopfen könnte, kann man nicht mehr wirklich von einem „Sicherheitsabstand“ sprechen. Was mich echt schockiert hat war, dass selbst ein Freund vom mir meinte, „die Radfahrer“ wären an sowas ja selber schuld, weil sie sich so „deppert aufführen“.

        Die Folgen bekomme ich regelmäßig zu spüren: Zu viele Autofahrer glauben, Radfahrer hätte auf der Straße nichts zu suchen. Das führt dann dazu, dass ich mehrmals im Jahr von Autofahrern mit voller Absicht in Gefahr gebracht werde – so quasi als autofahrerische Selbstjustiz. Z.b. indem ein links abbiegender Autofahrer vol. ins Gesicht schaut und trotzdem abbiegt, obwohl ich ihm entgegen komme. Mein übelstes Erlebnis war ein Linienbus, der mich mit 10km/h steil bergauf so brutal geschnitten hat, dass ich eine Vollbremsung hinlegen musste, um nicht von der Straße geschoben zu werden.

        Mir ist bei all diesen Vorfällen nur deswegen nie etwas passiert, weil ich defensiv fahre und mit meiner großen Routine gefährliche Situationen handeln kann. Sonst würde ich mindestens 1x im Jahr im Spital landen. Nein, das ist leider keine Übertreibung.

        Radfahrer werden seit Jahrzehnten in den Medien als „gefährliche Rowdies“ dargestellt. Wie Mountainbiker in den 1990ern mit gestellten Videos hingestellt wurden, war *richtig* übel. In Wirklichkeit haben Radfahrer im Straßenverkehr in den letzten 20 Jahren (Ö Unfallsstatistik) null Menschen getötet, während Autos viele tausend Fußgänger getötet haben. Das ist allerdings nie ein Thema.

        Sorry für die Länge. Ich dachte mir einfach nur, ich stell einmal die andere Seite dar.

    • Eugen Eugen

      äh, sorry, „beflegeln“ is tatsächlich anders und dürfte Ihnen echt noch nicht viel ungutes untergekommen sein, wenn mein Text über diese vernudelte Duc für Sie gleich „beflegeln“ is. Wobei, da hams schon recht, grad wir Motorradfahrer (da brauch ich jetzt nicht gendern) sind bei Kritik an uns selber gleich mal ausgesprochen sensibel. Aber was soll ich Ihnen sagen, „Reiseenduros“, noch dazu auf Passstraße, sind nun mal die Geisel Gottes, die Sanddünen der Mobilität, ich kann’s ja auch nicht ändern.

      • Hömal Hömal

        Mein Lieber, beflegelt werden ist als Radsportler und Alltagsradler mein täglich Brot. Und nein, nicht weil ich mich „deppert aufführe“, sondern einfach nur, weil ich mich erdreiste, mit dem Rad einfach nur da zu sein.

        Als Radler ist man der Arsch für alle. Fußgänger reagieren z.B. oft genug sehr ungehalten, wenn man sie anklingelt, weil sie sich am Radweg breit gemacht haben.

        Wie es einem als Radler im Straßenverkehr geht, lesen sie in meinem anderen Post. Ich habe schon vor Jahren aufgehört, Menschen dazu zu ermutigen, das Rad im Alltag zu nutzen. Die Stimmung gegen Radler ist mittlerweile so aggressiv, dass man ohne ausreichende Routine und gute Reflexe das Rad lieber stehen lassen sollte.

        • Eugen Eugen

          na jaaa, nur zur Erinnerung. Sie haben mir unterstellt, ich würde uns gegenseitig (?) beflegeln. Und: das stimmt nicht. Mir gings darum, darauf hinzuweisen, dass wir als Motorradfahrer_innen tatsächlich die Möglichkeit gehabt hätten, der Welt zu zeigen, dass leichtere Motorräder mit weniger PS (und dadurch mit weniger Aufwand usw.) der Sache (sich gschmeidig durch Raum und Zeit zu bewegen) wesentlich dienlicher sind. Ihr Hinweis auf Ihr Rennradl bleibt Ihnen natürlich unbenommen, ist meiner Meinung aber Whataboutism vom Feinsten und in diesem Fall (meine Kritik an dieser unnötigen, schweren und übermotorisierten Duc) meiner Meinung nach eine reine Themaverfehlung. Motorräder und Fahrräder sind zwei verschieden Paar Schuhe und doch etwas unterschiedliche Themenbereiche. Wobei: wenns gar so zach is, mit Rennradl rumzugurken (was mir im Übrigen großen Spass macht und sooo ungut sinds dann auch nicht alle), warum machen Sie es dann? kleiner Tipp unter uns: Probieren Sie es einfach mit einer KTM 690 R, Bj. 2017, da können dann SIE auf die Radler_innen schimpfen und sind aber vor einer unguten Antwort, husch, schon weg.

          • Hömal Hömal

            Mich nervt einfach nur dieses Herumsudern, wie „blöd“ nicht diese oder jene „anderen“ sind. Ich hab einige Jahre in Tirol gelebt. Was glauben sie, was man da alles mit holländischen Wohnmobilisten erlebet! Dagegen sind Reiseenduros flink wie ein Wiesel. Und trotzdem haben sie das gleiche Recht, da zu sein.

            Nein, meine Antwort war kein Whataboutismus, das haben sie offenbar falsch verstanden. Ich habe ihnen einfach nur ihre für mich nervige Art, über andere zu lästern, 1:1 zurückgespiegelt.

            Ja, schlanke Motorräder sind super, wenn man solo unterwegs ist und kein großes Gepäck mit dabei hat. Mit Sozius und großem Gepäck kommt auf einer 600er eher keine Freude auf. Kann man natürlich trotzdem machen, aber grad auf Pässen ist das dann eher zach.

            Große Enduros sind auch eine Alterserscheinung: Leisten kann man sich die erst, wenn man gutes Geld verdient. Was bei Jungen meist noch nicht so sehr der Fall ist. Ist ja bei den sündteuren Rennrädern in der >€10k-Liga das selbe. Da sitzen auch fast ausschließlich Grauhaarige drauf. Weil man erst in diesem Lebensabschnitt das nötige Spaziergeld hat.

            Verwenden sie das Rad ganz normal im Alltag? Wir haben als Familie nicht einmal ein Auto, weil wir keines brauchen. Wie viele km/Jahr sitzen sie am Renner? Meine Erfahrung in Wien ist, dass Radfahren in den letzten 15 Jahren immer zacher geworden ist. Draußen im Wienerwald ist es viel besser. Dort nerven nur die selbsternannten „sportlichen“ Motorradfahrer mit ihren superlautem Auspuffanlagen. Aber das sind zum Glück nicht so viele.

            Nein, eine Duke werd ich mir nicht mehr kaufen. Ich habe viele Jahre von einem Motorrad geträumt. Jetzt, mit Ende 50, reizt mich das gar nicht mehr so. Freiheit und die Freude an der Landschaft erlebt man meiner Meinung nach am Rad oder im Cabrio deutlich intensiver. Mit meiner Frau am Tandemrenner ist das Entspannung pur.

  4. Rolf Rolf

    Es ist natürlich ein schräger Vergleich, weil er so herrlich hinkt.
    Fahrrad, Motorrad, Cabrio.

    Ich muss gestehen, seit ein paar Monaten haben wir wieder ein Cabrio auf dem Hof, das ist schon fein. Kürzlich hatte es hier 33 Grad, im Süden Deutschlands 38.
    Ich fuhr in der „Damenvariante“ los. Verdeck auf, Scheiben hoch, Windschott hoch.
    Zu warm. Scheiben runter, Windschott runter. Herrlich. Noch wärmer hätte es nicht sein sollen. Man hat halt normale Kleidung an, das ist gut, die entgegenkommenden Motorradfahrer in voller Montur und mit Helm taten mir leid.

    Ansonsten gehe ich täglich über drei Stunden mit meinen Hunden zu Fuß und freue mich über jegliches Fahrzeug auf dem kurzen Stück schmaler Straße, das ich benutzen muss, welches ein wenig Rücksicht nimmt.

    • Eugen Eugen

      Ich „sudere“ nicht rum, ich „beflege“ auch niemanden und vermute ich mal, derartige Unterstellungen taugen Ihnen auch nicht. Nur damit das klar ist: wenn Sie viel Fahrradfahren und gar kein Auto und auch keine Moppede haben, dann sind Sie nicht das Problem, sondern tatsächlich eher die Lösung bzgl. des Klimawandels und einer vernünftigen Mobilität. Was ich sagen wollte (ich mein, sooo schwer is das jetzt auch nicht zu kapieren): Reduce to the Max. Und das „Gesudere“ (huch, is mir so rausgeruscht, sorry) von wegen „eine 600terer is zu zweit ja viiiel zu wenig“, (is ja auch so ein Standardarwuchtel, um „mehr“ is mehr“ zu rechtfertigen) das is halt einfach falsch. (Hätten Sie dazu Erfahrungswerte oder tippseln Sie das, weils Ihnen grad passt und ein Nachgeben unddenkbar is?)

      • Rolf Rolf

        Ich bin zwar nicht gemeint, weil ich habe das nicht geschrieben, erlaube mir aber mal ganz ganz böse zu antworten:

        Ob nun einer eine 600er oder eine 1600er oder ein Fahrrad fährt, ist scheissegal.
        Klimawandel, Ernährungskrise, Wassermangel usw. wird verursacht durch eine Überproduktion eines gewissen Allesfressers, der angeblich mit Denkfähigkeit ausgestattet sein soll.

        • Eugen Eugen

          uiii, sorry, tatsächlich vertippselt. btw.: sooo böse muss man jetzt auch wieder nicht sein. (ok, eine gewisse nervöse Unruhe und das Vereinfachen komplexer Probleme is in so Foren durchaus üblich), aber: z.B.: die heutigen Motorradreifen sind unglaublich in ihrer Qualität, was für Fortschritte!, und auch die medizinische Versorgung gerade von uns Freizeithelden is 2026 wirklich gut. Beides beruht auf viel Denkfähigkeit. Und, weil ich schon hier bin: ich bleib dabei, alles über 180 Kg bei einer Moppede brings nicht. Und, Hr. Rolf: radical-mag.com is gut gemacht und (oft) informativ, danke dafür.

      • Hömal Hömal

        Lieber Eugen,

        wie immer gilt: Der Ton macht die Musik. Mein einziges „Vergehen“ war, ihnen aus dem Wald 1:1 so zurückzurufen, wie sie hineingerufen haben.

        Man kann es richtig machen, ohne über die anderen zu lästern, weil sie „böse“ sind. Gesudert wird ja immer: Die Einheimischen sudern über die Holländer. Die Motorradfahrer sudern über die „Langsamen“. Die Rennradler sudern über die „Sonntagsradler“. Und so weiter und so fort. Muss das wirklich sein?

        Leben und leben lassen und nicht das Bedürfnis haben, sich immer wieder über andere aufzuregen, erhöht die Lebensqualität deutlich.

        Klar geht Pass mit Sozius und großem Gepäckt mit einer 600er. Aber halt eher gemütlich. Ein bisserl so wie mit dem 34PS-Käfer. Bonus: Man kann auf die Art mehr von der Gegend genießen.

  5. Eugen Eugen

    Wohl wahr, wenn nix mehr geht, dem anderen mangelnden „Lebensqualität“ zu unterstellen, geht immer.

    Lieber Hömal, so wie Sie an die Sache (die eigentlich ich angestoßen hätte) rangehen, is tadellos, praktisch Gummiwand. Also, das mit „dem Ton macht die Musik“ und „genervt“ können Sie schon auch ganz gut, ich glaube, DA sind wir uns zumindest einig.

    Ich weiß jetzt immer noch nicht:

    Finden Sie , wenn Sie schon auf meinen Absatz zur Duc antworten, die Entwicklungen der Motorräder (eher immer schwerer, stärker und daher mehr Ressourcenverbrauch) jetzt gut oder schlecht?

    Um mehr gings mir gar nicht, ich hab die Duc lediglich kritisiert, (ich kenn diesen Krapfen) ich war weder „böse“, noch habe ich jemanden als „blöd“ bezeichnet, das sind lauter haltlose und unnötige Behauptungen von Ihnen. Und gegen die Radlfahrer _innen hab ich schon gar nix. (Wobei ich immer noch nicht weiß, wie die in die Diskussion reingekommen sind.) Das mein Absatz über die Duc lediglich als „Gesuder“ rübergekommen is, find ich auch ein wenig übertrieben.

    Und, ganz spannend:

    Fahren Sie jetzt eigentlich Motorrad? Wenn ja, welche?, wohin?, wieviel?, warum?

    Motorradfahren hat schon was.

    Mit ganz lieben (und NICHT „blöden“ oder gar „bösen“) Grüßen, eugen

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